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07 Dez, 2009

studiVZ und Co: Apps und Hopp

Posted by: Casi In: Apps| Open standards| Social Networks

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studivzJa, ich habe mir bereits die Hände gerieben, als ich davon gelesen habe, dass an diesem Montag App-Day ist bei den VZ-Netzwerken. Ein gefundenes Fressen für den VZ-Disser aus Leidenschaft. Aber schon früh machte mir das Netzwerk, das unter Holtzbrinck-Flagge segelt, einen gehörigen Strich durch die Rechnung: Der erste Aufhänger, um sich über eine VZ-Neuerung lustig zu machen, ist normalerweise der Name. Buschfunk, Gruscheln, Hingucker, Zeiger, die Röhre und der Plauderkasten – die vz'sche Nomenklatur war immer für ungläubiges Staunen, Lacher und vergebliches Blättern im Duden gut. Aber heute lief es irgendwie anders: Sie nennen die Apps tatsächlich…Apps! Nicht Spieldings oder Erweiterungsbums, sondern App.

Nachdem ich ein wenig vor mich hingeschimpft habe, dass der Menüpunkt "Meine Apps" bei mir noch nicht vorhanden war, tauchte er dann plötzlich auf. Die ersten Klicks brachten nichts außer eine Vielzahl verschiedener Fehlermeldungen, aber die werde ich den Jungs nicht ankreiden, weil man auch bei der Konkurrenz oft genug mit diesen Kinderkrankheiten zu kämpfen hat, wenn Neues an den Start geht.

Mein Klicken brachte mich auf eine Übersichtsseite, bei der ich sowohl meine als auch die Apps meiner Freunde betrachten kann:

vzapp1

Mit u.a. den abgebildeten Brain Buddies (ein auch schon auf Facebook sehr erfolgreiches Game), der Karaoke-Plattform Mikestar.com und der bereits längst etablierten "Röhre" von putpat.tv hat man auch direkt ein paar schöne Sachen vorgelegt, die ich mir nach und nach auch alle gerne installieren möchte.

Da kommen wir direkt zu einer Geschichte, die – es geht mir schwer über die Lippen – glänzend umgesetzt wurde: die Visitenkarte! Jedes Mal, wenn ich eine Erweiterung installieren möchte, werde ich gefragt, ob ich dafür eine Visitenkarte anlegen möchte. Das ist eine Karte, auf der ich jedes Mal für jede App individuell angeben kann, welche Daten ich von mir preisgeben möchte. Richtig, richtig gut – Respekt dafür!

vzappvisitenkarte

Bei der nächsten App kann ich entweder die Einstellung der letzten Visitenkarte übernehmen, oder ich konfiguriere halt eine komplett neue. Das ist tatsächlich sowohl von Idee als auch von der Ausführung richtig gut gelungen und wäre auch bei der Konkurrenz wünschenswert. 

Danach setzt dann aber kurz Ernüchterung ein, als meine frisch installierte App so gar nicht starten möchte. Brain Buddies bleibt zunächst – auch bei den wiederholten Versuchen – weiß, bis dann nach wenigen Minuten das Game geladen wird, aber dennoch nicht richtig anfangen will. Dann gibt es mal wieder eine der oben bereits erwähnten Fehlermeldungen, aber irgendwann funzt es halt dann doch. Brain Buddies spielt sich genauso schön wie auf Facebook, lädt – wenn es erst mal funktioniert – schnell und ist auch genauso einfach zu bedienen wie auf Facebook. Das halte ich nicht für selbstverständlich, denn in einem Netzwerk, in dem ich keine anklickbaren Links verschicken kann, oder die Sharen-Funktion auf private Messages beschränkt ist, statt mal eine empfehlenswerte Entdeckung im Newsfeed Buschfunk teilen zu können, erwarte ich nicht, dass die Usability eines solchen Casual Games dem gleichen Level entspricht wie bei der technisch übermächtigen Konkurrenz.

Ich kann unkompliziert spielen und genauso unkompliziert meine Freunde zu Brain Buddies einladen. Klingt alles selbstverständlich, aber hey – wir reden hier immer noch vom studiVZ!

Die Karaoke-App habe ich auch noch kurz angetestet und die einzige Kritik dort richtet sich an den nicht sehr schönen Gesang des zweipunktnull-Autors. Die Videos (oder wahlweise Audio-Aufnahmen) können bewertet und kommentiert werden und es gibt eine recht ordentliche Auswahl an Songs. Die Apps sorgen jedenfalls schon jetzt dafür, dass man mehr Zeit auf den Seiten des Social Networks verbringen kann und ich hoffe natürlich, dass das noch lange nicht das Ende der Fahnenstange ist. Alle bereits fertig gestellten Apps findet ihr übrigens im VZ-Blog aufgelistet.

Aber da ich hier natürlich keinen VZ-Artikel beende, ohne auch Kritik geübt zu haben, möchte ich auch die – durchaus noch vorhandenen – Schattenseiten ansprechen. Wie gesagt lasse ich dabei die technischen Probs außen vor, weil ich es darauf schiebe, dass die Dinger heute erst gestartet sind.

Was mir noch nicht so toll gefällt, ist die Art und Weise, wie es auf meinem Profil aufbereitet wird. Vermutlich bin ich da zu sehr auf Facebook fixiert, aber ich möchte meinen Highscore lieber gelegentlich in einem Newsfeed wieder finden und nicht übertrieben groß und ständig auf meiner Profilseite. Da zeigt sich der klare Vorteil, wenn ein Profil aus mehreren Seiten bzw Tabs besteht. Sowas müssen die VZ-Jungs unbedingt noch nachlegen, denn sonst erwartet die Nutzer bei einem mengenmäßigen Ansteigen der verfügbaren Anwendungen ein ähnliches Augenkrebs-Erlebnis, wie es leider Gottes auf MySpace schon lange selbstverständlich ist.

Man versucht das selbst einzugrenzen, in dem man uns nur eine einzige App als "Hingucker" auf die Seite packen lässt. Die anderen werden in einem Extra-Feld darunter aufgeführt. In der Summe sind mir diese beiden Fenster zusammen mit den Feldern für Fotos, "Find' ich gut"-Seiten, der Auflistung meiner Gruppen etc alles ein wenig zu viel dafür, dass das alles auf die Hälfte meines Monitors zentriert wird. 

Ich hoffe echt inständig, dass sich da am Design zukünftig noch mal was tut. Na ja – sagen wir besser, ich würde das hoffen, wenn ich beabsichtigen würde, meinVZ generell viel nutzen zu wollen. Da komme ich dann zu einer anderen Sache, die ich noch loswerden will, die aber eigentlich weniger mit dem erfolgreichen Start der Apps zu tun hat, sondern eher mit dem Timing:

Man hat lange und viel geschimpft (teilweise zurecht) auf die überladenen Seiten der Konkurrenz mit ihren vielen teils unnützen Applikationen. Jetzt kommt man viel zu spät mit seiner Open Social-Lösung hervor gekrochen und muss zukünftig erst noch beweisen, ob die Qualität der Anwendungen wirklich ein anderes Level erreicht als das bei Facebook und Co der Fall ist. Jetzt gilt es, ein gesundes Mittelmaß zu finden zwischen dem eigenen Anspruch und den vielleicht bald aufbrandenden Forderungen der Nutzer nach weiteren Games und Erweiterungen. Man tanzt also gewissermaßen irgendwo zwischen dem eigenen Anspruch auf der einen Seite und dem viel zu späten Einlenken auf der anderen Seite.

Mir fehlt ehrlich gesagt ein wenig das Konzept, mit dem man Facebook Paroli bieten möchte. So schön ich den heutigen Launch und vor allen Dingen die Idee mit den Visitenkarten finde – mir persönlich scheint es so, als käme diese Attacke ein wenig zu spät. Zumal die absoluten Zeitfresser – die Games von Zynga, Popcap und dergleichen wohl bei den VZ-Netzwerken fürs Erste nicht zur Debatte stehen, und wenn ich das richtig einschätze, ist das für Millionen Facebook-Nutzer ein Hauptgrund, jeden Tag viel Zeit auf der Seite zu verbringen.

Bevor ich mich jetzt hier aber in den gewohnten VZ-Untergangsgeschichten verliere, beende ich den Artikel und bitte euch, selbst einmal dort vorbeizuschauen und mir mitzuteilen, was eure Meinung ist: Kann das VZ damit nochmal Boden gut machen? Brauchen wir eine solche Visitenkarte auch bei Facebook? Oder haben wir es hier nur mit den letzten Zuckungen der einstigen Erfolgs-Geschichte zu tun?

via heise

  • man muss auch unterscheiden zwischen Angemeldeten Accounts und aktiven Usern... der Unterschied ist gewaltig
  • zum einen das und zum anderen möchte ich nicht wissen, wie viele menschen da mit mehreren accounts unterwegs sind...
  • es sind mit scherheit keine 16 Millionen user, nicht mal annähernd.
  • 16 Millionen??? Bist du sicher, das 16 Millionen LEute bei VZ's sind??? Ich meine, wir haben gerade mal 80 Millionen einwohner in Deutschland, das scheint mir doch ein wenig unrealistisch...
  • StudiVZ klaut vieles von Facebook, die meisten Apps, die bei VZ rauskommen, sind seid ner WEile schon bei Facebook da gewesen. Allerdings muss ich sagen, dass bei VZ die Umsetzung meist besser ist.
  • Das kann ich so nicht unterschreiben - Brain Buddies ist eine 1:1-Umsetzung der Facebook-Version und Apps wie die vom Stern sind auf Facebook meines Erachtens wesentlich besser.
  • Wieso werden bei "Brain Buddies" automatisch mein(e) Vorname, Nachname, Profilbild und Freunde übergeben ohne, dass ich das mit meiner Visitenkarte ändern könnte?
  • oh, gute Frage - ich werde das auch mal ausprobieren. Wenn Du Recht hast, ist es ja so weit nicht her mit den Sicherheitseinstellungen...
  • reader
    Großartig geschrieben und sehr treffen... ich bin auch begeistert von der Einbindung der Apps, kann deine Kritik aber auch nachvollziehen.
    Ich glaube, da wird jetzt noch was kommen bei den VZlern. Man könnte fast meinen, jetzt kommt die Qualitätsoffensive wirklich, wie schon vom VZ-Chef vor ein paar Monaten angekündigt.
    Ich bin FB-Nutzer aber ehrlich gesagt sehr neugierig auf VZ geworden.
  • Timo
    Ich bin auch sehr positiv überrascht von den VZ Apps. Ich denke, dass kann den VZs helfen ihre Nutzer zu halten - noch dominieren sie ja eindeutig in Deutschland. Es mag zwar Kreise geben, in denen jeder Facebook benutzt, aber das sind nicht die gleichen 16 Millionen, die bei den VZs sind.
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