Viel Trubel herrscht derzeit um die zum oft als Google-Killer auserkorene "Wissensmaschine" Wolfram Alpha, erst recht, wenn Google selbst zeitweise ausfällt. Dieses Wochenende ist der von Stephen Wolfram entwickelte Möchtegern-Superstar des semantischen Webs an den Start gegangen. Höchste Zeit also für mich, mich auch ein wenig damit auseinanderzusetzen, ob der Hype gerechtfertigt ist oder ob das Alpha im Titel eher für Alpha-Phase steht.
Vorab sollte man so fair sein zu sagen, dass Wolfram Alpha selbst gar kein Google-Killer sein möchte. Zu unterschiedlich sind die Ansätze und die Ausrichtung. Während mir Google auf einen Suchbegriff hin alles liefert, was an relevanten Homepages im Netz zu finden ist, möchte Wolfram Alpha aus einer gestellten Frage oder Formulierung eine möglichst passende Antwort finden.
Frage ich beispielsweise meinen Geburtstag ab, erhalte ich die Info, dass ich an einem Freitag zur Welt gekommen bin, dass ich 13.876 Tage alt bin, was 37,99 Jahren entspricht. Gebe ich hingegen den Geburtstag von Albert Einstein an, erfahre ich nicht nur, dass er an diesem Tag geboren wurde, sondern zusätzlich, dass in Dortmund an diesem Tag um 6.41 Uhr die Sonne aufging. Dass Wolfram nicht weiß, wann ich Geburtstag habe und es deshalb nicht erwähnt, kann ich verkraften – aber wieso man nicht sagen kann, wann die Sonne aufging, selbiges aber für einen Tag fast 100 Jahre früher dann doch verkünden kann, ist mir schleierhaft. Soll mich aber auch nicht weiter beunruhigen – bringt mir schließlich auch nicht wirklich was, derlei Infos über meinen Geburtstag zu erfahren.
Ich habe in der Folge dann einige Versuche unternommen, mich Wolfram zu nähern. Erster Schritt im Normalfall: Ego-Googlen, falls man das auch bei Wolfram so nennen darf.
Ergebnis (wie so oft in allen möglichen späteren Versuchen):
Wolfram|Alpha isn’t sure what to do with your input.
Das wiederum finde ich jetzt wirklich schade, denn eine Vielzahl an Suchanfragen, die sich bei Google anhäufen, haben doch damit zu tun, dass man eine Person ausfindig machen möchte, bzw Informationen über eben jene. Daher wäre es natürlich schön, dass nicht nur Superstars, Sportler und Wissenschaftler gefunden werden, sondern auch Otto Normalsurfer von nebenan.
Sucht man jedoch nach einem prominenteren Namen, kann Wolfram Alpha auch Ergebnisse liefern. Frage ich beispielsweise:"Who is Bill Gates?", erhalte ich folgende Info:

Aha – ich weiß also nun den vollen Namen, den Geburtstag, -Ort und dass Bill eine "businessperson" ist. Diesen Zeitstrahl unten kann ich nicht so ganz verstehen. Will man mir damit nochmal bildlich klar machen, wie alt der gute Bill schon ist? In meinen Augen ein überflüssiges Feature.
Unten rechts auf der Seite habe ich dann die Möglichkeit, die Informationen zu Bill Gates via Wikipedia abzurufen, oder – wen auch sonst – Google mit der Websuche zu beauftragen.
Gebe ich stattdessen "Bill Gates" direkt in meinen Browser ein, erhalte ich via Google ebenfalls als erstes Ergebnis einen Wikipedia-Link, welcher mir die obigen Informationen über Mr.Gates natürlich auch liefert. Somit macht Wolfram Alpha für mich zumindest bei Personensuchen so gar keinen Sinn.
Nächster Versuch nach diversen Personensuchen: "From New York to Boston". Hier erhalte ich nun die Entfernung zwischen den beiden Orten, die jeweiligen Einwohnerzahlen und eine Karte mit den Standorten beider Städte. Neben den Einwohnerzahlen wird mir auch erklärt, wie lang die Flugdauer zwischen New York und Boston ist. Toller wäre jedoch gewesen, wenn – wie bei Google – mir gleich Flugangebote mitgeliefert würden, aber genau da erliege ich wohl wieder dem Denkfehler, es mit einer Suchmaschine statt mit einer Wissensmaschine zu tun zu haben.
Ich frage Wolfram nach "margherita" und will darauf hinaus, dass es sowohl eine Pizza als auch eine Stadt in Indien ist und ähnlich geschrieben weitere Orte, Personen und einen Cocktail gibt. Das mit der Stadt ist Wolfram klar, auf die Pizza hingegen kommt er nicht. Gebe ich hingegen nur "Pizza" ein, kann er mir immerhin haarklein auflisten, welche Nährstoffe sich darin befinden, wie viel Fett etc. Wobei ich mir nicht vorstellen kann, dass eine Pizza Margherita genau so fett sein soll, als wenn ich mir da noch unterarmbreit Salami draufschnippel.
Da ich hier mit der Zeit das Gefühl entwickelt habe, einfach nicht intellektuell genug für Wolfram Alpha zu sein und demnach vielleicht einfach die falschen Dinge suche, habe ich mich im Netz mal umgeschaut und zwei Beiträge gefunden, die von meiner Meinung nach sehr intelligenten Menschen geschrieben wurden, die aber ebenfalls so ihre Problemchen hatten.
Darüber hinaus, dass man Wolfram Alpha augenscheinlich also nicht sofort einwandfrei bedienen oder verstehen kann, ist es zumindest derzeit echt langsam. Das kann aber natürlich auch an dem weltweiten Interesse liegen, welches derzeit für ächzende Server sorgen dürfte. Schaut Euch bei Wolfram Alpha mal die Beispiele an, z.B. zu Mathematikformeln usw. Das sind eher die Felder, bei denen Wolfram Alpha punkten kann und wo man auch in einer solchen Nische Erfolg haben könnte. Bis auf weiteres bleibe ich jedoch Googlerianer und schnorre mir mein Wissen aus den dortigen Suchergebnissen zusammen ;)




