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12 Jul, 2009

Vodafone: War da was?

Posted by: Casi In: Blogs| Microblogs| Social Networks| mobile| zweipunktnull

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lobofoneIch bin nicht ganz sicher, aber scheinbar hat es in der Blogosphäre am Wochenende sowas wie ein mediales Erdbeben gegeben, in dessen Epizentrum ich Vodafone auszumachen glaube. Aber nach diesem kleinen Teaser erst einmal eine Werbepause:

 

So, das ist er also, der erste der neuen Vodafone-Spots. Abgesehen von Zweinull-Ikonen, die in der (Micro-)Blog-Szene bekannt sind wie ein bunter Hund – und ein klein wenig auch so aussehen – ist mir da nicht viel Spektakuläres aufgefallen. 

Vodafone möchte uns Nutzer in den Mittelpunkt rücken mit der angeblich 200 Millionen Euro teuren Kampagne. Dazu gab es eine ganz im Zeichen des Social Media stehende Pressekonferenz, bei der man sich nicht gerade mit Ruhm bekleckert hat. Ich habe sie nicht verfolgt, aber später nachlesen können, dass man viel geredet hat, aber nicht wirklich was zu erzählen hatte. Was bewirbt man als Telekommunikationsunternehmen eigentlich, wenn es weder ein neues Gerät noch einen neuen Tarif zu verkünden gibt? Dazu kämpft Vodafone ja schon länger mit Image-Problemen, weil sie nicht nur wenig attraktive Handymodelle und -tarife auf den Markt werfen, sondern weil man bei dem ganzen Zensursula-Theater eine unrühmliche Vorreiter-Rolle übernommen hat, die man im Netz vermutlich auf ewig vorgehalten bekommen wird.

Soviel zu den Verfehlungen von Vodafone. Aber auch Lobo bekommt in der Blogosphäre natürlich sein Fett weg: Wie kann er nur für Vodafone Werbung machen, obwohl man sich bei den Internetsperren so angebiedert hat und Lobo ja immerhin im SPD-Onlinebeirat sitzt und somit einer der Meinungsführer war im Kampf gegen die Internetzensur. Darüber hinaus bescheinigt man ihm eine gewisse Art der Prostitution, outet ihn als iPhone/t-mobile-Nutzer, findet Adnation scheiße und die Frisur hat man sowieso noch nie gemocht. 

Auch da kann man durchaus der Meinung sein, dass es ein wenig unglücklich ist, als Internetsperren-Bekämpfer ausgerechnet dem Unternehmen in einem Werbespot zur Verfügung zu stehen, welches aus freien Stücken Frau von der Leyen unnötig viele Zugeständnisse gemacht hat, aber deswegen gehört man meiner Meinung nach nicht virtuell gesteinigt.

Man kann doch nicht so argumentieren, dass der fatale Aktionismus einer Ministerin von der Leyen auch nur im Ansatz vergleichbar ist mit der Zusage der Provider, die Technik für ein dann geltendes Gesetz bereitzustellen.

Ich bin derzeit bei O2 recht zufrieden, hätte vermutlich auch sonst nicht zwingend den Weg zu Vodafone gefunden, aber eins schwöre ich Euch nackt in die Hand: Ich hätte meine Entscheidung sicher nicht von einem Werbespot abhängig gemacht, scheißegal wer da im Blogger-Bus sitzt oder nicht.

Bei all den zu recht vorgebrachten Argumenten, was an der Kampagne unausgegoren und verbesserungswürdig ist, keimt nämlich in mir stündlich stärker der Verdacht, dass da auch zumindest bei einigen Bloggern sowas wie verletzter Stolz mitschwingt: Wieso sitze ich nicht in dem Bus? Wieso hat man mir kein HTC Magic aufs Auge gedrückt – und wieso überhaupt bin ich nicht von Adnation berücksichtigt worden?

Versteht mich nicht falsch – es geht nicht darum, eine Lanze für Sascha oder Vodafone zu brechen, denn einige Kritik ist ja durchaus berechtigt. Es geht mir eher darum, dass wir doch größtenteils ein sehr selbstreferentieller Haufen sind, der sich darüber aufregt, dass er von der Politik nicht ernst- und von der Welt da draußen nicht wahrgenommen wird. Aber wenn dann ein Unternehmen kommt, und eine Riesenkampagne fährt, in der einige von uns einen der Stützpfeiler bilden, dann wird alles niedergeknüppelt, was auch nur im Ansatz damit zu tun hat.

Das Ende vom Lied wird sein, dass diejenigen, die diesen Spot im TV sehen, vermutlich sowieso nicht wissen, wer Sascha Lobo ist und es denen aber auch scheißegal sein wird. Er ist halt ein witzig aussehender Kerl, der mit einem modernen Handy umzugehen versteht und scheiße singt – Generation Upload eben ;)  Diese Grabenkämpfe, die hier jetzt ausgefochten werden, bekommen die doch alle gar nicht mit. Aber die Werbe-Agenturen und die Unternehmen werden mit Sicherheit wahrnehmen, wie Eimerweise Spott und Häme über Vodafone und die Protagonisten ausgeschüttet wird. Beim nächsten zu vergebenden Budget wird das dann eventuell berücksichtigt und ich hoffe, dass dann nicht wieder Klein-Bloggersdorf Hand in Hand steht und sich darüber beschwert, dass man nie ernstgenommen und berücksichtigt wird.

 Für diejenigen, die es nicht mitbekommen haben, worüber gerade in der deutschen Blogosphäre geschimpft wird, habe ich die PK hier mal eingebunden:

Mich würde interessieren, ob sich die Macher der Kampagne und die Vodafone-Bosse nicht hinter verschlossenen Türen kaputtlachen über das ganze Gezeter bei Twitter und Co – denn immerhin haben sie erreicht, dass man überall über sie redet und bloggt, auch ohne HTC-Giveaway ;)

Weitere Links zum Thema:

 

  • Schön, dass du so entspannt bleibst bei der ganzen Sache. Spreeblick machen bei dem Adnation-Zeugs zum Beispiel auch mit und natürlich könnte man jetzt auch auf die einhacken. Man könnte sich aber auch diebisch freuen, dass die Zensurbefürworter jetzt die Zensurgegner finanziell unterstützen ;)
  • Es geht mir eher darum, dass wir doch größtenteils ein sehr selbstreferentieller Haufen sind, der sich darüber aufregt, dass er von der Politik nicht ernst- und von der Welt da draußen nicht wahrgenommen wird.


    So sehe ich das auch!

    Guter Beitrag.
  • Danke, apollon :)
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