zweipunktnull.org

17 Mai, 2009

Die neue Wissensmaschine – Mehr Alpha als Wolfram?

Posted by: Casi In: World wide web

Share

Viel Trubel herrscht derzeit um die zum oft als Google-Killer auserkorene "Wissensmaschine" Wolfram Alpha, erst recht, wenn Google selbst zeitweise ausfällt. Dieses Wochenende ist der von Stephen Wolfram entwickelte Möchtegern-Superstar des semantischen Webs an den Start gegangen. Höchste Zeit also für mich, mich auch ein wenig damit auseinanderzusetzen, ob der Hype gerechtfertigt ist oder ob das Alpha im Titel eher für Alpha-Phase steht.

Vorab sollte man so fair sein zu sagen, dass Wolfram Alpha selbst gar kein Google-Killer sein möchte. Zu unterschiedlich sind die Ansätze und die Ausrichtung. Während mir Google auf einen Suchbegriff hin alles liefert, was an relevanten Homepages im Netz zu finden ist, möchte Wolfram Alpha aus einer gestellten Frage oder Formulierung eine möglichst passende Antwort finden.

Frage ich beispielsweise meinen Geburtstag ab, erhalte ich die Info, dass ich an einem Freitag zur Welt gekommen bin, dass ich 13.876 Tage alt bin, was 37,99 Jahren entspricht. Gebe ich hingegen den Geburtstag von Albert Einstein an, erfahre ich nicht nur, dass er an diesem Tag geboren wurde, sondern zusätzlich, dass in Dortmund an diesem Tag um 6.41 Uhr die Sonne aufging. Dass Wolfram nicht weiß, wann ich Geburtstag habe und es deshalb nicht erwähnt, kann ich verkraften – aber wieso man nicht sagen kann, wann die Sonne aufging, selbiges aber für einen Tag fast 100 Jahre früher dann doch verkünden kann, ist mir schleierhaft. Soll mich aber auch nicht weiter beunruhigen – bringt mir schließlich auch nicht wirklich was, derlei Infos über meinen Geburtstag zu erfahren.

Ich habe in der Folge dann einige Versuche unternommen, mich Wolfram zu nähern. Erster Schritt im Normalfall: Ego-Googlen, falls man das auch bei Wolfram so nennen darf.

Ergebnis (wie so oft in allen möglichen späteren Versuchen): 

Wolfram|Alpha isn’t sure what to do with your input.

Das wiederum finde ich jetzt wirklich schade, denn eine Vielzahl an Suchanfragen, die sich bei Google anhäufen, haben doch damit zu tun, dass man eine Person ausfindig machen möchte, bzw Informationen über eben jene. Daher wäre es natürlich schön, dass nicht nur Superstars, Sportler und Wissenschaftler gefunden werden, sondern auch Otto Normalsurfer von nebenan.

Sucht man jedoch nach einem prominenteren Namen, kann Wolfram Alpha auch Ergebnisse liefern. Frage ich beispielsweise:"Who is Bill Gates?", erhalte ich folgende Info:

wolframgates

Aha – ich weiß also nun den vollen Namen, den Geburtstag, -Ort und dass Bill eine "businessperson" ist. Diesen Zeitstrahl unten kann ich nicht so ganz verstehen. Will man mir damit nochmal bildlich klar machen, wie alt der gute Bill schon ist? In meinen Augen ein überflüssiges Feature.

Unten rechts auf der Seite habe ich dann die Möglichkeit, die Informationen zu Bill Gates via Wikipedia abzurufen, oder – wen auch sonst – Google mit der Websuche zu beauftragen.

Gebe ich stattdessen "Bill Gates" direkt in meinen Browser ein, erhalte ich via Google ebenfalls als erstes Ergebnis einen Wikipedia-Link, welcher mir die obigen Informationen über Mr.Gates natürlich auch liefert. Somit macht Wolfram Alpha für mich zumindest bei Personensuchen so gar keinen Sinn.

Nächster Versuch nach diversen Personensuchen: "From New York to Boston". Hier erhalte ich nun die Entfernung zwischen den beiden Orten, die jeweiligen Einwohnerzahlen und eine Karte mit den Standorten beider Städte. Neben den Einwohnerzahlen wird mir auch erklärt, wie lang die Flugdauer zwischen New York und Boston ist. Toller wäre jedoch gewesen, wenn – wie bei Google – mir gleich Flugangebote mitgeliefert würden, aber genau da erliege ich wohl wieder dem Denkfehler, es mit einer Suchmaschine statt mit einer Wissensmaschine zu tun zu haben. 

Ich frage Wolfram nach "margherita" und will darauf hinaus, dass es sowohl eine Pizza als auch eine Stadt in Indien ist und ähnlich geschrieben weitere Orte, Personen und einen Cocktail gibt. Das mit der Stadt ist Wolfram klar, auf die Pizza hingegen kommt er nicht. Gebe ich hingegen nur "Pizza" ein, kann er mir immerhin haarklein auflisten, welche Nährstoffe sich darin befinden, wie viel Fett etc. Wobei ich mir nicht vorstellen kann, dass eine Pizza Margherita genau so fett sein soll, als wenn ich mir da noch unterarmbreit Salami draufschnippel.

Da ich hier mit der Zeit das Gefühl entwickelt habe, einfach nicht intellektuell genug für Wolfram Alpha zu sein und demnach vielleicht einfach die falschen Dinge suche, habe ich mich im Netz mal umgeschaut und zwei Beiträge gefunden, die von meiner Meinung nach sehr intelligenten Menschen geschrieben wurden, die aber ebenfalls so ihre Problemchen hatten. 

Darüber hinaus, dass man Wolfram Alpha augenscheinlich also nicht sofort einwandfrei bedienen oder verstehen kann, ist es zumindest derzeit echt langsam. Das kann aber natürlich auch an dem weltweiten Interesse liegen, welches derzeit für ächzende Server sorgen dürfte. Schaut Euch bei Wolfram Alpha mal die Beispiele an, z.B. zu Mathematikformeln usw. Das sind eher die Felder, bei denen Wolfram Alpha punkten kann und wo man auch in einer solchen Nische Erfolg haben könnte. Bis auf weiteres bleibe ich jedoch Googlerianer und schnorre mir mein Wissen aus den dortigen Suchergebnissen zusammen ;)

 

 

  • mark
    Naja, ganz einfach. Du hast das Ding falsch verstanden. Das ist und will auch kein Google-Killer sein. Es ist einfach ein Wissenschaftlicher Taschenrechner mit einer hübschen Datenbank dahinter.
  • Noch viel einfacher, Mark: DU hast mich falsch verstanden, denn wenn Du meinen Artikel aufmerksam gelesen hast, wird Dir aufgefallen sein, dass ich es nicht als Google-Killer bezeichne, sondern darauf hinweise, dass laut Stephen Wolfram die Seite ganz anders angelegt ist. Davon abgesehen hast Du allerdings recht und der Nutzen für mich persönlich erschließt sich mir nur sehr zaghaft ;)
  • mig
    Auf der Seite ist ein Screencast. Da findest du recht beeindruckende verschiedene Suchmöglichkeiten.
  • Wer hat eigentlich gesagt, dass Wolfram ein Google-Killer sein soll? Die Macher oder eher Techcrunch und Co.?

    Wenn sich einer unserer deutschen Bloggerkollegen darüber auskotzt, dass sein Query "wetter bielefeld" nicht das Wetter in Bielefeld liefert, frag ich mich, ob da nicht von der Erwartungshaltung her was falsch läuft...

    René / http://twitter.com/rrrene
  • Teo
    Wie soll man auch das Wetter einer Stadt herausbekommen, die es gar nicht gibt? ;)
  • Da geb ich Dir Recht, was "wetter bielefeld" angeht und das Gleiche gilt für Deine Bedenken, was die Bezeichnung "Google-Killer" angeht. Es wird eine Erwartungshaltung geschürt, der Wolfram Alpha nicht gerecht werden kann und vor allem aber auch nicht gerecht werden will, denn Stephen Wolfram ist sicher der letzte, der sein Baby als Google-Killer bezeichnen würde. Man sollte es halt eher als spezielle Ergänzung zu Google und Co sehen, und nicht als Ersatz.
  • Ich hatte es auch eher so verstanden, dass wir hier eher ein wissenschaftliches Experiment, als das "next big thing" vor uns haben...

    Aber: Das Volk lechzt nach Brot und Spielen :D
  • HiPhi
    Füllwörter sind bei der Wissensdatenbank unnötig. die pickt sich nur die relevbanten raus. also "Bill gates and steve jobs" ergibt das gleiche wie "bill gates steve jobs".

    Ausserdem liefert es nur faktenwissen, das aber nicht im detail.

    praktisch um verschiedene 2 oder mehrere gleiche dinge zu vergleichen (beispielsweise städte "berlin hamburg", menschen ( s.o.) , tiere ( eagle turkey ), moleküle (eucalyptol methanol) etc.

    oder aber faktenwissen über einzelnes. wer nach iphone sucht wird feststellen das da gerade an min einem weiteren Modul gearbeitet wird: produkten. mal gespannt was sie da für informationen raus ziehen

    ach wer wissen wie wie sich die deutsche automobilindustrie entwickelt hat: porsche, daimler, audi, volkswagen. Opel kennt er scheinbar nicht.

    Ich finds spassig und begrenzt hilfreich. Aber auf Google und Co werd ichw eiter nicht verzichten.
    Ob ich es weiter nutze hängt davon ab was ich brauche. Da ich aber ab und an wissen will, was ich esse und wieviele kalorieren da zustande kommen, könnte es gut sein das ich das für soclhe fälle nutze.
  • Der Vergleich von Wolfram mit Google ist echt unglücklich, weil Wolfram wohl eher ein etwas flexibleres (nicht auf ein Fachgebiet ausgerichtetes) Expertensystem sein soll.

    Sowas kenn ich noch als Frage/Antwort-Spiel um z.B. rauszufinden warum ein Automotor nicht anspringt.
  • Teo
    Für meinen Geburtstag wird auch der Sonnenaufgang und -Untergang angegeben. Allerdings wundert es mich, dass Wolfram Alpha mit bestimmten Begriffen nichts anfangen kann. So testete ich gerade "HD ready" (immerhin ein europäischer Standard), "Harddisk" oder "The Prodigy", was bei jedem Versuch ohne Ergebnis blieb.
  • B.J.
    Der Zeitstrahl ist dann gut, wenn man mehrere Personen vergleicht, z. B. "Bill Gates vs. Steve Jobs vs. Jay Miner"
  • Dieser Zeitstrahl könnte ja zumindest für Geschichtshausaufgaben interessant sein ;)
blog comments powered by Disqus

Follow me

Follow Me!

Facebook

zweipunktnull on Facebook

Google Friend Connect