24 Sep, 2009
techdirt: Entschuldige Dich bei allen anderen, Lily Allen
Mike Masnick ist schon ein cooles Schwein, wenn Ihr mich fragt. Er betreibt eines meiner absoluten Lieblings-Blogs: techdirt ! Dort wird sich thematisch mit dem Internet, Musik, Medien generell auseinandergesetzt und das schwerpunktmäßig unter dem Gesichtspunkt der Urheberrechte und all der Debatten, die das unter Musikern, Filmschaffenden und Journalisten mit sich bringt, die jeweils um das Aussterben ihrer Zunft zittern.
Cool finde ich ihn deswegen, weil er die Dinge sehr gut auf den Punkt bringt, verkrustete Möchtegern-Argumente rhetorisch geschickt entlarvt und dabei kein Blatt vor den Mund nimmt. Wenn ihm dabei Sternchen wie Lily Allen über den Weg laufen, bekommen sie die gleiche Breitseite ab, die jeder andere auch zu erwarten hat.
Eben diese Lily Allen führt jedenfalls gerade einen Mehrfrontenkrieg, den sie meiner Meinung nach nicht gewinnen kann:
- Lily Allen gegen die Filesharer
- Lily Allen gegen die FAC
- Lily Allen gegen techdirt
Wer die ganze Geschichte nicht so ganz mitbekommen hat, dem sei kurz erklärt, dass Lily Allen in der britischen Musikszene gerade einen erbitterten Streit vom Zaun gebrochen bzw mit verantwortet hat, was die Einstellung zum illegalen Filesharing angeht.
Auf der einen Seite steht die Organisation FAC (Twitter-Account) – eine Organisation von Musikern, denen neben Pink Floyd- und Radiohead-Bandmitgliedern auch Künstler wie Billy Bragg und Robbie Williams angehören – und auf der anderen Seite Musiker wie Lily Allen, James Blunt und Tinchy Stryder. Die Letztgenannten schaukeln sich derzeit gegenseitig hoch, wenn es darum geht, Filesharern den Garaus zu machen und düstere Visionen von aussterbender Musik zu verbreiten.
Nicht, dass hier jemand denkt, dass ich illegales Filesharing gut heiße, aber verhindern wird man es auf die von Allen und Co propagierte Weise mit Sicherheit nicht. Allen hat scheinbar alle Kraft und Motivation in ihr eigenes Blog gelegt, um ihren Kampf gegen illegale Downloads zu führen. So wurde Statement um Statement von anderen Musikern zusammengetragen, um der breiten Masse klar zu machen, dass Filesharing der Teufel ist.
Was das Ganze nun direkt und unmittelbar mit techdirt zu tun hat? Masnick hat einen Artikel geschrieben, in dem er ein Interview mit Rapper 50 Cent eingebunden hat, welcher dort seine Meinung zu illegalem Filesharing äußert und darauf spekuliert, dass er so oder so mit seiner Musik verdient: Wenn nicht durch den Song selbst, dann halt durch das Konzert-Ticket.
Lily Allen wiederum hat jetzt – entgegen ihrer ansonsten an den Tag gelegten Abneigung gegen illegale Kopien – ganz dreist den kompletten techdirt-Artikel geklaut und in ihr eigenes Blog gestellt, um darin natürlich dann 50 Cent zu dissen. 50 Cent verteidigt übrigens in keinster Weise die illegalen Downloads, sondern erkennt sie als eine Tatsache an, der man sich stellen muss. Damit haut er in die gleiche Kerbe wie die FAC, die ebenfalls der Meinung ist, dass Künstler für ihre Arbeit honoriert werden müssen in angemessener Weise. Das ist genau der Punkt, an dem Lily Allen den Überblick verliert: Es geht nicht darum, illegales Filesharing auszumerzen, um einen längst vergessenen Zustand in der Musikindustrie wiederherzustellen, sondern eher darum, das Filesharing als gegeben anzuerkennen und ungeachtet dessen vernünftige Verdienstmodelle zu erarbeiten.
Michael Masnick hat natürlich dementsprechend auf den geistigen Diebstahl der Allen reagiert, Allen hat sich bei ihm entschuldigt und im jüngsten Artikel zum Thema fordert er nun, dass sie sich gefälligst bei allen anderen entschuldigen soll, nicht nur bei ihm.
Wie kann ich allen Ernstes jeden kriminalisieren, der – in welchem Maße auch immer – geistiges Eigentum stiehlt, nur um anschließend das gleiche zu tun? Nur der Info halber – Lily Allen hat ihr Blog übrigens wieder vom Netz genommen.
Noch einmal: Wenn sich innerhalb von zehn Jahren die CD-Verkäufe halbieren, kann man das nicht ignorieren. Ebenso kann man nicht argumentieren, dass jeder Künstler in gleichem Maße Geld aus Konzerten oder Merchandising generieren kann, wie ihm durch illegale Downloads durch die Lappen geht. Ein etablierter Act kann das logischerweise viel eher, als eine unbekannte, aufstrebende Band. Aber nichtsdestotrotz bleibt unterm Strich doch die Tatsache, dass illegales Filesharing nun mal da ist. Das kann man nun akzeptieren und sich überlegen, wie die neuen Business-Modelle aussehen können/müssen – oder man kann immer weiter wehmütig in die Vergangenheit blicken und lamentieren. Überlegt Euch selbst, welche Sicht erfolgversprechender ist.
Lily Allen möchte man bei ihrem von Hass verblendeten Kampf gegen vermeintliche Kriminelle ihren eigenen Songtitel zurufen:
via laut.de




