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30 Jun, 2009

Die Piratenpartei heuert bei studiVZ an

Posted by: Casi In: Politik| Social Networks

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 Neulich hat man seitens studiVZ – angesichts der seit der Europawahl, Tauss und Zensursula-Debatte in den Fokus gerückten Piratenpartei – voten lassen, ob selbige in die VZ-Wahlzentrale aufgenommen werden soll. Hier das Ergebnis:

VZ-Piraten

Klingt eindeutig, war aber auch nicht viel anders erwartet worden, denn unter internet-affinen Menschen ist die Piratenpartei ja durchaus ein Begriff. Wobei ich "internet-affin" in diesem Fall schon sehr grob definiere, um auch den Durchschnitts-VZ-User zu greifen ;)

Das Resultat dieser Abstimmung ist nun, dass die Piratenpartei neben den "etablierten" Parteien ebenfalls in der Parteizentrale mit eigenem Logo vertreten sein wird und ein Edelprofil erhält. Das Profil kann man übrigens schon begutachten, genau wie das Edelprofil von Jörg Tauss.

Witzig ist bei der ganzen Sache, dass es ja noch nicht wirklich lange her ist, dass eben dieses studiVZ das bis dato "normale" Profil der Piratenpartei plattgemacht hat. Gelebte Demokratie geht natürlich etwas anders ;)

Wenn ich hier aber schon die Piratenpartei – mal wieder – thematisiere, dann will ich diesbezüglich auch noch ein anderes Thema aufgreifen, welches meiner Meinung nach etwas mehr Substanz hat als ein Edelprofil bei einem Nicht-Edel-Social-Network.

Nicht nur Johnny bei Spreeblick macht sich Gedanken zu den Piraten, die – trotz seiner Sympathie für diesen Underdog – durchaus kritisch und auf jeden Fall angebracht erscheinen. Mir fällt in den letzten Tagen immer häufiger auf, dass es der digitalen Bohème zunehmend besser gefällt, die Piratenpartei zu bashen. Hillbrecht ist rhetorisch zu schwach, mit einem Programmpunkt kann man nicht bestehen, die Piraten fischen am rechten und linken Rand usw usf.

Das finde ich persönlich ziemlich schwach, aber vermutlich kommen einige der "digitalen Einheimischen" nicht so gut damit zurecht, dass die Piraten nicht mehr so ein Early-Adopter-Ding sind, sondern plötzlich von einer breiten Masse wahrgenommen wird. Leute wie Johnny oder Sascha Lobo beispielsweise möchte ich davon ausdrücklich ausnehmen, denn wer deren Statements der letzten Tage verfolgt, kann erkennen, dass man nicht versucht, auf eine junge Partei einzuschlagen, sondern eher auf eine konstruktive Art den Finger in diverse Wunden zu legen.

Klar fehlt der Piratenpartei ein komplettes Programm, klarere Statements zu bestimmten Themen (auch in der Kernkompetenz) und vielleicht auch die rhetorisch bewanderten Lichtgestalten, wie man sie in anderen Parteien findet. Aber vergesst bitte nicht, wie alt die Partei ist, vergesst nicht, wie zum Beispiel die Grünen angefangen haben und vergesst nicht, was die Alternativen sind.

In einem früheren Artikel habe ich auch überlegt, ob der Parteiname nicht ein Stolperstein werden könnte. Ich liege auch nicht auf einer Wellenlänge mit der Partei, was beispielsweise eine Kultur-Flatrate angeht. Aber das hier ist doch ein blutjunges Baby – wenn man sich Mühe damit gibt, kann man es doch formen und entwickeln. Die Anhänger der Piratenpartei sind doch keine Idioten oder Kids. Es finden sich dort genügend intelligente Menschen, um sowohl an Profil als auch Anspruch der Partei zu feilen. Das ist nicht spannend für die anstehenden Wahlen, aber in vier, fünf Jahren könnte es interessant werden. 

Vielleicht muss man auch auf eine Partei wie die Grünen zugehen, vielleicht in ihnen aufgehen. Es gibt eine Menge Dinge, die zu tun sind und die denkbar sind und es gibt für mich – was das Internet angeht – nur eine einzige Partei, die da in eine ähnliche Richtung denkt wie ich. Durch den Zuspruch, den die Piraten derzeit erfahren, werden viele neue Menschen mit vielen neuen Gedanken an Bord des Piratenschiffes auftauchen und dafür sorgen, dass das ganze Ding Struktur bekommt. Jeder, der jetzt konstruktiv das Maul aufmacht, kann dazu beitragen, dass die Geschichte an Fahrt gewinnt, dass wichtige Themen belegt werden und bestehende Themen konkretisiert und ausformuliert werden.

Wenn unter dem Strich in einigen Jahren steht, dass die Piratenpartei die Etablierten wachgerüttelt hat, dass man die jetzt gemachten Fehler korrigiert hat und SPD/CDU oder wer auch immer eine vernünftige Netzpolitik in Regierungsverantwortung betreibt, dann kann ich damit sehr gut leben, auch wenn ein vernünftiges, auf den Weg gebrachtes Gesetz nicht die Piratenpartei als Absender hat. Es geht hier nicht um eine Mode oder einen Hype, es geht darum, Deutschland auf Kurs zu halten/zu bringen.

Es gibt sehr vernünftige und einleuchtende Argumente für und gegen die Piraten – aber jeder, der jetzt einfach nur draufhaut, sollte sich überlegen, ob er stattdessen mit gleicher Energie und Hingabe nichts Konstruktiveres anfangen könnte.

  • Ich hätte den Artikel ja gerne gelesen, aber das nicht wegklickbare gestürzte "Tweet-Lesezeichen" macht das leider unmöglich. Oder ich bin zu alt für die Scheiße, will ich auch nicht ausschließen.
  • Hmm, was meinste, Ramses? Da ich den Artikel lesen kann und auf der Seite auch noch keine Popups gesehen hab, die man wieder loswerden kann, verstehe ich das Problem nicht *grübel* Meinst Du su.pr oder das Tweetboard?
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