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27 Jun, 2009

Zensursula und eine Lanze für das studiVZ

Posted by: Casi In: Politik| Social Networks

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Ich versuche hier in meinen Beiträgen immer, glasklare Positionen zu beziehen. So halte ich Zensursula für das personifizierte Übel, halte netzpolitik.org für eine mächtige Blogger-Allzweckwaffe gegen all das, was uns die Politik derzeit antut und wenn es um das studiVZ geht, halte ich mit meiner Meinung auch nicht hinter’m Berg, dass ich es für rückständig und vom Aussterben bedroht halte.

Manchmal verschwimmen diese klaren Grenzen vielleicht ein wenig. Das gilt sicher weniger für Ursula von der Leyen, bei der ich mir absolut nicht vorstellen kann, dass ich hier ein positives Wort über sie verlieren werde in einer auch noch so fernen Zukunft, aber was das studiVZ angeht, so habe ich natürlich genug Arsch in der Hose, auch mal drauf hinzuweisen, wenn es dort was Schönes zu vermelden gibt oder dem Netzwerk Unrecht widerfahren ist.

Letzteres scheint mir hier der Fall zu sein und zurückzuführen ist es auf einen aktuellen Artikel bei netzpolitik.org. Es geht in besagtem Artikel um eine Konferenz zum "Schutz vor sexueller Gewalt gegen Kinder und Jugendliche mit Fokus auf neue Medien: Perspektiven für Europa". An dieser Konferenz sollten laut netzpolitik Social Networks wie studiVZ, wer-kennt-wen und einige andere eine Abschlusserklärung unterschreiben, mit welcher man sich quasi hinter das von der Leyensche Zensurgesetz stellen würde.

Schon beim Lesen habe ich mich darüber gewundert, wie dieses Verhalten seitens studiVZ zusammenpasst mit der Tatsache, dass man – wenn auch spät – an prominenter Stelle im eigenen Angebot auf die E-Petition eben gegen diese Internetsperren verlinkt hat und die User somit aufgefordert hat, sich dieser guten Sache anzuschließen.

So wunderte es mich dann auch nicht mehr, als man in den Reaktionen auf den Artikel sowohl von studiVZ, aber auch von wer-kennt-wen Stellungnahmen lesen konnte, dass man nicht plant, eine solche Erklärung zu unterschreiben, und Xing stellte sogar heraus, dass man gar nicht an der Konferenz teilnehmen wird.

Bei dem Holtzbrinck-Netzwerk kann man mittlerweile auch eine offizielle Stellungnahme zu dem netzpolitik-Artikel lesen, den ich hier mal auszugsweise zitieren möchte:

Wir sind überzeugt, dass alle, die sich an der aktuellen Diskussion beteiligen, dasselbe Ziel verfolgen und Kinder besser schützen wollen. Über den besten Weg dahin gibt es jedoch nicht immer Einigkeit. Für studiVZ gilt der Grundsatz, dass Sicherheit nicht auf Kosten der Meinungsfreiheit gehen darf.

Ein – meiner Meinung nach – schönes Statement, welches hoffentlich am Dienstagabend auch mit Leben erfüllt wird, in dem man tatsächlich nicht unterzeichnet.

Ich kann jetzt aus der Ferne natürlich nicht beurteilen, ob netzpolitik.org, welches jüngst zur Nr.1 der deutschen Blogs gekürt wurde, über das Ziel hinausgeschossen ist, oder ob man seitens WKW und studiVZ einfach klammheimlich zurückgerudert ist. Soll aber auch egal sein im Endeffekt, wenn man sich nicht hinter Zensursula stellt.

Übrigens, die Lokalisten und knuddels.de werden die Erklärung nach letztem Stand unterschreiben.

 

 

  • phillip
    http://tr.im/qbxZ
    auch die lokalisten haben sich distanziert und stellen in einem update klar, dass sie niemals die absicht hatten die umstrittene abschlusserklärung zu unterzeichnen.
  • oh, danke für die Info, Phillip :)
  • Das ist natürlich für StudiVZ positiv hervor zu heben. Mit Knuddels.de habe ich keine Erfahrungen vor zu weisen, auch wenn es mir nicht egal ist, ob diese die Erklärung unterschreiben, so sehe ich doch eine gewisse Problematik in der gesamten Entwicklung. Was Lokalisten angeht wundert es mich nicht, dass ein derart medienaktives Unternehmen sich unserer aktuellen Zensurpolitik unterordnet.

    Leider findet man, unzählige, "besorgte" Menschen, die keinerlei Hintergrundwissen vorweisen können, aber dann Zensurmaßnahmen gutheißen. Ich erinnere mich an eine Zeit in der die BRD durch eine Mauer getrennt war und in der DDR auch so vieles weggesperrt wurde, was der Obrigkeit nicht passte. Warum vergessen Menschen nur so schnell? DDR2.0 wir kommen!

    Viele Grüße
    Marcel
  • Genau das ist das Problem, Marcel - viele Menschen wissen gar nicht so richtig, worum es geht - für die klingt es dann natürlich absolut richtig, wenn man etwas unternehmen möchte gegen so was Widerliches wie Kinderpornos. Diejenigen, die das Gesetz zu verantworten haben, denken sich sicher schon was dabei, wieso man das gemeine Volk in diesem Punkt so dumm hält...
  • Anfangen wird es mit den Netzsperren für Kinderpornographie. Es soll mir durchaus recht sein, dass dieser Schund aus dem Netz verbannt wird, aber eine nationale Sperre wird niemanden abhalten diese Medien weiter zu konsumieren. Betrachtet man die immer wieder aufkommende Debatte über sog. "Killerspiele", dürfte der nächste Zensurhammer recht klar auf der Hand liegen. Seiten die sich also mit solchen Spielen beschäftigen, werden ebenfalls mit einbezogen. Und so lässt sich das Gesetz weiter instrumentalisieren um "unschöne" Inhalte zu entfernen. Für mich als Marketer und, neuerdings, auch Blogger, stellt das eine Katastrophe sondergleichen dar, denn wer garantiert mir, dass z.B. nicht der eBook-Markt weggesperrt wird, weil es dort ein paar schwarze Schafe gibt?

    Blinder Aktionismus führt nie zu etwas gutem. Es ist wirklich traurig, was in unserer Nation vor sich geht. Ich könnte jetzt noch unzählige weitere Punkte aufzählen und erläutern, aber das sprengt den Rahmen eines Kommentars ;).
  • Ich bin bei MVZ und wenn die so ein wisch unterschreiben lösche ich meinen account aus protest.
  • Und was bringt diese Erklärung dann?
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