zweipunktnull.org

08 Aug, 2009

Twitter, Facebook, Google, LiveJournal, eine DDoS-Attacke – und ein Hauch von James Bond

Posted by: Casi In: Politik| zweipunktnull

Share

Zwei Dinge fallen mir direkt selbst auf bei meiner Überschrift: Sie ist die vermutlich längste, seit ich hier blogge – und sie nimmt mir fast schon die komplette Geschichte vorweg, könnte also ein kurzes Posting hier werden ;)

Was war passiert? Mitbekommen hat es vermutlich jeder, der im Netz mehr unternimmt, als nur ein paar E-Mails zu checken oder irgendwas Schönes zu ersteigern: Twitter, Facebook, diverse Google-Angebote und LiveJournal wurden Opfer einer DDoS-Attacke. Klarer ausgedrückt handelte es sich von Unmengen von Spam-Mails, die gezielt an die oben Genannten verschickt wurden.

Während Dickschiffe wie Google noch sehr gut mit der Attacke umgehen konnten, wurde der Microbloggingdienst Twitter vor ernste Probleme gestellt und selbst das technisch eigentlich großartig aufgestellte Facebook fiel zeitweise aus.

Mittlerweile hat sich die Lage logischerweise längst entspannt und man begibt sich auf die Suche nach den Ursachen bzw den Beweggründen für die Attacken. Hatte man es bis dato eigentlich ausschließlich mit Spam-Bots zu tun, scheint der Fall dieses Mal etwas anders zu liegen. Wie es scheint, ist nämlich ein einziger Blogger namens CyxyMu Mittelpunkt dieses Cyber-Angriffs gewesen. Der Name steht für die abchasische Hauptstadt Sukhumi und der Kaukasus-Konflikt waren dann auch Themenmittelpunkt in den Beiträgen des Bloggers.

Keine Ahnung, wie Ihr das empfindet, aber ist es wirklich angemessen, einen so groß angelegten Angriff zu fahren, um einen einzigen Blogger mundtot zu machen? Und wer könnte ein Interesse daran haben? Nicht nur ihm selbst scheint es wahrscheinlich, dass dieser Angriff von einer Regierung – in diesem Fall Russland – gesteuert bzw angeordnet wurde.

Sollte sich das bewahrheiten und nicht nur eine fixe Idee von Verschwörungstheoretikern sein, hätten wir es vermutlich mit einer ganz neuen Qualität des Cyberwars zu tun. Denn während wir es bei den meisten Attacken im Netz mit irgendwelchen pickeligen Teenagern zu tun haben, die irgendeinen Wurm auf die Reise schicken, weil ihnen gerade langweilig war, gibt es hier eine ganz gezielte Aktion gegen eine bestimmte Person. Dazu die eventuelle Beteiligung einer Regierung an dem Angriff und das ganze hat auf einmal einen Hauch von involvierten Geheimdiensten, skrupellosen Politikern und ein klein wenig James Bond. 

Eine ganz große Geschichte für diejenigen, die es verstehen, gute Geschichten zu erzählen (und/oder davon leben), aber für den kleinen Durchschnittsbürger tun sich hier Abgründe auf.

In den Zeiten, in denen man durch die Präsenz der Piratenpartei und den Verfehlungen von Zensursula und Co diesbezüglich eh schon hellhörig geworden ist, kann man nun vielleicht ein wenig erahnen, dass es bei der Piratendebatte nicht um eine einzige kleine Partei mit einem einzigen kleinen Programmpunkt geht, sondern um den Arsch jedes einzelnen von uns, um das Aufdecken von Korruption, unangemessener Lobbyarbeit und nicht zuletzt um Politik, was besonders interessant ist, da dem Bundesbürger ja gerne Politikverdrossenheit attestiert wird.

Wenn also Zensurdebatten geführt werden, politische Statements von unpolitisch geglaubten Bürgern geäußert werden und durch die globale Vernetzung im Internet auch jeder noch so kleiner Polit-Fauxpas jeden Winkel des Planeten erreichen kann, sollte jedem spätestens jetzt klar sein, dass sich die Debatten um viel mehr drehen, als illegale Downloads mit ein wenig Seeräuber-Romantik. 

  • Tja, es geht um das Bürgerrecht den eigenen Staat überwachen zu dürfen.

    Was dürfen die Bürger denn jetzt in Russland?
    Dürfen die Bürger nachsehen ob das ein Angriff der russischen Regierung auf die digitale Repräsentanz von Cyxmu war?
    Dürfen die Bürger dem Staat auf die Finger hauen?
blog comments powered by Disqus

Follow me

Follow Me!

Facebook

zweipunktnull on Facebook

Google Friend Connect