Facebook hat es getan – mal wieder! Man rudert aufgrund von zahlreichen Protesten – zumindest teilweise – wieder zurück. Es gab viele wütende Aufschreie, als Facebook angefangen hat, sich immer weiter an Twitter anzunähern. Ich muss zugeben, dass ich nicht zu den Schreiern gehört habe, denn ich mag den Live-Feed, den Facebook mir seit Monaten liefert.
Bei über 300 Millionen Mitgliedern gibt es natürlich nicht nur eine Meinung und nicht nur ein Lager. Viele haben sich jedenfalls nach dem Feed zurückgesehnt, der weniger der Twitter-Timeline gleicht und stattdessen nach Relevanz gewichtet. Jetzt also macht nimmt man eine weitere Stufe auf der Evolutions-Leiter und bietet beide Feeds alternativ an. Der Neuigkeiten-Feed ist derjenige, der per Default angezeigt wird, aber wenn Ihr lieber den Live-Feed sehen möchtet, dann bleibt der solange aktiv, wie Ihr eingeloggt bleibt.
Im Gegensatz zu Martin bei netzwertig würde ich es nun nicht als eine Rolle rückwärts bezeichnen, da es ja keine Abkehr vom Livefeed im Twitter-Style ist. Man bedient nun halt beide Parteien. Dass der Newsfeed der voreingestellte Feed ist hat auch seinen Sinn, der nichts damit zu tun hat, wie Facebook selbst die beiden Alternativen gewichtet. Viel mehr möchte Facebook, dass man sich – wenn man sich das erste Mal am Tag einloggt – einen Überblick über den vergangenen Zeitraum verfasst. Dazu dient dann der Neuigkeiten-Feed, der die Meldungen nach Relevanz (wie viele "likes" und Kommentare z.b.) sortiert und aufbereitet. Wenn man dann wieder auf dem Laufenden ist, was einem seine Facebook-Freunde in den letzten Stunden beschert haben, soll man möglichst auf den Live-Feed switchen, weil man dann ja wieder im Bilde ist und das aktuelle Geschehen verfolgen kann. Dieser Livefeed bietet uns nun auch wirklich Echtzeit-Updates – der Einkauf der FriendFeed-Jungs hat sich also gelohnt ;)
Finde ich konsequent gedacht und nachvollziehbar. Schön, dass man somit beide Lager berücksichtigt, wenngleich es natürlich auch – wie immer – in diesem Falle wieder Proteste geben wird und früher-war-alles-besser-Gruppen. Witzig finde ich in dem Zusammenhang, dass Facebook-User ihren Unmut in Gruppen kundtun, welche schon vor Jahren gegründet wurden und logischerweise gegen etwas ganz anderes protestiert haben, als die heutigen Kritiker.
Mit diesem Update gehen auch noch einige andere Änderungen einher. So fällt nun die Highlights-Sektion auf der rechten Seite weg, die natürlich auch im News-Feed mit aufgeht. Desweiteren bekommen wir es nun auch wieder mit Nachrichten wie "X ist nun mit Y befreundet" zu tun. Wer davon genervt ist, kann zumindest per Privacy-Einstellungen dafür sorgen, dass diese Nachricht nicht im Stream der anderen Freunde auftaucht. Mich persönlich stört es nicht, weil ich dadurch schon auf die ein oder andere interessante Person gestoßen bin bzw auf bekannte Personen, von denen ich bis dato nicht wusste, dass sie auch bei Facebook vertreten sind.
Logischerweise braucht man nicht davon ausgehen, dass Facebook diese Änderungen lediglich deswegen herbeigeführt hat, weil man als Samariter unterwegs ist und nichts anderes als die Userwünsche im Blick hat. Einen sehr interessanten Artikel hat André bei Basic Thinking dazu geschrieben. Er erklärt, dass es aus werbetechnischen Gründen Sinn macht, beispielsweise Geburtstage prominenter anzeigen zu lassen. Neben der Werbung setzt Facebook natürlich auch auf den wachsenden Markt mit virtuellen Gütern, mit denen man bereits in 2008 zweistellige Millionenerlöse erzielen konnte.
Während ich mir nicht vorstellen kann, Geld dafür einzusetzen, Jemandem ein kleines Bildchen zum Geburtstag auf die Pinnwand zu zaubern, kann ich es mir für andere Dinge – wie beispielsweise Musik – durchaus vorstellen. So oder so – dieser Markt wird weiter wachsen und Facebook wird damit vermutlich mehr Kohle einstreichen, als wir uns das heute vorstellen können.
Was meint Ihr zu den Änderungen? Nervt es Euch oder findet Ihr es nachvollziehbar?




