12 Aug, 2009
simyo zeigt Vodafone, wie man Kunden anspricht
Posted by: Casi In: Social Networks|zweipunktnull
Ich glaube, dass ich eigentlich echt eine Menge mitbekomme, was im Netz so passiert. Wenn beispielsweise Vodafone den großen Internetversteher gibt und dafür Millionen investiert, kann man sich dem natürlich nicht entziehen. Ich habe mich ja hier auch ausführlich mit der Kampagne beschäftigt und will daher hier auch nicht mehr groß drauf eingehen.
Die Kampagne des Mobilfunkanbieters simyo hingegen kommt viel unauffälliger daher, allerdings auch viel smarter als die der Konkurrenz. Statt zu trommeln, dass jeder Handy-Besitzer ein Internet-Held werden kann mit dem Tarif XY, lässt man die User selbst zu Wort kommen. Für diesen Zweck geht man jetzt eine Partnerschaft mit Facebook ein und hat eine eigene Seite dort angelegt.
Der Billig-Ableger von e-plus geht mit diesem Schritt natürlich ein großes Risiko ein. Bislang betreibt man eine vorbildliche Web-Politik. Das fängt mit dem eigenen Blog an und hört mit den sogenannten simyo-Paten noch lange nicht auf. Bei diesen Paten handelt es sich um ausgewählte Kunden, die dem Interessenten oder nicht so bedarften Kunden möglichst schnell jede Frage zum Anbieter beantworten sollen. Twitter-Accounts gibt es sogar zwei, einen für die News und einen für unkomplizierten Support (!). Vor allem die Idee mit dem Support via Twitter finde ich ausgezeichnet.
Nachdem man sich also bislang glaubhaft als "digital native" und kundennah präsentiert hat, folgt nun der Auftritt bei Facebook. Das kann insofern problematisch werden, als man schrecklich wenig Einfluss auf das hat, was dort über simyo geäußert wird. Bekomme ich nun also massenweise negatives Feedback beispielsweise, werde ich dort sicher nicht mehr viele Kunden gewinnen oder begeistern können. Genauso gilt es, nicht nur positive Reaktionen zu kommentieren und generell Präsenz zu zeigen, damit das Konzept glaubhaft wirkt.
Das das Unternehmen mit Sitz in Düsseldorf es hierbei durchaus ernst meint, kann man allein schon daran erkennen, wie man mit negativem Feedback umgeht – es wird nicht schön geredet oder gar entfernt, sondern findet genauso Erwähnung wie die positiven Reaktionen, die übrigens weit überwiegen derzeit.

Das Prinzip sieht übrigens so aus, dass jeder Kunde/Fan eine Rezension schreiben kann, in welcher er simyo bewertet mit 1-5 Sternen. Die Reaktionen seitens simyo finden sich dann auf der Pinnwand wieder und können dort natürlich genauso von allen eingesehen werden wie die dort ebenfalls geposteten Links zu anderen Blog-Reaktionen.
Wenn man das alles betrachtet, muss man zu dem Schluss kommen, dass simyo wirklich ernst meint, was im eigenen Blog verkündet wird:
Wir wussten, was wir definitiv nicht wollten: eine zusätzliche Werbe-Verbreitungs-plattform, um unsere Kunden und Fans mit Aktionen zu beschallen, die sie vielleicht gar nicht hören wollen. Vielmehr sollten der Austausch und Kommunikation in beide Richtungen im Vordergrund stehen.
Jetzt ist diese von der Agentur mavens durchgeführte Aktion natürlich gerade erst angerollt und man kann noch nicht wirklich erkennen, in welche Richtung sich das alles entwickeln wird. Die Idee und die bisherige Umsetzung jedoch zeigen, dass man sich mit dem Internet durchaus auseinandergesetzt und es verstanden hat. Nachmachen, Vodafone :)
Ihr merkt schon, dass ich die Aktion richtig klasse finde, aber ich muss auch zugeben, dass ich mich weder mit Service noch Tarifen von simyo vorher auseinandergesetzt habe. Ich kann hier also lediglich die Kampagne selbst bewerten und nicht die Leistungen des Unternehmens. Das könnt Ihr dafür jetzt auf der Facebook-Seite tun und ich werde natürlich auch weiter verfolgen, ob durch das öffentliche Kunden-Feedback die positiven Reaktionen überwiegen und/oder eventuelle Schwachpunkte beseitigt werden, oder ob man – aus welchem Grund auch immer – viralen Schiffbruch erleidet.




