Ich versuche hier in meinen Beiträgen immer, glasklare Positionen zu beziehen. So halte ich Zensursula für das personifizierte Übel, halte netzpolitik.org für eine mächtige Blogger-Allzweckwaffe gegen all das, was uns die Politik derzeit antut und wenn es um das studiVZ geht, halte ich mit meiner Meinung auch nicht hinter’m Berg, dass ich es für rückständig und vom Aussterben bedroht halte.
Manchmal verschwimmen diese klaren Grenzen vielleicht ein wenig. Das gilt sicher weniger für Ursula von der Leyen, bei der ich mir absolut nicht vorstellen kann, dass ich hier ein positives Wort über sie verlieren werde in einer auch noch so fernen Zukunft, aber was das studiVZ angeht, so habe ich natürlich genug Arsch in der Hose, auch mal drauf hinzuweisen, wenn es dort was Schönes zu vermelden gibt oder dem Netzwerk Unrecht widerfahren ist.
Letzteres scheint mir hier der Fall zu sein und zurückzuführen ist es auf einen aktuellen Artikel bei netzpolitik.org. Es geht in besagtem Artikel um eine Konferenz zum "Schutz vor sexueller Gewalt gegen Kinder und Jugendliche mit Fokus auf neue Medien: Perspektiven für Europa". An dieser Konferenz sollten laut netzpolitik Social Networks wie studiVZ, wer-kennt-wen und einige andere eine Abschlusserklärung unterschreiben, mit welcher man sich quasi hinter das von der Leyensche Zensurgesetz stellen würde.
Schon beim Lesen habe ich mich darüber gewundert, wie dieses Verhalten seitens studiVZ zusammenpasst mit der Tatsache, dass man – wenn auch spät – an prominenter Stelle im eigenen Angebot auf die E-Petition eben gegen diese Internetsperren verlinkt hat und die User somit aufgefordert hat, sich dieser guten Sache anzuschließen.
So wunderte es mich dann auch nicht mehr, als man in den Reaktionen auf den Artikel sowohl von studiVZ, aber auch von wer-kennt-wen Stellungnahmen lesen konnte, dass man nicht plant, eine solche Erklärung zu unterschreiben, und Xing stellte sogar heraus, dass man gar nicht an der Konferenz teilnehmen wird.
Bei dem Holtzbrinck-Netzwerk kann man mittlerweile auch eine offizielle Stellungnahme zu dem netzpolitik-Artikel lesen, den ich hier mal auszugsweise zitieren möchte:
Wir sind überzeugt, dass alle, die sich an der aktuellen Diskussion beteiligen, dasselbe Ziel verfolgen und Kinder besser schützen wollen. Über den besten Weg dahin gibt es jedoch nicht immer Einigkeit. Für studiVZ gilt der Grundsatz, dass Sicherheit nicht auf Kosten der Meinungsfreiheit gehen darf.
Ein – meiner Meinung nach – schönes Statement, welches hoffentlich am Dienstagabend auch mit Leben erfüllt wird, in dem man tatsächlich nicht unterzeichnet.
Ich kann jetzt aus der Ferne natürlich nicht beurteilen, ob netzpolitik.org, welches jüngst zur Nr.1 der deutschen Blogs gekürt wurde, über das Ziel hinausgeschossen ist, oder ob man seitens WKW und studiVZ einfach klammheimlich zurückgerudert ist. Soll aber auch egal sein im Endeffekt, wenn man sich nicht hinter Zensursula stellt.
Übrigens, die Lokalisten und knuddels.de werden die Erklärung nach letztem Stand unterschreiben.




