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13 Mai, 2009

Zensursula: Langsam wirds peinlich

Posted by: Casi In: Politik

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Anfangs war in mir Zweifel oder Unglaube. Später dann Wut, Zorn und all diese Dinge, die einen manchmal auf die Barrikaden gehen lassen. Mittlerweile ist da fast schon so was wie Ohnmacht in mir, wenn ich auf die beiden Seiten des Schlachtfeldes schaue, auf welchem wir uns gerade gegenüber stehen.

Ich habe mich auf der Seite eingereiht, die – ja das glaube ich nach wie vor – für das Richtige steht. Versteht mich nicht falsch, ich bin eigentlich nicht dieser Demo-Typ. Weder halte ich Pappschilder hoch, in denen ich mehr Arbeit oder mehr Geld fordere und ich bin auch nicht der Typ, der abends in der Lichterkette eine Kerze hält, um es den Rechten mal richtig zu zeigen. Vielleicht ist "der Deutsche" generell so, dass er trotz sozialen Schieflagen nicht zwingend protestieren geht, so wie es sein Nachbar in Frankreich tut. 

Aber selbst so ein gemütlicher Couch-Hocker wie ich trägt sich mit dem Gedanken, vielleicht doch mal Pinsel und Farbe zur Hand zu nehmen, um sich sein Pappschild zu bemalen, denn vom ständigen Wiederholen im Blog bekommt es auch keiner mit, der nicht bis jetzt schon sowieso unterschrieben hat. Es scheint fast so, als ist man in der Politik penibelst drauf bedacht, den wahren Sachverhalt unter den Tisch zu kehren, anstatt sich mit Argumenten auseinanderzusetzen. Also kann man daraus doch nur schließen, dass es nicht einmal im Ansatz darum geht, das Richtige zu tun. Vermutlich geht es noch nicht mal um das viel beschworene eine einzige Kind, dessen Rettung das alles hier rechtfertigen würde. Worum es geht, kann ich noch nicht genau sagen – noch pendel ich zwischen Wahlkampf und einleitende Maßnahmen für weitere Freiheitsbeschneidungen.

Was mich so auf die Palme bringt und in die Schnittmenge zwischen aktiv und depressiv bringt, sind die jüngsten Entwicklungen nach Bekanntwerden des Petitionserfolges. Da werden Professoren befragt, die augenscheinlich hoffnungslos mit der Thematik überfordert sind, auf die man aber aufgrund des Bildungsstandes natürlich dennoch hört. Schön, dass sich auf gleichem intellektuellem Niveau eine Antwort gefunden hat – hier sind beide Links:

Durch den politisch sehr engagierten Pottblogger Jens Matheuszik bin ich auf die "grüne Zensursula" gestoßen, aber schaut Euch lieber selbst an, wie Nora Reich ein rhetorisches Feuerwerk entfacht und selbst den geschulten Redner anerkennend mit der Zunge schnalzen läßt:

 

 

Ich habe mir das gerade tatsächlich noch einmal angeschaut und bin mir nach wie vor nicht sicher, ob sich die Grünen damit einen Gefallen tun, dieses Video weiterhin auf der partei-eigenen YouTube-Seite zu präsentieren. So viel geballte Inkompetenz kann wertvolle Stimmen kosten – da bin ich von den Grünen, die ich via Twitter verfolge, doch was qualitativ ganz anderes gewohnt.

Wenn man denkt, dass die Debatte nicht noch unsachlicher und populistischer geführt werden kann, belehrt uns Netzpolitiker Markus Beckedahl wieder einmal eines besseren, in diesem Falle mit seinem Blogbeitrag Deutsche Kinderhilfe für Zensursula! Da wird berichtet, wie auf atemberaubend naive Art und Weise eine Gegenbewegung zur Petition angezettelt wird und genau an diesem Punkt müssen wir aufpassen, dass uns die Geschichte nicht aus den Händen gleitet. Es ist schon schwer genug, augenscheinlich gegen die Sperrung von kinderpornografischen Seiten zu sein, aber allgemein gegen Kinderhilfe? Wenn mir jemand einen Zettel unter die Nase hält, auf welchem "Ja, ich stimme für das Gesetz gegen Kinderpornographie im Internet ab" steht, würde ich vermutlich auch unterzeichnen. Mit der von uns allen unterzeichneten Petition hat das natürlich herzlich wenig zu tun.

Um das Ganze noch ein wenig abzurunden hier noch ein Zitat von Hans Peter Uhl (CSU):

Für mich steht jedoch fest, dass z.B. das Freiheitsrecht eines Kindes, nicht sexuell missbraucht und Pädophilen zur Schau gestellt zu werden, um einiges höher zu bewerten ist als eine verabsolutierte "Freiheit des Internets" oder anderes dummes Geschwätz. Die ganze pseudo-bürgerrechtsengagierte Hysterie von Pseudo-Computerexperten, man müsse um jeden Preis ein "unzensiertes Internet" verteidigen etc. – vgl.www.ccc.de -, fällt für mich in die Kategorie: juristisch ohne Sinn und Verstand und moralisch verkommen.

(Hervorhebung von mir)

Keine Ahnung, wie das bei Euch ankommt, mir selbst ging jedenfalls erst einmal die Kinnlade runter, als ich es gestern gelesen habe. Ich will diesen Beitrag aber nicht beenden, ohne noch einige lesenswerte Artikel zu verlinken, über die ich gestern und heute gestolpert bin.

Ich weiß, ich mute Euch hier zum Thema in den letzten Tagen eine Menge Lesestoff zu, aber zum einen gibt es auch sehr gute und sehr interessante Artikel, die wir alle gelesen haben sollten und zum anderen macht es durchaus Sinn, dass wir uns weitere Argumente, Erklärungen und Statistiken draufpacken, um die weniger involvierten Menschen von der Sache überzeugen zu können. 

Wer weiß, wenn jemand zu einer größeren Offline-Demonstration aufruft, werde ich meinen Fettarsch vielleicht auch mal hier wegbewegen und dabei sein – wobei man sich im Vorfeld darüber im klaren sein muss, dass es keine Demo ist wie alle anderen. Gegen Krieg, für mehr Geld, gegen Kurzarbeit und für Reisefreiheit. Meistens gibt es keine zwei Volksmeinungen bei so gearteten Demonstrationen. Bei uns wäre das anders: Wir demonstrieren nicht nur für unsere Sache, wir müssen auch gleichzeitig Aufklärungsarbeit betreiben, um die Leute überhaupt für die Fakten zu sensibilisieren.

 

 

  • Zu deiner Vermutung, ich denke es geht um beides. Um Wahlkampf für die einen und um die Etablierung einer Infrastruktur zur Kontrolle von Netzinhalten für die Anderen. Mit genügend ehrlicher Aufklärungsarbeit wird der Wahlkampf wohl ein Schuss in den Ofen sein.
    Ich war z.B. am Freitag bei einem Vortrag äh, einer Wahlkampfveranstaltung von Bundesinnenminister Schäuble zum Thema "Innere Sicherheit". JEDER der dort anwesenden CDU Wähler, mit dem ich nach der Veranstaltung eine längere Diskussion führte sprach sich zum Schluss in unserem Sinne aus. Es fehlt also nur an Aufklärung denke ich. Selbst Frau von der Layen wirkt falsch Informiert, wenn ich mir z.B. den Brief an Herrn Häussler (spreeblick) durchlese.
  • Würde Ignoranz Strom erzeugen, könnte man im Moment mit dem Reichstag alle Atomkraftwerke ersetzen.
  • Prof. Christoph Meinel vergleicht das Internet mit Zeitungen. Das ist interessant, denn anhand dieses Vergleichs könnten ihm (zugegeben das erfordert ein paas Sekunden Reflexion) die Unterschiede beider Medien einleuchten: zumindest wenn es um Straftaten geht, gibt es keinen.

    Nach seiner Argumentationslogik gibt es in unseren Zeitungen nur deshalb so wenig Kinderpornografie weil diese zensiert werden? Nein? Ach was? Die werden gar nicht zensiert?

    Der Punkt ist doch der welche Konsequenzen jemand befürchten muss - und da muss das Fazit lauten dass die Justiz zu wenig tut.
    Wenn das ganze so ein Millionengeschäft wär, wie es derzeit von den Körpertemperatur-IQ Leuten verzapft wird, müssten sich Richter auch mit Verlagen und Zeitungen beschäftigen.

    Wieso kommt keiner auf die Idee Papier zu verbieten, oder aber zumindest alle Papierkäufe an das BKA mitzuteilen? Man kann so widerliche Dinge auf Papier drauf tun. Fingerabdrücke, Propaganda, Kinderpornografie. Vielzuviel Geschwafel. Wir sind auf dem besten Weg zur Stasi 2.0 mit dem Unterschied dass keine Schüsse fallen werden (solange man noch Ausreisen darf...)
  • Wizbee
    Bezüglich Professor Dr. Christoph Meinel vermute ich folgenden Zusammenhang: Laut seiner Seite http://www.hpi.uni-potsdam.de/personen/professoren/meinel.html
    ist einer seiner Forschungsschwerpunkte das Projekt "Safer Internet" - Schutz vor unerwünschten und anstößigen Inhalten.

    Klingelt es? Ich denke dass so jemand von der breiten Einführung von Zensur und Contentfilterung profitieren würde.

    Ich finde es äußerst bedauerlich, dass dieser Umstand bislang nirgendwo Erwähnung findet. Ich finde, dass Professor Dr. Meinel, wie sagt man vor Gericht? "befangen ist".

  • Ich überlege auch jeden Tag, ob ich nicht zuviel über diese ganze Scheisse schreibe, die momentan passiert.
    Aber die Antwort ist nein. Wir alle schreiben noch viel zu wenig darüber.
    Schöner Artikel btw. Und das Zitat ist - mal wieder - aus der Kategorie "hoher Blutdruck kostenlos"
  • Das mit dem einen Programmpunkt bei der Piratenpartei sehe ich in dem Fall nicht so eng. Einfach deshalb weil das Thema Bürgerrechte, insbesondere in Zusammenhang mit dem Internet, im Bundestag unterrepräsentiert ist. Alle anderen wichtigen Themen werden ja von den anderen Parteien genügend abgedeckt.
  • tk
    puh...das tut weh^^ naja, die grünen würde ich sowieso nicht wählen. Gibt es eigentlich eine Partei, die gegen die Sperrung ist? Hab das Thema jetzt nicht sooo genau verfolgt^^
  • Die Grünen sind ganz klar gegen die angedachte Sperre - bis auf einzelne verirrte Seelen ;) Naja, und eben auch die Piratenpartei.
  • wolfgang
    Was ist das für ein trauriges Gestoppsel?
    Die Frau bringt nicht mal 2 Wörter ohne Versprecher raus.
    Also - pfff - da fällt mir echt nix mehr ein.
    Diese sprachliche (und argumentative) Vollkatastrophe darf auf dem Parteitag (ist das so? konnte ich nicht rausfinden) der Grünen eine Rede halten?
    Was nun? Die Linken? Piratenpartei? SPD ist ja schon lange draussen...
  • tja, was das Thema angeht, würde ich ganz klar sagen: Piratenpartei! Andererseits tue ich mich aber schwer damit, eine Partei zu wählen, die nur einen Programmpunkt hat.
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