Man kann von ihm halten, was man will, aber was derzeit in der Musikwelt vor sich geht, ausgelöst durch den überraschenden Tod Michael Jacksons, hat dieser Planet so noch nicht gesehen. Es gibt einige Ereignisse, die die Welt in Atem hielten. Der Absturz der drei Jungstars Buddy Holly, Big Bopper und Ritchie Valens vor 50 Jahren war etwa ein solches Ereignis und sollte in die Geschichte eingehen als der Tag, an dem der Rock’n Roll starb. Don McLean sollte in den Siebzigern in seinem Megahit "American Pie" diesen Gedanken aufnehmen:
But February made me shiver, With every paper I’d deliver
Bad news on the doorstep, I couldn’t take one more stepI can’t remember if I cried, When I read about his widowed bride
But something touched me deep inside, The day the music died
Don McLean war Zeitungsjunge, als Buddy Holly starb, und so war es auch an diesem kalten Februarmorgen, als er mit seinen Zeitungen vielen Haushalten die schlimme Nachricht von dem Flugzeugabsturz überbrachte, am "day the music died".
Michael Jackson war an diesem Tag ungefähr ein halbes Jahr alt und nichts deutete darauf hin, dass er später zu einem der größten Musik-Idole ganzer Generationen werden sollte.
Als Elvis Presley Opfer seiner Tablettensucht wurde, war der achtzehnjährige Michael Jackson als Teil der Jackson Five bereits vielfacher Dollar-Millionär. Später sollte er seiner damaligen Frau, Elvis’ Tochter Lisa Marie, von seinen Befürchtungen erzählen, dass er das Schicksal ihres Vaters erleiden würde. Damals war Jackson bereits selbst medikamentensüchtig, seine ausverkauften Auftritte in der Welt waren da schon mehr Playback-Veranstaltungen mit immer weniger werdenden Tanzeinlagen.
1980 – als Jackson nach dem Erfolg seines Albums "Off the Wall" auf der Schwelle zum Superstar stand – wurde in New York John Lennon erschossen. Mit ihm starben alle Hoffnungen auf eine Wiedervereinigung der Beatles und auch dieser Tag ist als rabenschwarzer in allen Musikgeschichtsbüchern dieser Welt vermerkt.
Zwischendrin gab es immer wieder mehr oder weniger spektakuläre Todesmeldungen von Musikstars zu vermelden, aber sowohl Tupac, als auch Kurt Cobain und auch lange verstorbene Helden wie Morrisson, Joplin und Hendrix werden nur eine Fußnote der Musikgeschichte sein verglichen mit dem, was Michael Jackson gerade auslöst.
Nach diesem Exkurs bringt mich das zurück zu meinem Thema: Die notleidende, lamentierende und ernsthaft angeschlagene Musikindustrie!
Man möchte dort gar nicht anerkennen, dass der Download von mp3-Dateien eine ernsthafte Einnahmequelle darstellt, sondern versucht lieber, pauschal alle Internetnutzer in eine kriminelle Ecke zu drängen und an längst überholten Marketingmodellen festzuhalten. Trotz Wirtschaftskrise zogen die Erlöse durch Downloads im Vergleich zum letzten Quartal noch mal um 16 Prozent an, was immer noch nicht die Einbrüche bei den CDs auffängt, dennoch aber bemerkenswert ist und dafür spricht, dass Musikdownloads schon lange keine Nerd-Übung mehr sind.
Jetzt passiert das, was für Millionen Fans, Musiker und Musikliebhaber eine Tragödie sondergleichen ist, für die Musikindustrie – speziell Sony Records – aber ein seltener Glücksfall sein könnte: Michael Jacksons Tod!
Schaut Euch mal die einschlägigen Download-Charts bei iTunes, Amazon und Co an. Ihr werdet feststellen, dass es keine Single- und keine Album-Hitparade gibt, die nicht von Michael Jackson-Veröffentlichungen durchzogen ist. Ich gehe davon aus, dass Michael Jackson in einer Woche die regulären Charts der Welt anführen oder zumindest mitbestimmen wird in einem Ausmaß, welches wir so noch nicht gesehen haben.
Die Meldungen häufen sich, dass in den Geschäften auf der ganzen Welt Michael Jackson-CDs ausverkauft sind und aufgrund der großen Nachfrage nachbestellt werden müssen. Deshalb glaube ich, dass wir es in den nächsten Tagen mit einem bislang nicht gekannten Run auf die Downloadportale zu tun bekommen, weil das Bedürfnis, Thriller, Bad, Dangerous und Co zu hören, vielfach höher ist als die Möglichkeit, die CDs im Geschäft käuflich zu erwerben.
Somit werden sich auch Menschen mit iTunes, musicload und Amazon auseinandersetzen, die bislang viel zaghafter im Netz unterwegs waren und einen großen Bogen um Downloadportale gemacht haben.
Während Sony nun das erste Mal wirklich zufrieden mit dem Jackson-Deal sein dürfte, welcher mit seinem 900 Millionen-Dollar-Volumen immer noch der Größte aller Zeiten ist, merken die Konkurrenten davon momentan wenig, werden aber – da bin ich ganz sicher – bereits in wenigen Monaten davon profitieren, dass die Nutzerzahlen bei den Downloadportalen stärker ansteigen werden als erwartet.
Man muss natürlich einschränkend feststellen, dass es Augenwischerei wäre, jetzt von einer Sanierung einer Branche zu sprechen durch einen einzigen Todesfall, denn solange man nicht an neuen Modellen und innovativen Produkten arbeitet, zieht man nur das eigene Sterben unnötig in die Länge.
Ich persönlich habe übrigens keine neue Jackson-CD erworben. Die alten Sachen stehen sowieso in meinem Plattenregal und es gibt zudem online unzählige Möglichkeiten, seine Songs zu hören. Neben YouTube möchte ich da aktuell roccatune, sevenload, putpat.tv und tape.tv hervorheben. Während ich mich bei roccatune in Albumlänge durch alle Werke Michael Jacksons hören kann, bieten sevenload, putpat.tv (Retro-Channel) und tape.tv komplette Michael Jackson-Videokanäle an.
Übrigens hat es der sehr schnell veröffentlichte Tribute-Song better on the other side bereits auf nahezu 100.000 Downloads gebracht. Beteiligt bei diesem Song sind RnB-Größen wie P.Diddy, Usher, Boyz2men, Chris Brown und The Game.




