30 Mai, 2009
Mixero: Bitte begrüßen Sie den neuen Star am Twitter-Client-Himmel
Posted by: Casi In: Apps|Lifestream|Microblogs
Im Verkünden vom "next big thing" sind wir Blogger ja einsame spitzenklasse. Dass wir in den seltensten Fällen aber wirklich gerade das next big thing verbloggt haben, steht auf einem anderen Blatt. Ich ertappe mich immer wieder dabei, wie ich spontan begeistert bin von Diensten, mir selbst und Euch klarmache, dass das eine Sache ist, ohne die mein Online-Leben zukünftig nicht mehr funktionieren wird – und dann wird besagter Dienst geschmeidig von dem nächsten überholt und wieder verbloggt.
Ein ewig währendes Dilemma, was hier eigentlich nur als Einleitung herhalten soll für einen Twitter-Client, dem ich eben wieder gerne dieses "Big Thing"-Siegel verpassen würde. Dieser Client nennt sich Mixero und kann mit einigen schönen Features aufwarten, die ich Euch hier gleich vorstellen möchte.
Vorab: Mixero ist noch in der geschlossenen Beta und daher noch nicht frei verfügbar. Ihr könnt per Kontaktformular auf deren Seite nach ‘nem Invite fragen, oder folgt den Jungs einfach bei Twitter. Nach welchem System und wie schnell die dann die Zugänge verschicken, kann ich zwar nicht sagen – aber das warten lohnt sich durchaus.
Mixero ist eine Air-Applikation, die sowohl für Windows als auch für Mac erhältlich ist – und eine iPhone-Anwendung ist auch bereits angekündigt. Auf die Fahnen hat man sich "Reducing the noise" geschrieben und damit hat man wohl einen wunden Punkt bei Twitter ausgemacht: Je verbreiteter Twitter wird und je mehr Leuten ich folge, desto schwieriger wird es auch, Konversationen zu folgen, die wichtigen Links zu entdecken, etc. Deshalb ist die oberste Priorität bei einem Twitter-Client mittlerweile eben auch nicht mehr eine schmucke Oberfläche, sondern die Option, möglichst effektiv die eigenen Kontakte zu filtern und einen Ausweg aus dem Daten-Wust zu finden. Eine Problematik, die so natürlich auch genauso für Facebook gilt und auch für FriendFeed, welches allerdings bereits ein sehr schönes Filter-System installiert hat.
Zurück zu Mixero: Grundsätzlich besteht die App aus drei Elementen, die sich auch direkt beim ersten Öffnen von Mixero präsentieren:

Etwa zwei Drittel des Bildschirms werden von Eurer Timeline ausgefüllt und darunter findet sich Eure Eingabezeile für die eigenen Tweets. Die rechte Spalte beherrbergt Eure Kontakte und Kanäle. In den Kontakten könnt Ihr – wie mittlerweile für einen guten Client üblich – Eure Kontakte gruppieren:

Ihr könnt beliebig viele Gruppen anlegen und könnt natürlich die Kontakte auch beliebig vielen Gruppen zuordnen. Außerdem könnt Ihr in dieser Spalte auch Eure "Channels" verwalten. Während die Gruppenfunktion oftmals nämlich das einzige Filterinstrument der üblichen Twitter-Clients darstellt, kann man hier auch für bestimmte Keywords Kanäle anlegen, die dann – über Eure eigenen Follower hinaus – alles anzeigen, was zu diesem Wort getwittert wird.

Auch hier können beliebig viele Channels angelegt werden, mit denen sich leicht und schnell die angesagten Buzzwords betrachten lassen. Wie Ihr oben auf dem Bild oben seht, könnt Ihr das aber auch auf bestimmte User limitieren. Ich könnte also beispielsweise einen Kanal anlegen, in welchem @caschy, @pottblog und @casi die Hashtags #dfb-pokal, #bvb und #erstrundenaus verwenden. Falls man einen Channel wie "Facebook" anlegt, sollte man sich darüber im klaren sein, dass da einiges an Tweets aufläuft in kürzester Zeit. Darum ist es auch interessant, dass Ihr die Intervalle selbst steuern könnt, in denen das Keyword abgefragt wird.
Zwischen diesen beiden Elementen findet sich dann eine richtig tolle Innovation namens "active list". Genau wie Orli erinnert mich diese active list an einen RSS-Feed. Hier kann alles reingepackt werden, was Ihr derzeit im Auge behalten wollt, egal ob es ein einzelner User, eine Gruppe oder ein Channel ist. Klickt Ihr auf eines der in die Liste gepackten Icons, seht Ihr nur diesen User, diese Gruppe oder diesen Channel in Eurer Timeline. Alternativ könnt Ihr Euch auch die komplette Active List anzeigen lassen. Allein durch diese Möglichkeit kann ich in meiner Timeline schon ziemlich exakt das abbilden, was mich gerade interessiert.
Wem das noch nicht reicht, der kann sich unter der active list noch weitere Listen anlegen, die "Contexts" genannt werden. Dabei gehen die Mixero-Macher davon aus, dass nicht alle Leute, denen ich folge, immer gleich wichtig sind. In meinem Context "bloggen" beispielsweise tauchen nur die Gruppen "Freunde" und "Tech" auf, weil ich während des Schreibens nicht ständig abgelenkt werden möchte durch unzählige Tweets, aber eben schon über wichtige Dinge informiert sein möchte nach Möglichkeit.
Das Ende der Filter-Fahnenstange ist aber immer noch nicht erreicht, Freunde. Über Eurer Timeline findet sich ein zusätzlicher Filter-Button. Der öffnet eine Leiste, in welche Ihr ein oder auch mehrere gesuchte Keywords eingeben könnt, um so die von Euch gewählte Timeline danach durchforsten zu können. Übrigens könnt Ihr auch hier direkt Channels anlegen. Zusätzlich können auch noch replies oder bereits gelesene Tweets ausgeblendet werden. Letzteres übrigens auch eine sehr tolle Funktion: Der mark-all-as-read-Button, der mir ermöglicht, auch nur die Tweets zum Thema anzeigen zu lassen, die ich tatsächlich noch nicht kenne.
Eines der Highlights von Mixero ist der Avatars Mode. Sobald ein anderes Fenster als Mixero aktiv ist, verschwindet Mixero nicht sang- und klanglos im Hintergrund, sondern zeigt mir – falls gewünscht – am rechten Bildschirmrand meine active list an – das sieht dann in der Praxis so aus:
![]()
Per mouseover könnt Ihr Euch den letzten Tweet direkt dort anzeigen lassen, zudem werden die Zahlen der ungelesenen Tweets zum jeweiligen Icon angezeigt. Durch einen Mausklick auf einen Tweet oder ein Icon wird Mixero dann wieder aktiv.
Abgerundet wird die Funktionsvielfalt durch kleine Schmankerl wie Bildvorschau bei Bildern bzw Screenshots von YouTube-Videos, ebenfalls per Mouseover. Darüber hinaus verfügt Mixero logischerweise über einen merkwürdigerweise im normalen Twitter-Interface immer noch fehlenden Retweet-Button, per Autovervollständigung kann ich kinderleicht entweder meine Followersuche oder ein @reply beginnen. Bei der Eingabe von URLs im Tweet kann man entweder jeweils entscheiden, ob man einen von mehreren Short-URL-Diensten verwenden möchte, oder es auch fest voreinstellen. Schön ist auch, dass man sich einen Dialog per "follow conversation"-Button auch als Chat anzeigen lassen kann, was die Übersichtlichkeit natürlich dramatisch erhöht.
Zu guter letzt kann ich die Timeline eines jeden Users, Channels oder jeder Gruppe auch vom Rest der App abtrennen (apptrennen quasi *g*), beliebig in der Größe anpassen und – falls gewünscht – als "always on top" markieren.
Mit diesem Füllhorn an Konfigurationsmöglichkeiten bleibt eigentlich fast kein Wunsch mehr offen. An einigen Dingen merkt man jedoch schon, dass wir es mit einem noch nicht völlig ausgereiften und fertig entwickelten Tool zu tun haben. So ist Mixero einigermaßen gierig, was den Arbeitsspeicherbedarf angeht und hin und wieder habe ich das Gefühl, dass die aktuellen Tweets länger brauchen als bei der Konkurrenz – und das wäre ja dann im offenen Gebrauch sowas wie ein Todesurteil für eine Applikation, die sich als Twitter-Anwendung schon von Haus aus im ständigen Geschwindigkeitsrausch befinden sollte. Wünschenswert wäre auch die Möglichkeit, im Avatars Mode durch die Icons scrollen zu können – auf meinem Notebook beispielsweise werden maximal acht angezeigt.
Sollten diese Mängel abgestellt werden, steht der Konkurrenz wie Tweetdeck oder dem Seesmic Desktop aber ein mächtiges Produkt gegenüber. Zusammen mit der bereits angekündigte Support des iPhones und der ebenfalls bereits geplanten Unterstützung von sozialen Netzwerken wie Facebook wächst da ein mächtiges Werkzeug heran, um den Noise auf ein erträgliches und produktives Maß zu reduzieren.
gefunden bei ReadWriteWeb




