Ich mag diese Vergleiche zwischen den VZ-Netzwerken und Facebook. Vermutlich bin ich selbst da nicht immer hundertprozentig fair, denn meine Sympathien sind ja sehr deutlich verteilt wie ihr wisst. Egal, ob es um Nutzerzahlen, Features, Unterstützung von third parties oder was auch immer geht – an Facebook kommt die deutsche Kopie nicht annähernd ran. Die letzte Domäne – die Userzahlen in Deutschland (und da auch nur in Summe meinVZ+studiVZ+schuelerVZ) – wird vielleicht schon dieses Jahr fallen und in allen anderen Punkten kann man schon seit Jahren nicht mehr mithalten.
Gebetsmühlenartig versuche ich fast täglich, meinen lieben Arbeitskollegen und anderen Bekannten die Unterschiede aufzuzeigen und komme mir manchmal ein wenig vor wie Don Quijote, der gegen Windmühlen kämpft. Woran das liegt? Gute Frage…Fehlendes Standing? Vielleicht. Fehlende Argumente? Sicher nicht…
Manchmal gibt es kleine Lichtblicke und man kann es seinem Gegenüber förmlich ansehen, wie Pfennig für Pfennig der Groschen fällt und meistens sind es hier die ganz einfachen Dinge, die die Jungs und Mädels in meiner Firma überzeugen.
Man muss natürlich auch zugeben, dass es schwieriger ist, sich auf Facebook zurecht zu finden. Das ist wenig verwunderlich, oder findet ihr es vielleicht ungewöhnlich, dass man einen Airbus nicht so leicht beherrscht wie ein Fahrrad? Daher freue ich mich über die einfachen und kleinen Änderungen bei Facebook. Es muss nicht immer ein komplett neues Design oder ein Relaunch einer Plattform sein. Viel sinniger finde ich – und Facebook ist in dieser Disziplin Meister – an einem Konzept zu feilen, erfolgreiche Dinge zu verbessern, nicht so erfolgreiche Dinge auch schon mal zu korrigieren oder zu entfernen und so Schritt für Schritt zu einem besseren Produkt – in diesem Fall ein Social Network – zu kommen.
Warum ich all das erzähle, was ihr vermutlich eh schon lange wisst? Weil es ein solch kleines und neues Feature gibt, dass ich euch nicht verheimlichen möchte: Facebook ermöglicht es uns seit heute, auf Facebook-Kommentare per E-Mail zu reagieren. Das ist keine Sensation, nichts grundsätzlich Bewegendes und doch freut mich dieser Schritt.
Dazu vergleiche ich jetzt mal die Vorgehensweisen der beiden Plattformen. Wenn mir jemand bei meinVZ an meine Pinnwand schreibt oder mir eine private Nachricht schickt, bekomme ich eine E-Mail, die dann ca. so aussieht:

Ich klicke also auf den schnuckeligen Link, logge mich ein (oder habe das Glück, bereits eingeloggt zu sein) und befinde mich dann auf meiner Startseite. Dort finde ich ein paar Buschfunk-Meldungen, mein eigenes Status-Fenster und noch so einigen anderen Kram, der so gar nichts mit meinem neuen Pinnwand-Eintrag zu tun hat. Also klicke ich auf "meine Seite" und schaue halt nach, was man mir dort hinterlassen hat – selbst ist der Mann!
Geschieht das Gleiche bei Facebook, bekomme ich natürlich ebenfalls eine E-Mail. Allerdings mit dem unschätzbaren Vorteil, dass darin nicht nur der Name des Absenders bzw des schreibenden Facebook-Freundes (wisst ihr das eigentlich zu schätzen, dass ich hier noch so fleißig den Genitiv verwende? *g*) erwähnt wird, sondern auch gleich die Nachricht zu lesen ist. Dass mich der angegebene Link nicht zu einer meilenweit entfernten Seite führt, sondern direkt dorthin, wo mir der Eintrag hinterlassen wurde, ist eigentlich selbstverständlich, oder?
Also bereits ohne das neue E-Mail-reply-Feature eine um Längen bessere Handhabung als bei den VZ Netzwerken. Wenn ich nun diese E-Mail beantworte, erscheint der Beitrag umgehend dort, wo die Reaktion hingehört – im Bild sieht das dann so aus:

Ich hoffe, Dieter verzeiht mir, dass ich ihn für dieses Beispiel hier missbrauche ;) Ich schreibe jetzt – im nächsten Bild – meine Antwort per Mail:

Et voilà:

Wenn ich das jetzt betrachte (sowohl von der Usability als auch vom Design) und mir dann vor Augen führe, wie ich wohl auf meinVZ meine Replies fabriziere und was ein Dritter machen muss, um diesen Dialog nachvollziehen zu können, wird mir doch noch mal ein klein wenig klarer, wieso ich meine Zeit hauptsächlich bei Facebook verbringe und nicht bei der Holtzbrinck-Konkurrenz :)
Wie gesagt – wir sind hier nicht Zeitzeuge der Neuerfindung des Rades( posterous und disqus bieten das ja schon länger), aber es sind die kleinen Dinge, die oft den Unterschied ausmachen.




