15 Dez, 2009
Tumult wegen Twitter im niedersächsischen Landtag
Posted by: Casi In: Microblogs| Politik
Wenn der Spiegel von einem Eklat im niedersächsischen Landtag spricht, ist das zweifellos richtig. Wenn als Begründung dafür im gleichen Artikel jedoch der Microblogging-Dienst Twitter genannt wird, sollte man das etwas differenzieren, denn letzten Endes war es nicht Twitter, sondern eine dort gemachte Äußerung der Anlass für die Tumulte, die sogar zur zeitweiligen Unterbrechung der Landtagssitzung führten.
Der Grünen-Abgeordnete Helge Limburg hat Schünemann via Twitter einen unerträglichen Hetzer genannt, was von Christian Dürr von der FDP während der Veranstaltung öffentlich gemacht wurde. Limburg verglich Schünemann mit dem österreichischen Rechtspopulisten Strache, was zu lautstarken Auseinandersetzungen führte, in deren Folge die Landtagssitzung für 45 Minuten unterbrochen wurde.
Was ist jetzt unter dem Strich die Rolle, die Twitter dabei spielt? Limburg hätte sein Statement ja auch vermutlich woanders so abgegeben, da er es nun mal in der Situation so empfunden hat. Der gefährliche Unterschied ist natürlich, dass es nicht nur der Sitznachbar hört, sondern direkt die ganze Welt. Da es auch in den Reihen der FDP genügend internetaffine Menschen gibt, brauchte man daher auch nicht darauf zu hoffen, dass so eine Bemerkung unter den Tisch fällt. Wie selbstverständlich wird eine so geäußerte Meinung noch in der gleichen Sitzung öffentlich gemacht und wird ein getaggter Name direkt in den richtigen Zusammenhang gebracht.
Ich find es cool, dass das Prinzip Twitter auch Politikern – oder zumindest einigen – mittlerweile in Fleisch und Blut übergeht. Ich bin mir nur noch nicht ganz sicher, ob sich jeder immer der Tragweite seines Tuns bzw Twitterns bewusst ist, und ob es den in den Sitzungen geführten Debatten zuträglich ist, dass man seine Follower auf dem Laufenden hält, statt sich selbst aktiv in die Diskussionen einzubringen. Wenn sich das auf einem vernünftigen Niveau einpendelt, könnte es sein, dass es ein durchaus sinnvolles Instrument werden könnte, da der Bürger wesentlich näher an der Politik sein könnte als bislang, aber genau wie in den Büros in Deutschland sollte auch in den Landtagen und im Bundestag natürlich nicht die Arbeit darunter leiden, dass man nebenher im Netz unterwegs ist.




