Vor wenigen Minuten endete die aktuelle Staffel von Germany’s next Topmodel – Gewinnerin ist laut meiner Twitter-Timeline eine gewisse "Sara" geworden – und somit wird vermutlich auch das GNTM-Hashtag-Gewitter ein Ende haben.
Aber keine Angst: Ich werde jetzt nicht einstimmen in den Chor der Kritiker, der sich über den Themenmix in seiner Timeline aufregt. Dazu muss ich vielleicht sagen, dass ich nicht zu den 98 Prozent der Twitter-User gehöre, die die Sendung verfolgt haben. Dennoch finde ich es legitim und sogar großartig, dass sich so viele Menschen via Twitter darüber austauschen.
Neulich habe ich noch geschrieben, dass ich eine mittelmäßige bis miese Show wie den Eurovision Songcontest konsequent mehrere Stunden laufen lasse, gerade weil so viele Twitter-Nutzer sich dazu zu Wort melden. Es hat den Charakter, als würde man mit vielen Leuten gemeinsam im Wohnzimmer sitzen und sich über schlechte Musik, merkwürdige Outfits und schräge Typen lustig machen – nur mit dem Unterschied, dass ich echt zu wenig Sitzgelegenheiten in meinem Wohnzimmer hätte für 800 Follower.
Dieses soziale Phänomen bei Twitter ist vielleicht der Grund, warum beispielsweise die Telewebber nie so richtig ans Laufen gekommen sind nach einem kurzen, anfänglichen Hype. Die Grundidee dahinter war nämlich an sich blendend: Leute wollen sich über das austauschen, was sie schauen – nur, dass sie es halt bei Twitter tun statt in anderen Portalen. Vielleicht ist das sogar der seidene Faden, an dem das klassische Fernsehen hängt: Nur, wenn eine Show oder eine Serie gleichzeitig von vielen Menschen geschaut wird, kann man auch in Echtzeit darüber debattieren.
Bei der oben genannten Sendung handelt es sich natürlich nicht um ein reines Twitter-Phänomen. Auch die Medien wie Bild und Spiegel stürzen sich natürlich gerne auf das Thema und taten das heute sogar mit einem Live-Ticker zum Staffelfinale. Twitter ist mit Sicherheit kein repräsentativer Querschnitt der Bevölkerung, aber dennoch spiegelt es in gewisser Weise ja das wieder, was die Nation derzeit zu bewegen scheint und medientechnisch gesehen war GNTM heute nun mal scheinbar das Spannendste.
Ich kann auf der anderen Seite auch die User verstehen, die genervt sind von Formaten, die sie partout nicht sehen wollen und dann via Twitter dennoch nicht entrinnen können. Allerdings verstehe ich dann aber auch nicht, wieso man nach seinem Mecker-Tweet dann dennoch die relevanten Hashtags verwendet, oder gar mehrere ungeliebte TV-Formate zusammenfasst.
Üblich ist dieses Verhalten scheinbar nur bei TV-Formaten. Mich beispielsweise interessiert nicht sonderlich, wenn eine neue Keynote von Apple ansteht oder das gleiche Unternehmen marginale Veränderungen an einem seiner Produkte vornimmt. Dennoch bestimmen diese Dinge temporär dann auch meine Timeline und ich nehme das so hin – wissend, dass viele meiner Follower Mac-User sind, mit iPhones telefonieren oder bei iTunes einkaufen. Ich verstehe Menschen, die an bestimmten Themen interessiert sind, pauschale Unfollow-Drohungen aufgrund eines solchen Themas halte ich jedoch gelinde gesagt für übertrieben. Ich höre auf, jemandem zu folgen, wenn mich irgendwas an dem stört, was er twittert. Das allerdings sollte etwas sein, was sich wie ein roter Faden durch seine Tweets zieht und nicht etwas, was ich an vielleicht 60 Minuten pro Woche festmache.
Nehmt mal zum Beispiel den guten Caschy (hoffe, Du kommst damit klar, hier als Beispiel zu dienen, mein Lieber *g*) Ein Riesentyp, toller Blogger, zuverlässiger Freund und jetzt das große "aber": Leider keinen Funken Verstand im Leib, wenn es um Fußball geht ;) So verehrt er einen Verein, der in hiesigen Gefilden gerne auch mal "Lüdenscheid" genannt wird, weil man das schlimme D-Wort nicht verwenden darf und dessen derzeitiger Erfolg mir das Herz bluten lässt. Das alles führt dazu, dass Caschy für 90 Minuten an jedem Wochenende Dinge absondert, die ich grundsätzlich nicht ertragen kann ;)
Soll ich ihn jetzt von meiner Liste nehmen, weil er 90 Minuten Mist twittert in einer Woche, die über 10000 Minuten hat, in denen er meist sehr witzige und sehr interessante Dinge twittert? Eben – denke ich auch nicht. Man denkt sich ja was dabei, wenn man den Follow-Button anklickt und wenn 99 Prozent meiner Follower an Tag X um Uhrzeit X gerne über ein bestimmtes Thema twittern wollen, dann ertrage ich das, indem ich entweder drüber hinweglese, mich trotz des Themas über viele witzige Tweets freue oder schlicht und ergreifend für die Zeit mal Twitter komplett ausmache – ja, das soll möglich sein, liebe Junkies ;)
Mir stellen sich nun lediglich zwei Fragen: Wieso baut Twitter nicht einfach eine Möglichkeit ein, ungewünschte Hashtags zu filtern und auszublenden? Und was wird – um auf meine Ausgangsformulierung zurückzukommen – Germany’s next Top-Hashtag? Der Songcontest ist gelaufen, DSDS, Dschungelcamp und GNTM sind fürs erste Geschichte, der Zensursula-Trend ebbt langsam ab und selbst die Bundesliga verabschiedet sich am Wochenende in die Sommerpause. Irgendwelche Tipps, anyone?


