Es gehört in die Medien-/Internetwelt dieser Tage: Man spricht über Twitter. Entweder preist man es als Kommunikationsinstrument, als Marketing-Allzweckwaffe, bespricht seine Version der allgemeingültigen und verbindlichen Twitter-Gebrauchsanleitungen oder – und darum geht es in einem Kommentar der Zeit heute wieder – drischt auf Twitter ein aus Gründen, die ich hier noch zu ergründen versuchen werde.
Jens Uehlecke fühlt sich heute berufen, ein für allemal mit dem Geschnattere im Internet aufzuräumen. Er vergleicht Twitter in seinem vor Polemik triefenden Artikel mit einer "Klowand des Internets". Das macht er genauso vorhersehbar wie schlecht und erweist seinem Berufsstand dadurch einen Bärendienst.
Mit billigsten Beispielen (wieder mal muss das arme Hintertupfingen als Synonym für Belanglosigkeit herhalten) bastelt sich Uehlecke seine Twitterwelt so wie er sie braucht, um nach Herzenslust und verachtend auf sie einzuprügeln. Einmal in Rage geschrieben, erklärt er pauschal jeden Twitter-User zum Vollpfosten:
An der konzertierten Banalität erkennt man schnell, dass einen gewaltigen Vogel haben muss, wer da noch mitsingt.
In der Folge entlarvt er sich mit der Feststellung, dass jeder Mensch einen nahezu unerschöpflichen Geltungsdrang hat, selbst und kommt erst zum Ende seines Kommentars zum Kern der Sache, zum wahren Grund eines Artikels, der qualitativ so in der Zeit mit Sicherheit nichts zu suchen hat:
Richtig, da war ja noch was: Angeblich soll Twitter die Zukunft des Journalismus sein.
Aha, daher weht – mal wieder – der Wind. Es geht gar nicht darum, dass Twitter irgendwelchen Zuspruch findet, zeitgeistiges Kommunikationsmittel oder ähnliches darstellt. Es geht einzig und allein darum, dass jemand dem klassischen Journalismus, dem bekanntlich das Wasser bis zum Hals steht, noch einen weiteren Arschtritt verpassen will. Das will natürlich weder Twitter noch der Twitter-User als solcher, aber bei einigen Journalisten löst die bloße Anwesenheit Twitters und des Internets als Ganzes scheinbar diese Reflexe aus, in denen man ohne Sinn und Verstand auf das einprügelt, was aus Sicht der klassischen Medien sowas wie den Untergang des Abendlandes bedeutet.
Der Freitag, Der Westen und etliche mehr beweisen doch eigentlich, dass die "digitalen Einheimischen" gar nicht so schwer zu verstehen sind. Begreifen Twitter, Facebook und Co als die notwendigen Ergänzungen, die dem Journalismus frischen Wind einhauen. Traurig, dass es trotzdem immer noch zu solchen unterirdisch schlechten Kommentaren kommt.
Ich hatte zunächst vor, auf fachlicher Ebene den Autor zu widerlegen, aber das macht aus mehreren Gründen keinen Sinn. Er bekommt es eh nicht mit und Euch brauch ich das im Grunde nicht erzählen, und selbst wenn er es erklärt bekäme, halte ich ihn für verbohrt genug, auf kein noch so treffendes Argument einzugehen.


