Hellste Aufregung herrschte seit dem Bekanntwerden der neuen Vodafone-Kampagne. So langsam scheint sich die Aufregung ein wenig zu legen. Die Fronten sind geklärt, die meisten Blogger haben ihre Meinung kundgetan, es gab viel Spott und auch Vodafone selbst hat sich zu Wort gemeldet und möchte nun stärker den Dialog suchen zu der Klientel, die den Dreh- und Angelpunkt der neuen Image-Kampagne darstellt.
Beide Seiten bringen Argumente vor, die ich nachvollziehen kann bis zu einem gewissen Punkt. Da ist auf der einen Seite der Vorwurf an die betroffenen Blogger, gemeinsame Sache mit Zensurbefürwortern zu machen. Andererseits bitten die in den Fokus geratenen Blogger aber darum, Werbung und Content auseinanderzuhalten und weisen auf die Ironie hin, dass durch diese Kampagne ausgerechnet der vermeintliche Zensurfreund die lautesten Zensurgegner finanziert.
Ich finde mich – nach aktuellem Stand meiner Überlegungen – irgendwie zwischen den Stühlen wieder. Einerseits bin auch ich skeptisch, ob man sich den Kampf gegen Zensursula auf die Fahnen schreiben kann und in der Folge immer noch hofft, also objektiver und unbefangener Blogger wahrgenommen zu werden. Andererseits jedoch finde ich auch, dass man das nicht zu hoch hängen sollte. Es geht hier immerhin noch um einen der größten Konzerne in diesem Marktsegment und nicht um eine verfassungsfeindliche Geheimorganisation. In den Adnation-Blogs sieht man einen stinknormalen Werbeclip, man echauffiert sich vielerorts in diesen Tagen jedoch, als würden dort Adolf Hitler-Portraits verlinkt und verherrlicht. Wie gesagt, ich sehe den Kritikpunkt und kann ihn nachvollziehen, aber dennoch könnte man langsam mal einen Gang runterschalten.
Der Witz an der ganzen Geschichte ist für mich, dass diejenigen, für die diese Kampagne gedacht ist, überhaupt nichts mitbekommen von diesen Scharmützeln, die hier seit Tagen stattfinden. Niemand da draußen erkennt Lobo, Basic oder Schnutinger – nicht mal, wenn man im gleichen Bus sitzen würde. Das kann man aber Vodafone nicht als #fail anrechnen, denn man will ja bewusst keine Megastars in der Kampagne zeigen, sondern Teilnehmer dieser schönen, neuen Social Media-Welt – und was das angeht, hat man doch eine mehr als nachvollziehbare Auswahl getroffen. Wenn der Durchschnitts-Werbekonsument also diesen Clip sieht, sieht er eine Menge Leute, die er nicht kennt, hört ein Lied, dass er kennt und sieht ein Unternehmen, welches auf den ersten Blick nichts anderes darstellt als in den Werbeclips zuvor.
Ich finde die Werbung handwerklich gut gemacht – solide Arbeit. Aber das ist nur die technische Seite. Die Social Media-Visionen, die den Konzern zukünftig antreiben sollen, sind durch die Bank zu begrüßen und längst überfällig – erkennbar werden sie meines Erachtens durch die Werbung nicht.
Möchte man die Geschehnisse der letzten Woche dann abschließend beurteilen, kann man – zumindest ich tu das – zu dem Schluss kommen, dass Vodafone eine Menge Buzz erzeugt hat. Nicht unbedingt immer den, auf den man gehofft hat, aber wenn 50 dicke Blogs über Vodafone schreiben, dann sind das 50 dicke Blogs – egal, was drinsteht. 50 prominente Verlinkungen und 50 Meinungen. Sind es positive Meinungen, ist es eh gut für Vodafone, sind es negative Meinungen, kann man sich konstruktiv damit auseinandersetzen und kann für sich zumindest verbuchen, Gesprächsstoff der digitalen Bohème zu sein.
All das passiert aber wie gesagt unter dieser riesigen 2.0-Käseglocke, davon bekommt der normale Konsument nicht viel mit. Man hört den Namen Vodafone, assoziiert aber irgendwie so gar nichts damit. Keinen fluffigen Tarif, kein tolles Gerät, nichts eben.
Die magenta-farbene Konkurrenz lacht sich derweil vermutlich kaputt. Die brauchen nur ein iPhone ins Schaufenster zu stellen und die Leute drehen durch. Wie will ich denn mein Image verbessern, wenn ich in den Köpfen der Leute nur als das Unternehmen mit dem schlechten Image existiere und nicht etwa als der Telefonanbieter, bei dem ich ein sensationelles Gerät und/oder einen herausragenden Tarif erhalte.
Es geht hier ja nicht darum, ein Geek-Publikum zu bedienen. Momentan mag das so erscheinen, dass man in der Fußgängerzone, in der Bahn und im Café noch als Exot wahrgenommen wird, wenn man ein Note- oder Netbook oder ein wirklich für das Internet geeignetes Handy dabei hat. Aber das ist ja genau der Punkt, den Vodafone erkannt hat und leider bislang nicht zu vermitteln weiß: Über kurz oder lang werden wir alle wie selbstverständlich das Internet von überall nutzen. Man braucht ja nur zehn bis fünfzehn Jahre zurückschauen und sieht, dass man dort schon als Freak und Wichtigtuer wahrgenommen wurde, wenn man mit einem Handy unterwegs war. Genauso normal wird es für uns also zukünftig sein, immer und von überall auf Facebook, Twitter und Co zugreifen zu können und wenn ich ein Anbieter wäre, der seine Kunden genau darauf vorbereiten würde, dann würde ich das vermutlich über die Technik und den Tarif versuchen.
Bietet den Leuten ein Gerät, mit welchem man sich leicht, schnell und bequem im Netz bewegen kann und stellt es in den Mittelpunkt der Kampagne. Koppelt das an einen Tarif, welcher uns beispielsweise innerhalb eines einzigen Festpreises zuhause VDSL liefert und uns unterwegs via Surfstick und Handy ins Internet gehen lässt zu einem fairen Preis – und stellt es ebenfalls in den Mittelpunkt der Kampagne.
Dann ist es scheißegal, ob in dem Spot Sascha Lobo in oder auf dem Bus sitzt, und ob ein semi-bekannter Blogger oder Madonna den Soundtrack dazu singt.


