29 Jul, 2009
Microsoft und Yahoo: Wenn zwei sich einigen, freut sich der Dritte
Posted by: Casi In: World wide web| zweipunktnull
Großes Aufatmen in Mountain View, Kalifornien: Dort erfreut sich heute vermutlich die versammelte Google-Mannschaft an den Nachrichten, die weltweit über die Medienkanäle tickern und verkünden, dass Yahoo! zukünftig mit Microsoft zusammenarbeitet und zugunsten der Suchmaschine Bing die eigene Suche einstellt.

Der Deal ist befristet auf 10 Jahre (wieso eigentlich?) und sieht so aus, dass über Yahoo die Suchmaschine Bing die Ergebnisse auswirft, aber nach wie vor jeder auf seiner eigenen Seite auch sein eigenes Werbesüppchen kocht. Zudem wird man sich seitens Microsoft der Suchtechnologie des Ex-Konkurrenten bedienen. Das wiederum wird dazu führen, dass sich die gleichen Menschen wie vorher nun um zwei grundlegend verschiedene Suchsysteme kümmern werden und sich damit gegenseitig ausbremsen schlimmstenfalls. Eine genauso fundierte wie lesenswerte Analyse dieses Dilemmas hat Andreas Goldi auf netzwertig verfasst. Dort findet Ihr haarklein ausgearbeitet die Gründe für die strahlenden Gesichter bei Google.
Andererseits könnten jetzt auch Befürworter des Deals argumentieren, dass damit immerhin die Nr.2 und die Nr.3 unter den Suchmaschinen zusammengehen und somit durch die nackten Zahlen als auch durch die zu erwartenden Synergien ein ernsthafter Google-Konkurrent entstehen könnte. Sorry, aber das halte ich persönlich für Quatsch. Bing ist sicher nicht schlecht und hat zu Recht auch einiges an Marktanteilen abgreifen können. Dennoch ist und bleibt Google der unumstrittene Platzhirsch. Wieso? Na weil alle googlen – "google" ist das Synonym für die Internetsuche, hat es als solches bis in den deutschen Duden gebracht und alles, was sich mit dieser unangefochtenen Nr.1 messen möchte, darf nicht genauso gut sein, oder fast so gut, oder ein klein bißchen besser – nein, der alte König kann nur gestürzt werden, wenn der neue König entschieden mehr auf der Pfanne hat. Hat er aber nicht!
Somit werden sich jetzt Techniker um die Algorithmen balgen, die Marketingabteilungen entwerfen Erklärungen, wieso man bei der Internetsuche zusammenarbeitet und bei allen anderen Feldern Konkurrent bleiben kann, und Google lehnt sich derweil entspannt zurück und freut sich, dass es statt der zwei etablierten Konkurrenten nun nur noch einen einzigen gibt.
Oder seht Ihr das anders und erwartet einen sprunghaften Anstieg der Userzahlen? Ich jedenfalls nicht. Ich höre ja auch nicht auf, die leckersten Pommes der Stadt zu essen, weil es woanders jetzt die Nr.2 und Nr.3 aus einer einzigen Friteuse zu kaufen gibt. (Sorry für diesen eventuell hinkenden Vergleich, aber in Phasen, in denen ich mich selbst auf Diät setze, knallen mir manchmal ein paar Synapsen durch, was sich dann so äußert ;) )




