19 Okt, 2009
Datenleck bei schülerVZ: Des einen Freud, des anderen Leid
Posted by: Casi In: Social Networks
Es ist wie verhext für die VZnet-Jungens: Da legt man größten Wert auf Datensicherheit und lässt keine Gelegenheit aus, eben diese Vorgehensweise zu betonen. Erst recht, wenn man dadurch dem technisch hoffnungslos enteilten Konkurrenten Facebook auf diese Weise wenigstens einmal Paroli bieten kann, bzw in Sachen Datenschutz sogar die Nase vorne hat. Dann passiert das, was ich hier am Wochenende schon kurz angesprochen habe: Eine mittlerweile dingfest gemachte Person liest per Crawler unzählige schülerVZ-Profile aus und gibt die Daten ärgerlicherweise auch noch an weitere Personen weiter. Wie mittlerweile bekannt ist, hat sich der dringend tatverdächtige 20jährige auf die gleiche Art auch Zugang zu meinVZ- und studiVZ-Profilen verschafft, diese jedoch nicht weiter verbreitet.
Ich überlege die ganze Zeit nach einer geeigneten Vokabel, um die wahnwitzige Idee der schülerVZler zu beschreiben, nach welcher keine Kopien der Listen verbreitet worden sind – außer "naiv" will mir nix einfallen irgendwie und mittlerweile hat man im eigenen Blog auch zugestehen müssen, dass die Listen logischerweise vervielfältigt worden sind. Wer im Netz – beispielsweise auf den einschlägigen Torrent-Portalen – die Augen offen hält, wird vermutlich schon bald diese Daten abgreifen können.
Wie schlimm ist nun der Schaden, der entstanden ist? Nun, das kommt auf die Betrachtungsweise an. Der Besitzer eines schülerVZ-Profils hat vermutlich nicht wirklich viel zu befürchten. Sensible Daten wie Adressen, Telefon-Nummern, Passwörter oder privat versendete Nachrichten sind ausdrücklich nicht betroffen, da der Täter keinen Zugriff auf die Datenbank hatte und lediglich die Daten horten konnte, die man sowieso als angemeldeter User sehen kann.
Von Seiten des Netzwerk-Betreibers jedoch sieht die Geschichte ganz anders aus: Bundesweit hat es die Nachricht vom Datenleck in die Zeitungen und dort oft sogar auf die Titelseiten gebracht. Da steckt man Unmengen Arbeit, Geld und Zeit in ein user-freundliches und vor allem sicheres System, während sich der direkte Gegner Facebook in Sicherheitsfragen oftmals nicht mit Ruhm bekleckert, und nun ist man selbst derjenige, der am Pranger steht. Wenn Ihr mich fragt, bleibt das viel eher in den Köpfen hängen als beispielsweise irgendwelche Beacon-Geschichten, von denen der Durchschnitts-Nutzer eines Social Networks vermutlich eh nichts mitbekommen hat.
Der gemeine VZ-Disser nimmt es kalt lächelnd zur Kenntnis, Social Network-Gegner fühlen sich bestätigt, Markus Beckedahl hat ein blendendes Thema, um die Zeit bis zum nächsten Zensursula-Fauxpas zu überbrücken und Facebook reibt sich natürlich sowieso die Hände – scheint fast so, als gäbe es wesentlich mehr Profiteure als Verlierer in dieser Geschichte.




