Kaum kündigt Microsoft an, Statusmeldungen von Twitter und Facebook in seine Suchergebnisse einzubauen, schon zieht Google nach! Früher am Tag habe ich drüben bei Basic Thinking über den Bing-Deal mit Twitter und Facebook geschrieben und war zugegebenermaßen etwas verwundert darüber, wie sich Google hier die Butter vom Brot nehmen lässt.
Nur wenige Stunden später relativiert Google die ganze Geschichte also wieder, in dem man selbst einen Deal mit Twitter ankündigt:
Given this new type of information and its value to search, we are very excited to announce that we have reached an agreement with Twitter to include their updates in our search results. We believe that our search results and user experience will greatly benefit from the inclusion of this up-to-the-minute data, and we look forward to having a product that showcases how tweets can make search better in the coming months.
Wenn ich das richtig verstehe, scheint es noch eine Weile zu brauchen, bis Google die Tweets anzeigen kann, während Bing startbereit ist. Zudem fehlt im Gegensatz zur Microsoft-Vereinbarung ein Abkommen mit Facebook. Es lässt sich natürlich vortrefflich darüber spekulieren, ob das enge Verhältnis zwischen den Redmondern und Facebook hierbei eine Rolle spielt, oder ob auch Google noch einen Facebook-Deal nachlegen kann.
Je mehr übrigens heute über den Coup geschrieben wurde, den Microsoft zweifellos gelandet hat, desto öfter fanden sich auch kritische bis fragende Stimmen, die gar nicht so recht verstehen konnten/wollten, was denn an einem Twitter-Feature so toll sein sollte im Rahmen der normalen Web-Suche.
Sieht man sich die "normale" Websearch – egal, ob Google, Yahoo oder Bing – mal an, kann man zweifellos feststellen, dass das Indexieren von neuen Inhalten viel schneller geworden ist. "Schneller" muss aber nichts heißen in Zeiten von "Echtzeit"-Suchen. Während ich bei Twitter von einem Unglück, einem Todesfall, einem sonst wie besonderen Ereignis oder einem neuen Produkt binnen Sekunden erfahre, nachdem die Story irgendwo in der Welt veröffentlicht wurde, kann ich mich bei den einschlägigen News-Portalen entspannt zurücklehnen und abwarten, bis die Meldung dort auftaucht.
Über das Für und Wider (Pro Tempo, Contra evtl unsichere Quelle usw) brauchen wir hier nicht weiter diskutieren, de facto kann man sich aber heute bereits via Twitter schneller über aktuelle Geschehnisse informieren als bei der Mutter aller Suchmaschinen.
Ich mach mal ein weiteres Beispiel: Suche ich bei Google um 23 Uhr am Wochenende nach einer bestimmten Bar, Disco, etc, lande ich im günstigsten Fall auf der Homepage der Location, kann dort evtl Eintrittspreise, Dresscode und Programm erfragen. Suche ich aber bei Twitter, erfahre ich eventuell komplett andere Dinge: Ist der Laden gut gefüllt oder eher nicht, ist der DJ eine Lusche, sollte ich aufgrund der Parkplatz-Situation evtl auf öffentliche Verkehrsmittel zurückgreifen usw.
Ihr seht, Suche ist nicht gleich Suche und unter diesem Gesichtspunkt kann man die längst überfälligen Entwicklungen bei Bing und Google nur begrüßen. Bleibt abzuwarten, wie viel Boden Microsoft auf den Konkurrenten aus Mountain View gut machen kann, bis dieser dann endlich auch über die Twitter-Echtzeitresultate verfügt.




