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21 Dez, 2009

Avatar: Die Wiederauferstehung von 3D – und der Filmindustrie?

Posted by: Casi In: Media

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 Ich gebe es zu: Ich habe mich von dem Hype um den aktuellen James Cameron-Film Avatar anstecken lassen und habe blind Karten für meine Freundin und mich bestellt, um mir dieses Spektakel in 3D anzuschauen, ohne auch nur irgendwas über die Story zu wissen.


Und gleich noch ein Geständnis: Ich bin von einer komplett anderen Geschichte ausgegangen. Bei dem Begriff "Avatar" hatte ich eigentlich erwartet, dass Menschen irgendwie matrix-mäßig in einer virtuellen Wirklichkeit unterwegs sind. Wer so gar nichts über die Storyline erfahren möchte, liest vielleicht besser nicht weiter – denke, dass eine Spoilerwarnung nur fair ist, denn für mich war auch deswegen, weil ich absolut nichts darüber wusste, der Film eine absolute Offenbarung.

Die Avatare sind keine virtuellen Geschöpfe, sondern real existierende Wesen, die eins zu eins den Eingeborenen des Planeten Pandora gleichen und die – durch Menschen gesteuert – dafür sorgen sollen, dass man Kontakt aufnehmen kann zu eben jenen Eingeborenen. Viel mehr Worte will und werde ich über die Story auch gar nicht verlieren, sondern möchte eher darüber sinnieren, wie ich die Überschrift des Artikels rechtfertige und wieso mich das Cameron-Werk so flasht. Es sind mehrere Komponenten, die den Film so besonders machen. Vorweg: Oscar-verdächtige Charakterdarsteller und eine glänzend ausformulierte Story sind es nicht unbedingt ;)

James Cameron befasst sich mit Avatar bzw Pandora schon seit 1994 – fünfzehn lange Jahre! In dieser Zeit, die er zwangsläufig verstreichen lassen musste, weil in seinem Qualitätsempfinden einfach früher keine Möglichkeit bestand, diese Welt auferstehen zu lassen, hat er ein so komplexes, durchdachtes und atemberaubend schönes Universum erschaffen. Er hat kein wildes Zukunfts-Szenario ersponnen, sondern lässt technisches Gerät, Waffen, Fahrzeuge der Menschen so aussehen, dass man es schon als selbstverständlich hinnimmt, dass uns dieses Gerätschaften in X Jahren zur Verfügung stehen werden. Einen dieser fantastischen Monitore oder Tablet-PCs hätte ich allerdings heute schon ganz gern ;)

Man fühlt sich also direkt zu Hause in dieser Technik und allein hier ist es schon unglaublich, mit wie viel Liebe zum Detail gearbeitet wurde. Aber so richtig wird euch die Spucke wegbleiben, wenn ihr Jake Sully bzw seinen Avatar bei seinen ersten Schritten auf Pandora begleitet, wenn er eintaucht in die fantastischen Wälder dieses Planeten. Ich will auch gar nicht zu sehr schwärmen von dieser Welt, aber ich behaupte mal ganz frech, dass es nie zuvor ein grafisch schöner aufbereitetes Universum gegeben hat, mit einer so unglaublichen Vielfalt an Tieren und Pflanzen. Die etwas öko-lastige Story brachte mich jedenfalls erstmals dazu, dass ich weniger ein Mensch, sondern lieber einer der Aliens sein wollte. Selbst in langen Jahren als treuer Akte-X-Zuschauer ist mir das vorher nicht untergekommen ;)

Auswirkungen auf die Filmindustrie

Wie bekomme ich jetzt den cleversten Übergang von dieser prachtvollen, künstlich erschaffenen Welt zurück zur 3D-Technik und den Auswirkungen auf die Filmindustrie? Michael Arrington drüben bei TechCrunch wirft die Frage auf, ob der Film für die Branche das sein könnte, was das iPhone für Mobiltelefone ist. Man kann vorab nicht absehen, ob ein Film erfolgreich wird, ob er gute oder schlechte Kritiken bekommt oder ob er gar ein Meilenstein für ein Genre werden kann. Aber bei diesem Werk kann ich zumindest die Hand dafür ins Feuer legen, dass die Kinowelt nach Avatar nicht mehr die selbe ist! Es wird in Zukunft viele bessere Stories geben und es gab auch schon viele bessere Stories, aber die Art und Weise ein Thema aufzubereiten, wie es James Cameron hier getan hat, sucht seinesgleichen. Er hat die Messlatte für computergenerierte Welten nicht einfach höher gelegt – er hat sie mit einer Rakete auf den Mond geschossen. 

Wir befinden uns in dem Film fast ständig in dieser künstlich erschaffenen Welt und ich bin mir 24 Stunden später immer noch nicht ganz sicher, ob das wirklich im Computer erschaffen wurde, oder ob Cameron einfach irgendwo wirklich diesen Planeten entdeckt hat und es uns nicht verrät. Das genau ist der springende Punkt und der Grund für meine Begeisterung: Die Effekte fressen nicht die Geschichte auf oder begraben die Darsteller unter sich. Die Effekte verschmelzen perfekt und – geht ins Kino und ihr werdet mir beipflichten – man denkt nicht eine Sekunde darüber nach, dass diese Welt nicht wirklich echt sein könnte.

Mit ein Grund für diesen Realismus liefert natürlich die neue Generation der 3D-Technologie. Schon bei Ice Age 3 war ich von dieser Technik begeistert, aber es ist ein himmelweiter Unterschied, mich in einer Comic- oder realen Welt wiederzufinden. Vergesst den kopfschmerz-erzeugenden 3D-Versuch der frühen Achtziger, in dem es auch gar nicht darum ging, wirklich eine Story zu erzählen. 3D möchte heute keine Technik-Demonstration sein, sondern liefert den Produzenten eine komplett andere Möglichkeit, ihre Geschichte zu erzählen. Und wir können sie auf eine ganz andere Art und Weise erleben. Aktuell werden auch in Deutschland immer mehr Kinos auf den letzten Stand dieser Technologie gebracht und schon jetzt kann man festhalten, dass 3D seinen Triumphmarsch antreten wird. Erst in Kinos und auch schon bald auf heimischen Geräten. Da diese Geräte aber sicher gerade anfangs nicht zu bezahlen sein werden und es einfach schade wäre, diese aktuelle Chance verstreichen zu lassen, bitte ich euch, euch diesen Film ebenfalls im Kino und in 3D anzuschauen.

Wieso die Industrie was davon hat, dass sie nun teurere Kameras und aufwendigere Effekte verwenden darf? Da sind wir wieder bei dem klassischen Thema der letzten Jahre: Die Raubkopien. Wer will denn eine verwackelte Kopie eines 3D-Films allen Ernstes zuhause auf dem Rechner anschauen? Großes Popcorn-Kino muss und wird zu einem Event werden. Neben Sound der Extraklasse gehören natürlich auch eindrucksvolle Bilder dazu, und wenn man diese Bilder nun einem Quantensprung gleich auf dem in Avatar gezeigten Niveau aufbereitet, hat man sicher nicht nur mir einen Grund geliefert, wieso man 12 Euro für eine Kinokarte investiert, statt auf die DVD zu warten.

Warten wir es ab, ob dieser von mir prognostizierte Höhenflug wirklich einsetzen wird, oder ob Avatar nur ein Strohfeuer ist, bevor wieder einmal die 3D-Technologie für ein, zwei Jahrzehnte begraben wird. Bevor ich euch nun bitte, mir in den Kommentaren die Frage zu beantworten, ob wir es hier eher mit Hype oder tatsächlich einer filmischen Revolution zu tun haben, lege ich Euch noch den lesenswerten Artikel von Alper ans Herz legen, der sich schon vor Monaten zum Thema geäußert hat.

Weiter lesenswert zum Thema: stern.de

  • Ich kann nur zustimmen. In jedem Punkt.. Wichtig vorallem für die Filmindustrie ist, wie du sagst, der Schritt gegen Raubkopie. Die müssen, wie James Cameron es vormacht, mehr bieten als 'normale' Filme, um erfolgreich gegen Raubkopie anzukaempfen. JC ist ein grossartiger Vordenker!
  • Danke für Deinen Kommentar und die Zustimmung :) Denke auch, dass er da als Vordenker nen sehr ordentlichen Job macht :)
  • Rai
    Gestern angesehen. Ein super Kinoerlebnis. Auch wenn die Story irgendwie im Ablauf vorhersehbar ist, hat der Film auch eine Message:Bewahrt unsere Natur, denn sonst schlägt sie eines Tages zurück.
    Das Kinoerlebnis funktioniert aber nur in 3D, eine andere Version (2D) bringts vermutlich nicht.
  • soeren1707
    Du hast doch bestimmt eine Reise nach Pandorra geschenkt bekommen für diesen "Werbe-Beitrag" oder ;) ???

    Spaß beiseite, ich habe schon von mehreren gehört das der Film spitze sein soll. Von daher werde ich wohl in der nächsten Woche, dem Kino mal einen Besuch abstatten.

    Ich wünsche euch Frohe Weihnachten und einen guten Rutsch.

    Gruß aus Bremerhaven

    Sören !
  • Reise nach Pandora? schön wärs ;) Alles, was es für diesen Artikel gab, war eine Ganzkörper-Tätowierung in Blau ;)
    Aber ohne Scheiß, ich habe ja durchaus kritisiert, dass sowohl Story als auch schauspielerische Leistung nicht gerade in Oscar-Nähe liegt, aber für die Effekte und die Umsetzung der 3D-Darstellung verneige ich mich in Ehrfurcht ;)

    Dir und Rabea auch schöne Feiertage und nen guten Rutsch :)
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