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16 Sep, 2009

Erbsenzählerei und Twitter-Akademiker

Posted by: Casi In: Microblogs

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Wenn mich zum x-ten Mal bei Twitter oder sonstwo eine private Nachricht erreicht, die mir aufzeigen soll, wo genau im Netz ich zum perfekten Twitterer gemacht werde, dann ist das nichts, was ich auch nur halbwegs interessant finde. Mich interessiert es einfach nicht, wie ich aus meinen 1000 Followern 2000 oder 100000 Follower machen kann.

Geht jetzt eine Twitter-Akademie an den Start, erwarte ich natürlich etwas mehr als lediglich das Steigern von Followerzahlen. Bei der tweetacademy.de ist das auch der Fall. In eintägigen Seminaren wird uns von Twitter-Experten alles näher gebracht, was uns bzw unser Unternehmen internet-technisch nach vorne bringen kann:

  • Funktionsweise
  • Layout
  • Strategien
  • Targeting usw

Man hat sich also einiges auf die Agenda geschrieben und die neun Experten – darunter der von mir sehr geschätzte Klaus Eck – versprechen, den gewillten Teilnehmer für 145€ zum Twitterprofi zu machen.

Schön und gut soweit. Ich bin lediglich nicht so ganz davon überzeugt, ob man in diesem Seminar so sehr viel mehr vermitteln kann, als sich der interessierte Twitter-Fan für sein Geschäft/Unternehmen auch kostenlos aneignen könnte, in dem er tagtäglich von den neun Experten plus X lernt. Dadurch lernt, dass er einfach aufmerksam beobachtet, die großteils gerne helfende Community direkt anspricht und dann einfach seinem gesunden Menschenverstand folgt. Ich fürchte, dass man an einem einzigen Tag mit so vielen Themenschwerpunkten eventuell zu viel Input bekommt, um es dann anschließend wirklich umsetzen zu können. Der Preis für ein solches Seminar ist allerdings fair bemessen und somit ist es eher eine Frage der eigenen Philosophie, ob man das nun investieren möchte, oder seine Skills auf anderem Weg verbessert.

Eine Sache allerdings geht gar nicht, meine lieben Twitter-Akademiker: Ihr könnt doch nicht einen so professionellen Anspruch haben, professionelle Schulungen anbieten und gleichzeitig eine so stümperhafte Startseite zusammenzimmern:

tweetakademie

"Erleutern" funktionierte bislang eigentlich immer ganz gut mit "ä", wenn ich eine Statusmeldung twittere, nennt man das einen Tweet (und nicht nach Laune mal Tweed oder Tweet) und mit der Zusammenschreibung sollte man es vielleicht auch ein wenig genauer nehmen, statt beispielsweise Intensivseminar mal zusammen und mal getrennt zu schreiben. Auch Begriffe wie "Tweet Akademie", "Twitter Experten" usw könnten durchaus zusammengeschrieben oder zumindest durch einen Bindestrich getrennt werden. 

Auch hier hätte man im letzten Satz durchaus nochmal gegenlesen können:

fehler

Tweed oder Tweet, getrennt oder zusammen, Academy oder Akademie – Eure Twitter-Fähigkeiten werde ich nicht zu bestreiten wagen, aber grammatikalisch mache ich mir doch ernstere Gedanken, ob der geneigte Geschäftsmann nach dem Studium Eures Angebots noch ernsthaft interessiert sein wird.

Nicht falsch verstehen – auch, wenn ich es persönlich nicht nutzen oder empfehlen würde, glaube ich daran, dass es einen (durchaus großen) Markt geben wird für Angebote wie das hier beschriebene. Aber ein klein wenig professioneller müsste das schon wirken, findet Ihr nicht auch?

Vermutlich rufe ich jetzt die Menschen auf den Plan, die nun meine Blogartikel auf den Kopf stellen, um mir meine Fehler unter die Nase zu reiben. Keine Angst, mitunter fallen mir die sogar selbst auf, dennoch halte ich die Quote für ein privates Blog durchaus ordentlich. Bei einem Business-Angebot hingegen erwarte ich echt mehr. Das mit der Erbsenzählerei habe ich ja selbst erwähnt in der Überschrift, das braucht Ihr mir also auch nicht vorhalten – ich kann halt nicht aus meiner Haut ;)

Verwechselt übrigens die Tweet-Academy nicht mit diesem Angebot ;)

 via Stefan Osswald

  • Geldschneiderei.
  • empfinde ich persönlich auch so, denke aber dennoch, dass sich viele über so ein angebot freuen - grammatiknachbesserung vorausgesetzt ;)
  • Für mich ein erschreckendes Beispiel, für ein Symptom des ungezügelten Kapitalismus in der freien Welt. 2.0.

    Man kann's auch übertreiben; ja ich weiß! ;)
  • och, ganz so hart würde ich es nicht ausdrücken ;)
  • wolfgang
    Der Link zur twittacademy ist ja der Hammer! ;-)
    Aber ganz ehrlich glaube ich dass zwischen den zwei Angeboten gar nicht mal so viel Unterschied ist. Beides ist irgendwie Bauernfängerei. Das eine dreist professionell (wie mans nimmt), das andere irgendwie dreist unprofessionell...oder bin ich da zu negativ? Oder liegt es daran, dass ich Seminare hasse und der Meinung bin, dass das in 99% der Fälle übelste Zeit/Geldverschwendung ist?
  • pauschal würde ich nicht sagen, dass Seminare Geldverschwendung sind, weil ich selbst schon richtig tolle besucht habe. In diesem Fall denke ich halt auch, dass es unnötig ist - kann aber auch damit zusammenhängen, dass ich mich mit der Thematik öfter auseinandersetze als irgendein Unternehmer, der vielleicht gerade Twitter als Marketinginstrument für sich entdeckt...
  • frankherold
    Tschuldigung. Mir ist jetzt gerade, da ich zum ersten Mal davon gehört habe, ein wenig schlecht geworden. Und das ist jetzt kein Spruch. Mir ist wirklich übel.
    Wie arbeitslos als PRler, wie ausgebrannt als Autor, wie hoffnungslos abgebrannt als Kaufmann muß man sein um so ein Ding an den Start zu bringen?
  • Tja, berechtigte Fragen, würde ich sagen...
  • Ich mache eine Nasenbohrer-Akademie auf.
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