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11 Mai, 2009

3min: Vorboten der TV-Revolution?

Posted by: Casi In: Media

Das ein oder andere Posting zum Thema Web-Soaps habe ich hier ja bereits verfasst. Ich muss zugeben, dass ich mich an dieses Format auch erst gewöhnen musste. Während mir generell "Soaps" auch im klassischen Fernsehen nicht zusagen, kann ich mich mittlerweile zumindest mit der anderen, mehr auf das Netz ausgerichteten Ausstrahlungsweise arrangieren. 

Diese veränderte Idee beschränkt sich erst einmal darauf, dass die "Dosierung" eine andere ist. Während wir im TV Serienlängen von 25 Minuten bis 60 Minuten gewöhnt sind, kommen diese kleinen, modernen Ableger wesentlich kürzer daher und wollen sich somit auf unsere im Internet veränderten Sehgewohnheiten abstimmen. 

Ob es ein YouTube-Effekt ist oder ob wir generell durch die Flut an Informationen im Netz nicht in der Lage sind, 20-Minuten-Formate zu begreifen, lasse ich mal außen vor. Auf die Dramaturgie und Vorgehensweise hat es jedenfalls weitreichende Konsequenzen, denn man kann logischerweise nicht einfach eine "normale" Serienfolge zerstückeln, sondern muss dramaturgisch in einem viel engeren Zeitrahmen einen Spannungsbogen aufbauen.

Mittlerweile gibt es auch echt einige Serien, die ich nicht regelmäßig, aber zumindest doch in losen Abständen mal verfolge. Die in den oben verlinkten Beiträgen bereits erwähnten "Pietshow" und "Deer Lucy" sind zum Beispiel solche Vertreter. 

Videoportale wie myvideo versuchen nun den Spagat zwischen den Formaten. Neben dem user generated content versucht man dort beispielsweise auch TV-Erfolge wie Germany’s next top model und Verliebt in Berlin einzubinden und präsentiert eben auch speziell für das Internet produzierte Serien wie The Flat.

Mit Spagat meine ich dabei, dass es sich durchaus schwierig gestaltet – sowohl für den Anbieter als auch den Zuschauer – diese ganze Bandbreite auf einer Plattform abzudecken. Für mich als User beispielsweise ist es anstrengend, selbst hochgeladene Videos in den gleichen Suchergebnissen zu finden wie Web-Serien und klassischen Fernseh-Content. Wobei man unter "Fernseh-Content" auch noch unterscheiden muss, ob es sich um eine Originalfolge handelt oder nur um einen kurzen Schnipsel derselben.

3min3min ist nun ein Portal, welches mit diesem Mix nichts zu tun haben möchte und sich wirklich nur auf die – der Name ist also Programm – durchschnittlich dreiminütigen Web-Formate beschränkt. Diese wiederum werden jedoch in sehr ordentlicher Qualität angeboten und können auch augenkrebsfrei im Vollbild-Modus betrachtet werden.

Beim Testen der Seite ist mir zunächst mal eine kleine Schweinerei der Betreiber aufgefallen: Als nicht-eingeloggter Besucher der Startseite wird man nämlich sofort überrumpelt, in dem eine erste Webserie direkt nach einem kurzen Werbespot startet und ehe man sich versieht, schaut man sich das 3-Minuten-Filmchen auch an. Während man dann danach noch überlegt, ob man sich weitere Folgen dieser Serie anschauen sollte, startet bereits eine weitere und das Spiel beginnt von vorne. 

Es ist natürlich auch immer eine Frage des Geschmackes, aber zumindest was meinen angeht, kann ich behaupten, dass dieses Konzept funktioniert. Der Mix aus Konzertmitschnitten, Shows und Serien funktioniert für mich deswegen, weil Qualität und Auswahl stimmig sind. Schaut man den Anfang eines Interviews, will man auch verfolgen, wie es weiter geht. Ebenso verhält es sich bei den Konzertmitschnitten und auch den Serienformaten. Diese kleinen Zeitfresser verleiten also durchaus dazu, nochmal und nochmal drei Minuten weiterschauen zu wollen – was durchaus als Kompliment an diejenigen verstanden werden soll, die für die Produktion, aber auch den Mix der Formate verantwortlich sind.

Denn das – meiner Meinung nach – Übel dieses Portals bestand für mich bisher darin, dass ich es nicht sonderlich spannend fand, mir lauter unbekannte Formate reinzuziehen. Daher befasse ich mich auch erst zum offiziellen Start ausgiebiger mit 3min, obwohl bereits eine sechsmonatige Testphase absolviert wurde, in welcher ich auch immer vorhatte, mich mal dort umzuschauen.

Wie bei so vielen festen Größen in der Medienwelt – egal, ob TV, Musik oder Journalismus – wird auch hier ein Umdenken stattfinden in der nächsten Zeit und dann können auch Serienhits auf einem solchen Portal geboren werden.

Vermutlich werdet Ihr Euch – genau wie ich – auch nicht in jedem Thema komplett zuhause sein, aber es lohnt sich, seine persönlichen Perlen herauszufinden und die wird man dann sicher auch weiterverfolgen. Themenunabhängig kann man jedenfalls festhalten, dass die einzelnen Formate alle technisch toll umgesetzt wurden und gerade die Serien in Technik und Dramaturgie durchaus konkurrenzfähig sind zu TV-Formaten. Beispiele dafür, die mir richtig gut gefallen haben, sind "Prom Queen" und "Dämmerung".

Was den Webauftritt an sich angeht, bleiben auch keine Wünsche offen. Die gängigen Funktionen finden sich im 3min-Player natürlich auch wieder und man kann logischerweise auch Serienfolgen favorisieren oder ganze Serien abonnieren. Letzteres wiederum kommt meinen eigentlichen Sehgewohnheiten wieder mehr entgegen, denn so kann ich mich entspannt zurücklehnen und Folge für Folge nacheinander betrachten. Der ganze Webauftritt ist für uns Zuschauer übrigens komplett kostenlos und wird durch Werbung finanziert. Diese findet sich in Form von Clips vor den eigentlichen Serienfolgen, ist aber angenehm kurz gehalten.

Wenn Ihr eh schon ein Faible für diese Webformate entwickelt habt, möchte ich Euch 3min natürlich ans Herz legen, aber auch für jeden anderen sollte der ein oder andere Blick auf die Seite Pflicht sein, denn ich glaube, dass wir in Zukunft ganz verstärkt auf diese Form der Unterhaltung stoßen werden. Beleg für meine These könnte mitunter auch sein, dass mit Boris Becker jetzt sogar ein Promi sein persönliches Web-TV-Portal gestartet hat. Auch dort finden sich durchaus interessante Einblicke in Beckers Leben – ich bin mir gerade nur nicht ganz mit mir im reinen, ob ich wirklich einen Kanal verfolgen möchte, in dem ständig und ausschließlich der gleiche Promi zu sehen ist ;)

Über kurz oder lang werden vermutlich noch viele dieser Serien und Portale aus dem virtuellen Boden schießen, denn nicht umsonst hat Microsoft als Ergebnis einer groß angelegten Studie verkündet, dass es nicht mehr lange dauern kann, bis das Internet das klassische Fernsehen ablöst in unserem Konsumverhalten. So werden wir zukünftig unsere Filme aus dem Internet auf dem stationären Fernseher betrachten, aber genau so wird der Markt für mobiles TV immer größer werden, denn gerade die wenigen Minuten langen Web-Serien eignen sich natürlich hervorragend dafür, auch auf geeigneten Handys oder auf Note-/Netbooks betrachtet zu werden. Auch hier kann 3min übrigens punkten, denn im iTunes-Store findet Ihr auch bereits eine iPhone-App, um 3min.de auch unterwegs genießen zu können.

Abschließend hier mal ein Beispiel für eine der gut gemachten Serien bei 3min:

 

 

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    Nicht schlecht – so lange kann sogar ich mich beim Gucken wachhalten ;)


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