Ich blogge echt gerne und ich denke auch, dass ich in meinem gewählten Themenspektrum was zu erzählen habe und mitreden kann. Manchmal jedoch hat man es mit Geschichten zu tun, die auf den ersten Blick irgendwie sehr offensichtlich aussehen und die man dann dementsprechend hier im Blog darstellt. Die tragische Geschichte um den Selbstmord des "VZ-Erpressers" ist so ein Fall.
Ich gehörte zu denjenigen, die dem Erpresser von Anfang bis Ende jeglichen Sinn seines Handelns absprachen. Wieso hackt man dort überhaupt? Wieso rennt man in die VZ-Zentrale und wieso haut man dort auf den Tisch und verlangt unverschämterweise 20.000 (später angeblich 80.000) Euro und wieso bringt man sich dann um in Untersuchungshaft? Das sind die Fragen, die ich mir gestellt habe – die wir uns alle gestellt haben.
Vor zwei Tagen bekam ich auf meinen Artikel zum Thema dann einen Kommentar einer Person, die sich witzigerweise Hagbard nennt und die Sicht der Dinge, wie ich sie bis dahin hatte, zumindest in Frage stellte:
…Zudem sei erwähnt, dass der Hacker ja durch die VZ-Gesellschaft extra nach Berlin gefahren wurde (per Taxi) um Gespräche aufzunehmen. Bis dahin – so meine Informationen – war keinesfalls klar, dass der Schüler(VZ-Hacker) tatsächlich Geld erpressen wollte. Wir alle wissen leider nicht, was sich zum fraglichen Zeitpunkt im 3 Stock der Saarbrücker Straße 38 abgespielt hat, daher würde ich die Behauptung, er habe aus Geldgier gehandelt keinesfalls ungefragt in den Raum stellen.
Ich wollte jetzt natürlich nicht wieder den gleichen Fehler begehen und noch einmal eine Story raushauen, die mit wenig bis gar nicht belegten Informationen aufwartet. Zwischenzeitlich hat eine Stellungnahme des Anwalts des 20jährigen Mannes die Runde gemacht mit dem Hinweis, dass es sich nicht um eine versuchte Erpressung gehandelt hat und das VZnet seinerseits sogar freiwillige Zahlungen in Aussicht gestellt hatte. Logischerweise wurde dem postwendend vom Holtzbrinck-Netzwerk widersprochen.
VZ-Ceo Markus Berger-de León sprach sogar von "haltlosen und unglaublichen" Anschuldigungen. Nun aber steht diese Geschichte an einem Wendepunkt und das VZ am Pranger – um nicht zu sagen knietief in der eigenen Scheiße, denn wie heise gerade berichtet, liegt dem Spiegel ein Chat-Protokoll vor, was auch eine Story im kommenden Spiegel nach sich zieht.
Laut diesem Protokoll stand der Technik-Chef der VZ-Gruppe (das hier müsste sein VZ-Profil sein) bereits vor dem Treffen in Kontakt mit dem Hacker Matthias und hat ihm von sich aus eine Kooperation angeboten:
du – und andere können bei uns rumhacken wie sie wollen. ich bezahl euch sogar gerne dafür!
Das "Bezahlen" wurde unter der Einschränkung in Aussicht gestellt, dass die ganze Geschichte nicht öffentlich gemacht wird und später stellte man dem 20jährigen Mann aus Erlangen die Alternativ-Frage:
also, was ist sache. kooperation oder krieg?
Wie es aussieht, hat sich 3×1t – so der Hackername – für die Kooperation entschieden und sich für über 500 Euro auf VZ-Kosten per Taxi in die Berliner Zentrale des Netzwerks fahren lassen.
Wenn die Gespräche so gelaufen sind wie es nun den Anschein hat, können wir wohl davon ausgehen, dass nach der dann bestehenden Sachlage niemals eine Verhaftung die Folge gewesen wäre. Keine Verhaftung, kein Selbstmord – das zumindest ist die simple Formel, die mir dazu einfällt. Zudem wurde bekannt, dass bei dem vermeintlichen Erpresser eine "kombinierte Persönlichkeitsstörung" aktenkundig war. Somit kann man festhalten, dass neben dem VZnet auch die zuständige Justiz das Blut eines 20jährigen Mannes an Händen hat, denn mit so einer Störung hätte man ihn nicht in eine Einzelzelle verfrachten dürfen.
Neuer, ausführlicherer Artikel im Spiegel




