zweipunktnull.org

17 Jan, 2010

Farmville und Co: Zynga und das Elend der Welt

Posted by: Casi In: Social Games| Social Networks| e-commerce

Share

zyngaWenn in einem Techblog über Katastrophen berichtet wird – dieses Blog hier eingeschlossen – dann hat das meistens damit zu tun, dass Twitter zuerst die Information verbreitet hat oder bei Facebook darüber diskutiert wird, irgendwas in dieser Art. Mittlerweile aber habe ich auch aus anderen Gründen einen besonderen Blick auf die Dinge, wie sie sich derzeit auf Haiti abspielen. 

Einer dieser Gründe lautet Charity. Das Internet hat in den vergangenen Jahren viele Bereiche des Lebens erobert, die sonst selbstverständlich offline abgewickelt wurden. Höchste Zeit also, dass auch Spendenaktionen nicht nur großen TV-Shows vorbehalten bleiben. Auf Basic Thinking hat Kollege Marek einen sehr ausführlichen, umfassenden Überblick abgeliefert, wie das "Web 2.0" mit dem Elend auf Haiti umgeht.

Ich picke mir hier jetzt eine Facette heraus, die mich schon seit einiger Zeit besonders beschäftigt – und unter dem Blickpunkt Charity aktuell weiter an Relevanz zugelegt hat: Das Verkaufen von virtuellen Gütern.

Aktuell unterhalte ich mich viel mit Freunden und Arbeitskollegen über dieses Thema und meistens möchte man von mir wissen, wer denn allen Ernstes Geld dafür ausgibt, dass er ein kleines Bildchen bei Facebook verschenken kann oder einen bestimmten Fisch bei Fishville erhält. Meine Antwort darauf: Es sind genau die gleichen Menschen, die vor 3 oder 4 Jahren MP3s gekauft haben und sich der Rest der Welt dagegen gesträubt hat, weil das haptische Erlebnis einer CD oder Vinyl fehlt.

Ich werfe gerne Blicke in die Zukunft – weil ich mir zum einen viele Gedanken mache, wie sich bestimmte Dinge entwickeln und weil mich zum anderen vermutlich niemand drauf festnageln wird, wenn ich vor fünf oder zehn Jahren eine bestimmte Entwicklung prognostiziert habe ;)

Vermutlich muss ich gar nicht so weit schauen – vielleicht zwei oder drei Jahre – und es wird selbstverständlich sein, dass man seiner Angebeteten ein besonderes virtuelles Gut schenkt statt Blumen. Es wird die Offline-Geschenke – zum Glück – nicht ersetzen, aber die Palette der Möglichkeiten erweitern. Das bringt mich dann jetzt wieder zurück in die Gegenwart und das furchtbare Erdbeben-Debakel, welches gerade Haiti in größtes Elend stürzt. Es passieren weltweit so viele Charity-Geschichten diesbezüglich und ich hoffe, dass jeder im Rahmen seiner Möglichkeiten hilft. Relativ neu ist die Idee, mithilfe von virtual goods etwas für die Erdbeben-Opfer oder sonstige Bedürftige zu unternehmen und der Social Games-Gigant Zynga übernimmt hier eine Vorreiterrolle. 

Man hat unlängst verkündet, auf diese Weise (man hat "Sweet Seeds" bei Farmville offeriert) über eine Million Dollar an Spendengeldern zusammenbekommen zu haben. Das ist aller Ehren (Ähren? *g*) wert und wird fortgesetzt durch den frisch initiierten Haiti Relief Fund, der den Gedanken noch konsequenter fortsetzt. Im Gegensatz zu der letzten Aktion werden nun nämlich nicht "nur" fünfzig Prozent der Erlöse gespendet, sondern die gesamten Einnahmen!

Spielt ihr also Farmville, Mafia Wars oder Zynga Poker, gibt es bestimmte Goods, die ihr für einen begrenzten Zeitraum erwerben könnt und die euch im Spiel weiter bringen und deren Erlöse logischerweise den Erdbeben-Opfern zugute kommen.

zyngahaiti

Man macht den geneigten Farmville-Spielern das Spenden wirklich schmackhaft, denn man bekommt besonders viel XP für das "white corn" und es kann auch nicht vertrocknen im Gegensatz zu dem üblichen Schicksal, welches denjenigen erwartet, der nicht rechtzeitig erntet. Ich möchte wetten, dass da entschieden mehr an Spenden zusammen kommen als bei der letzten Zynga-Aktion.

Neben den oben genannten Spielen von Zynga kann man auch bei Fishville aktiv werden, in dem man sich einen eigens dafür kreierten Fisch anschafft:

zyngahaiti3

Allen Spielen gemein  ist, dass man nicht "nur" spendet, sondern von Zynga für sein Engagement belohnt wird. Vermutlich wird sich niemand aus diesen Gründen für eines der Games anmelden, aber wenn man im Hinterkopf behält, dass Zynga täglich über 40 Millionen Spieler verzeichnet, kann man zumindest erahnen, wie viele Menschen man auf diese Weise erreicht, die unter anderen Umständen vielleicht niemals für die Katastrophen-Opfer gespendet hätten.

Man kann diesen Spielen gegenüber stehen wie man will – aber es lässt sich nicht von der Hand weisen, dass wir es mit einem riesigen Markt zu tun haben und einer großartigen Chance, Gelder für gute Zwecke zusammenzutragen.

blog comments powered by Disqus

Follow me

Follow Me!

Facebook

zweipunktnull on Facebook

Google Friend Connect