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24 Nov, 2009

Was haben Internetkompetenz und deutsche Politiker gemeinsam?

Posted by: Casi In: Politik

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…nicht viel, wenn wir der Umfrage von heise.de glauben möchten. Ehrlich gesagt überrascht es mich auch nicht, dass zum Beispiel 62 Prozent der Befragten einen Internet-Führerschein für Politiker fordern. Zensursula (die gerade vermutlich wieder Kreide gefressen hat), Guttenberg, Schäuble, Zypries – die Liste der Politiker auf Bundesebene, die einer ganzen Nation wiederholt beweisen, dass sie das Internet nicht verstehen und auch gar nicht verstehen wollen, ist ärgerlicherweise fast genauso lang wie die Liste dieser Politiker an sich.

Lasse ich Revue passieren, wie oft und weswegen ich mich in den letzten Wochen und Monaten über unsere Volksvertreter aufgeregt habe – gerade, wenn es um das Thema Internet ging – könnte ich jetzt vermutlich wieder einen endlosen Rant verfassen, den ihr so oder besser schon dutzendfach im Netz gelesen habt.

Stattdessen möchte ich lieber auf einen Artikel von Stefan Münz verweisen, der mir nicht nur durch sein ehemaliges Projekt SELFHTML Anfang des Jahrtausends gleich dutzendfach den Arsch gerettet hat bei meinen ersten Gehversuchen im Internet, sondern auch heute noch stets auf der Höhe der Zeit ist, was den Themenkomplex Internet angeht. Das beweist er eben auch heute wieder auf "Webkompetenz" mit durchaus markigen Worten:

Neue, netzgerechte Strukturen werden sich entwickeln, inklusive Willensbildung, inklusive Wahlen, inklusive Verfahrensweisen zum Entwickeln von Regeln für das gesellschaftliche Zusammenleben. Menschen, denen es an Kompetenz fehlt, sich in dieser Sphäre souverän zu bewegen und mitzuwirken, werden heutigen Analphabeten vergleichbar sein.

D'accord, Stefan!! 

Genau das wird das Problem unserer Politiker sein – und damit unser aller gemeinsames Problem: Genauso wie ich mir von einem Analphabeten vermutlich schlecht beibringen lassen kann, wie ich schreiben muss, kann ein nicht netz-kompetenter Politiker für mich unmöglich festlegen, was ich im Netz sehen und nicht sehen darf, wie das Netz für mich zu funktionieren hat und was dort generell möglich sein darf.

Das Internet ist nicht einfach ein neues Medium in der Fortsetzung der Reihe Höhlenmalerei–>Papyrus–>Buchdruck–>Radio–>TV, sondern ein wesentlich höher anzusiedelnder Eingriff in die Welt, die man noch vor 20 Jahren kannte. Es beeinflusst und verändert die Art, wie wir Informationen finden und weitergeben, wie wir unsere Freizeit verbringen, wie wir lernen, wie wir Menschen kennenlernen, wie wir arbeiten. Da ist es vermessen bis unverschämt und von einer  haarsträubenden Ignoranz gezeichnet, wenn in der Politik das Internet wahlweise als rechtsfreier Raum oder Sündenpfuhl, maximal aber als Zeitfresser wahrgenommen wird.

Wie gesagt – keine langen Worte von mir, lediglich der Hinweis auf die Diskussion bei heise.de und die wahren Worte von Stefan Münz. Beruhigend, dass mittlerweile so viele Menschen im Netz aufmerksam die Politiker beäugen und dafür sorgen werden, dass kein Statement und kein missratener Gesetzentwurf unkommentiert bleibt. Die (für die Masse unserer Politiker nicht zu erahnenden) Folgen werden sein, dass der Archetyp des Politikers, wie wir ihn kennen, aussterben wird. Das ist keine Polemik, sondern einfach das Gesetz der Zahl – es werden einfach so viele junge Politiker nachkommen, die sowohl die Mechanismen als auch die Bedeutung des Internets wesentlich besser begreifen. 

  • webkompetenz
    Hallo Carsten,

    danke für die Blumen! ;-)
    Dank Peter Asemann hat sich übrigens die Diskussion, ausgehend von dem Posting mit der von dir zitierten Passage, zu einer Diskussion über RealLife vs. NetLife weiterentwickelt. Eine Diskussion, die ich für sehr wichtig halte.
    viele Grüße
    Stefan
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