Die Geschichte um die ausgelesenen Daten beim schülerVZ zieht immer weitere Kreise. Während immer klarer wird, dass Markus Beckedahl Deutschlands Vorzeige-Blogger ist und nicht etwa Robert Basic oder gar Sascha Lobo, melden sich unterdessen auch immer häufiger Stimmen, die den "Hacker" verteidigen. Gerade aus dem Piratenlager vernehme ich diese Argumentationen, die eine Lanze für den Täter brechen sollen.
Er wäre immerhin nicht in die Datenbank eingedrungen, hat nur Sicherheitslücken aufzeigen wollen, der wahre Schuldige wäre nicht er, sondern ein nachlässiges Social Network. Das ist alles richtig, aber sicher nicht die ganze Wahrheit!
Es geht hier um verschiedene Personen und nicht um einen einzigen Täter. Dem ersten nehme ich durchaus ab, dass er die Hacker-Ethik wahrt und durchaus Gutes im Schilde führt, wenn er Kontakt zu netzpolitik.org aufnimmt und auf Sicherheitslücken hinweist. Aber spätestens, wenn – und da sind wir bei dem anderen Kandidaten – jemand ins VZ-Hauptquartier marschiert und versucht, 80.000 Euro zu erpressen mit den gecrawlten Daten, dann verliert die Geschichte jegliche Hacker-Romantik.
Davon abgesehen stehen vermutlich jedem wirklichen Hacker die Haare zu Berge, wenn man bei einem Script-Kid, welches frei verfügbare Daten zusammensucht, von einem "Hacker" spricht. Auf onlinekosten.de findet sich dazu die richtige Formulierung:
Der in Berlin verhaftete Tatverdächtige gehört wohl in die Kategorie der Script-Kiddies. Das sind Leute, die sich im Netz ein paar Skripte zusammensuchen, um irgendwo einzubrechen und dann mit ihren Hacks prahlen ohne wirklich technisch Ahnung zu haben.
Man sollte – egal ob CCC-Sympathisant oder Pirat – fein unterscheiden zwischen dem Hinweis auf eine Sicherheitslücke und Erpressung. Das Schöne an der Geschichte ist jedoch, dass neben diesem Crawl-Unfall nun aber die wirklichen Sicherheitsmängel in den Blickpunkt gelangen und das Holtzbrinck-Netzwerk schleunigst nachbessern sollte, sonst nimmt man den VZ-Jungs die Datensicherheits-Geschichten nicht mehr länger ab. Bei diesen nun öffentlich gewordenen Sicherheitsmängeln sind nämlich auch Daten betroffen, die eigentlich unter Verschluss sein sollten.




