Es ist 23 Jahre her und ich muss zugeben, dass ich schon länger nicht mehr über diesen Tag nachgedacht habe – über Donnerstag, den 22. Mai 1986. Man mag mir meinen verklärten Blick auf die Achtziger nachsehen – vergleicht es einfach mit Euren vor Rührung und Aufregung pochenden Herzen, als gestern das neue iPhone angekündigt wurde ;)
Denn für mich war dieser Tag ein ganz besonderer: Carsten Drees, einen Tag zuvor 15 Jahre alt geworden, wohnhaft im beschaulichen Unna, würde sein allererstes Pop-Konzert besuchen. Nicht irgendein Konzert, sondern ein Depeche Mode-Konzert. Ich habe nur noch blasse Erinnerungen an diesen Tag. Ich kann nicht mehr nachvollziehen, ob ich übermäßig nervös in der Schule gesessen habe, oder ob ich vor Aufregung früher wach gewesen bin. Immerhin hilft mir Wolfram Alpha auf die Sprünge und verkündet, dass es ein Donnerstag war, an welchem die Sonne um 5.30 Uhr aufging.
Ich kann mich allerdings noch daran erinnern, dass mein Klassenkamerad (und Konzertbegleiter) Roland und ich nach der Schule einem anderen Klassenkameraden im Supermarkt helfen sollten, Zigaretten zu klauen. Während wir an der Kasse standen, um ein Alibi-Päckchen Kaugummi zu bezahlen, malte ich mir aus, wie ich – getrieben von Leichtsinn und Dummheit – mein allererstes Konzert verpassen würde, weil ich stattdessen in Unna auf der Polizeiwache warten würde, dass mich meine wütenden Eltern abholen. Ist – Gott sei Dank – gut gegangen und ich hoffe, dass sowas nach 23 Jahren verjährt ist und ich hier heute nicht mehr belangt werden kann ;) An die Leser da draußen: Nicht nachmachen! ;)
Dann erinnere ich mich noch, dass wir mit dem Zug nach Dortmund gefahren sind und ich mich da schon über die ganzen schwarz bekleideten Menschen gewundert habe. In der Nachbetrachtung kann man festhalten, dass meine "schwarzen" Zeiten an diesem Abend eingeläutet wurden, aber das nur am Rande. Mir war das alles komplett neu, dass so viele Fans einer Band auf einem Haufen stehen konnten und dass vor der eigentlichen Band noch eine andere Band spielte. Alles Dinge, die ich zigfach in der Bravo gelesen hatte, die mich aber dennoch überraschten, als sie das erste Mal in meinem Leben stattfanden.
Eingangs habe ich um Nachsicht gebeten und wenn ich mir überlege, dass ich nun bereits 355 Wörter geschrieben habe, ohne auch nur anzudeuten, worüber ich hier eigentlich schreiben möchte, dann müsst Ihr schon ziemlich nachsichtig sein *g*
Ich werde daher nicht weiter in meinen verschwommenen Erinnerungen dieses Abends wühlen, sondern erlöse Euch aus den Überlegungen, was mich auf diese kleine Zeitreise gebracht hat. TechCrunch hat über songkick berichtet, einen Service bei dem man zur Abwechslung mal nicht Songs oder Alben einer Band empfehlen kann, sondern Konzerte.
Klingt auf den ersten Blick vielleicht erstaunlich unspektakulär, aber als eifriger Konzertgänger habe ich jetzt bereits einige Stunden dort verbracht (was aber mitunter auch daran liegt, dass die Performance der Seite bislang noch nicht die beste ist).
Im TechCrunch-Artikel wurde der Charme und das Potential von songkick bereits schön herausgearbeitet. Die bereits vor zwei Jahren gestartete Plattform möchte dem User ermöglichen, auf einen Blick alle anstehenden Konzerte einsehen zu können, statt unterschiedliche Ticketportale abzuklappern. Wenn man heute auf diese zwei Jahre zurückblickt, stellt man fest, dass man hier nicht nur Konzerte zu allen möglichen Locations dieses Planeten buchen kann und sich – wie bei last.fm und Co auch – mit anderen Musikfreunden vernetzen kann, die die selben Konzerte besuchen, sondern blickt auf eine ganz erstaunliche Database mit bereits vergangenen Konzerten.
Aktuell sind mehr als eine Million (!) Konzerte eingepflegt und logischerweise habe ich ausprobieren müssen, ob mein oben erwähntes Konzert auch in dieser Datenbank auftaucht. Tut es, und im Gegensatz zur offiziellen Depeche Mode-Homepage weiss diese Datenbank sogar noch den richtigen Wochentag der Veranstaltung ;)
Wenn ich meinen Account anlege, kann ich auch auf meine last.fm-Daten zugreifen lassen, was den Vorteil hat, dass sowohl meine gehörten Acts als auch meine geplanten und bereits erlebten Konzerte gescannt und gelistet werden. Vielleicht blicke ich da zu sehr durch die Nostalgie-Brille, aber ich finde es durchaus reizvoll, mich mal nicht mit einer Million Hörern einer Band sondern mit einer Handvoll Besuchern eines lange beendeten Konzertes vernetzen zu können.
Statt Euch anhand der last.fm-Daten analysieren zu lassen, könnt Ihr Euch auch den "Songkicker" runterladen. Dabei handelt es sich um ein Tool, welches Eure Hörgewohnheiten anhand von iTunes, Winamp und Co erkennt und diese Ergebnisse dann ebenfalls in Euer Profil einfließen lässt.
Ich kann nicht einschätzen, wie viele deutsche User es bei songkick gibt, dennoch finde ich erstaunlich viele Termine in Deutschland und auch von weniger bekannten deutschen Bands. Da es ja auch bei Netzwerken dieser Art nicht immer nur um den Spaß, sondern auch die Monetarisierung bzw den finanziellen Mehrwert geht, kann ich mir durchaus vorstellen, dass – sobald die angedachte Facebook-Connect-Anbindung da ist – es für die Bands, Labels, Konzertveranstalter sehr interessant sein könnte, selbst alle verfügbaren Daten über anstehende und auch vergangene Termine einzupflegen.
Generell scheint songkick aus finanzieller Sicht sehr ordentlich aufgestellt zu sein. Es bieten sich einige Geschäftsmodelle an und man hat noch einige Ideen im Hinterkopf. So kann man sowohl aus Werbung auf der Seite als auch aus Ticket-Provisionen Profit machen und richtig großartig finde ich als Musik-Fan die Idee, zukünftig auch Merchandising der bereits vergangenen Konzerte anbieten zu wollen.
Wie gesagt, vielleicht befinde ich mich mit meiner Leidenschaft für Musik fernab des Mainstream-Geschmackes, aber ich halte sowohl die Idee als auch die Möglichkeiten von und für songkick für zukunftsträchtig und werde das gespannt weiter verfolgen.
Falls Ihr ebenfalls ausprobieren wollt, ob dieser Service für Euch persönlich Sinn und Spaß macht, muss ich Euch fairerweise noch einmal darauf hinweisen, dass die Seite derzeit nicht sonderlich performant ist. Für den Langzeitspaß (ich habe mich schon ziemlich gequält, um ein Dutzend Konzerte auszuwählen) muss man da noch Einiges tun.
Ach, und Ihr findet mich übrigens hier – würde mich sehr darüber freuen, auf den ein oder anderen Fan zu treffen, mit dem ich – ohne ihn zu kennen – damals schon die gleichen Events erlebt habe :)




