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16 Feb, 2010

Warner: Das Ende vom Lied!?

Posted by: Casi In: Musik

warnerWie polemisch geht  man an so einen Artikel ran? Fragt man nach Gemeinsamkeiten zwischen der Musikindustrie und der Titanic? Holt man die pauschale Kritik-Keule raus und drischt auf alles ein, was mit Musik Geld verdient? Vielleicht besser nicht…

Das hat zwei Gründe: Einmal komme ich mir hier eh schon vor wie bei einem Kampf gegen Windmühlen und zum anderen kann man nicht die ganze Industrie über einen Kamm scheren. Fakt ist, dass mir viele kleine Labels und Acts wahnsinnig leid tun, weil sie mit ihrer Kunst nicht annähernd das verdienen, was ihnen zusteht. Andererseits denke ich aber auch, dass man das Rad der Geschichte nicht beliebig zurückdrehen kann und daher Umdenken gefordert ist.

Wieso ich das hier wieder aufgreife? Warner – eines der vier Musik-Schwergewichte dieses Planeten – hatte wieder mal eine blendende Idee. Man lässt verlauten, dass die kostenlosen Streaming-Dienste wie last.fm und spotify "nicht gut sind für die Branche". Da hat er natürlich recht, der gute Warner-CEO Edgar Bronfman Jr. Schließlich sind Autos auch nicht gut für die Hufschmied-Branche.

Die oben genannten Dienste sind zarte Knospen, die sicher keine endgültige Lösung für das Problem einbrechender Absatzmärkte darstellen, die aber einen Weg aufzeigen, die Richtung vorgeben. Jeder dieser Dienste, jeder Musiker mit Visionen und jedes Label mit neuen Ideen tut mehr für die Musik als Warner und die anderen Big Player.

Aber auf diese zarten Knospen kann und muss man aufbauen. Ein Label, welches gewaltige Summen einsetzt, um einen Hype um einen neuen Act zu erzeugen, gefolgt von den obligatorischen drei Single-Auskopplungen aus dem ersten Album, muss der Vergangenheit angehören. Wo steht eigentlich geschrieben, dass man mit einem Hit finanziell ausgesorgt haben muss und dass man hochdotierte Millionenverträge erhalten muss, nur weil man ein mehr oder weniger talentierter Musiker ist.

Machen wir uns nichts vor: Gute Musiker gab es schon immer und wird es immer geben und auch in Zukunft werden keine Verkaufszahlen Indikator dafür sein, ob wir es mit qualitativ guter oder schlechter Musik zu tun haben.

Ich muss zugeben, dass ich Musik mehr konsumiere als deren Vertriebswege und Mechanismen zu analysieren, daher fehlt mir eventuell der Ein-/ Durchblick, wie ein Label arbeitet, wie und mit welchem Aufwand Gewinne generiert werden. Daher verzeiht mir vielleicht meine etwas verklärte und vielleicht auch primitive Sicht der Dinge – aber ich verstehe einfach nicht, wieso zukünftig Warner, Sony und Co einen Markt beherrschen sollen, auf dem sie nicht gebraucht werden.

Wenn ich Musik mache – nebenbei und zum Spaß – dann habe ich doch heute unendlich mehr Möglichkeiten, Menschen zu erreichen. Vor 20 Jahren hätte ich Demo-Tapes rumgereicht, in den Clubs meiner Stadt angefragt, ob ich für ein Essen und ein paar Bier als Gage auftreten darf und vielleicht habe ich noch Flyer ausgelegt. Heute kann ich – zu dem eben genannten – allein auf Facebook theoretisch 400 Millionen Menschen erreichen. 5000 von denen reichen, um mich in den deutschen Verkaufs-Charts in die Top Ten zu katapultieren. Nicht von ungefähr schießen unzählige Gruppen bei Facebook aus dem Boden, die nach dem Vorbild der "Rage against the machine"-Aktion einen bestimmten Song pushen wollen.

Wenn ich also Musik mache, habe ich die Möglichkeit, es wegen der Kohle oder nur wegen der Musik zu machen. Letzteres funktioniert genau so wie früher und wenn ich Glück habe, kann ich auch heute ein gutes Geld damit verdienen. Geht es mir um Ersteres, muss ich die Möglichkeiten nutzen, die mir zur Verfügung stehen. Das müssen eben keine unverschämt teuren Werbespots im TV sein, sondern kann nahezu kostenlos über die Bühne gehen. Es gibt viele Möglichkeiten, seine Songs per Download an den Mann zu bringen und es gibt noch viel mehr Möglichkeiten, sie zu promoten. Führt ansprechende Profile bei MySpace (immer noch höchst relevant für Musik) und Facebook, twittert, vernetzt Euch mit Menschen, die Eure Art Musik mögen.

Heute ist es noch so, dass irgendwann ein großes Label aufmerksam werden kann auf einen Act, der aus eigenem Antrieb einen großen Hype im Netz auslöst. Ich würde mir wünschen, dass man dieses große Label gar nicht benötigt. Vielleicht braucht man ab einem gewissen Erfolg tatsächlich einen cleveren Kopf, der das Management übernimmt. Was man sicher nicht braucht, ist der Wasserkopf eines großen und schwerfälligen Labels, welcher gewaltige Summen verbrennt, die absolut Null mit meiner Musik zu tun haben. Ich finde es legitim, wenn eine erfolgreiche Band Geld erwirtschaftet, welches vom Label genutzt wird, um kleinere Acts aufzubauen, aber ich sehe es nicht ein, dass aus diesen Einnahmen billige Dance-Combos und Casting-Schnuckis gepusht werden sollen.

Also träume ich weiterhin von innovativen, kleinen Labels, die mit einer gewissen Leidenschaft und einer großen Portion Idealismus an die Arbeit gehen und von Musikern, die sich über kommerziellen Erfolg gegebenenfalls freuen, ihn aber nicht voraussetzen. Wie gesagt – aus einem cyber-romantischen Blickwinkel betrachtet und vermutlich wenig wirtschaftlich fundiert, aber man wird ja noch träumen dürfen von Zeiten, in denen nicht Warner, Sony, EMI und Universal bestimmen, was wir hören sollen.

  • Medlock

    Okay wir Musiker haben jetzt zwar Möglichkeiten, Du vergisst aber das nun ALLE diese auch nutzen (können). Die Folge ist massiver Spam, man kommt infolge dessen kaum noch zum richtigen Ansprechpartner “durch”.

    Ein MySpace-Profil bringt ehrlichgesagt GAR NICHTS (mehr). Wir erhalten z.B. zwar ständig Freundschaftsanfragen, allerdings nicht von Konsumenten sondern nur von anderen Musikern. Die finden uns und unsere Musik weder toll, noch wollen sie was mit uns zusammen machen. Die wollen nur in unser Gästebuch spammen und sonst nichts.

    Was bringt uns MySpace noch, wenn dort kaum noch Hörer abhängen und nur noch Bands? Die Hörer verziehen sich langsam aber sicher zu Facebook. Nicht weil es dort bessere Musik gibt, sondern weil dort alle Freunde sind.

    Wir sind übrigens nur Studiomusiker, können also weder als DJ noch als Band durchs Land touren und Geld durch Konzerte einsammeln. Demzufolge fällt das Verschenken von Musik weg, denn es ist unsere einzige (winzige) Einnahmequelle.

    Selbst als Idealist kommt man sich irgendwann verarscht vor. Ich habe z.B. gerade neue Monitorboxen für 500 Euro gekaut und überlege gerade ob ich die Kosten dafür in 2010 noch reinbekomme durch meine Musik ;)

  • http://www.facebook.com/mobo7 Stefan Müller

    Stimme Dir da zu 100% zu. Die Grossen Labels möchten am liebsten, dass alles so bleibt wie es einmal war. Aber die Zeiten haben sich nunmal geändert.

    Das es auch anders geht beweisen aber zum Glück immer mehr Bands.
    Als Beispiel möchte ich meine Lieblingsband “Northern Lite” aus Erfurt nennen.
    Die machen genau die Musik, die sie machen wollen. Sie produzieren sie mit dem eigenen Label, was ihnen 100% künstlerische Freiheit gewährt.
    Sicher bedeutet es eine Menge Arbeit: Vom Planen der Konzerttour über Marketing + Vertrieb bishin zur Fanarbeit auf Social Networks.
    Und dabei verdienen sie eben nicht die Millionen, die es der Mythos des Rockstars uns weiss machen will. Aber auf der anderen Seite gewinnen sie Freiheit, genau die Musik machen zu können, die sie wollen und somit die Vermarktung eines Produktes, hinter denen sie zu 100% stehen können. Den Ausflug zu einem Major-Label beim vorletzten ALbum haben sie ganz schnell wieder beendet. Sie hatten halt keine Lust auf Media-Markt-autogrammstunden etc.
    Ich denke solche Beispiele werden schule machen und Riesenlabels an Bedeutung verlieren. Zu Hoffen wäre es jedenfalls.

  • http://www.zweipunktnull.org Casi

    stimmt – Northern Lite sind ein schönes Beispiel dafür :) Andreas Kubat antwortet stets auf E-Mails, interagiert mit seinen Facebook-Freunden usw – etwas, was leider noch nicht selbstverständlich ist…

  • http://www.zweipunktnull.org Casi

    Stimmt, Du sprichst da natürlich einen wichtigen Punkt an. Alle können diese Netzwerke nun nutzen. Als Band muss ich mich daher absetzen von der Masse – egal, ob durch meine Musik oder durch die Art und Weise, wie ich die Menschen erreiche… der von Dir angesprochene Spam sollte echt das letzte Mittel sein, zu dem man greift.
    Du als Studiomusiker befindest Dich leider genau in der Nische, in der man mit den ganzen schönen Argumenten von Touren über exklusive, mehrwertige CD-Boxen nicht viel anfangen kann.
    Ist es denn Dein Job oder Dein Hobby? Definier mir mal “Studiomusiker” – spielst Du lediglich im Studio Deine Musik, oder spielst Du für andere Musiker oder Sänger Tracks ein?

  • Medlock

    Richtig, man muss sich jetzt noch mehr von “anderen” unterscheiden. Ein “ansprechendes Profil bei MySpace” und hochqualitative Tracks reichen dazu aber nicht mehr. Man muss dem Konsumenten sprichwörtlich ins Gesicht springen damit er einen noch wahrnimmt ;)

    Selbst der Spam bringt nicht mehr viel, da wiegesagt eben die Leute die Scheuklappen dichtgemacht haben da es zuviel wurde. Viele Bands akzeptieren daher andere Bands bei MySpace gar nicht erst mehr (lässt sich in den Optionen dort so einstellen).

    Studiomusiker: Wir produzieren eigene Tracks im Dance-Bereich und vertreiben diese digital (iTunes, Musicload, Beatport usw.). Ein “richtiges” Label gibt es nicht, nur ein sog. Netlabel.

    Ich denke mal mit CD-Boxen und limited Editions hat man sowieso nur Chancen bei einer vorhandenen Fanbase.

    Wir stellen aktuell unsere Musik auf etwas Kommerzielles um mit dem Hintergrund, dass uns ev. mal Discotheken als DJs buchen. Wir sind zwar keine DJs, aber heutzutage braucht man ja nicht mehr als einen Laptop und MP3s.

    Es ist immer noch ein Hobby, wenn auch gewerblich. Geld kommt nur durch den Daytime-Job rein sowie das wir für andere Musiker Sounds erstellen. Das deckt aber nur die Kosten und man kann es auch nicht mehr sonderlich ausbauen (auch hier wird illegal runtergeladen).

    Remixe für andere anfertigen bringt derzeit 150 – 250 Euro… das ist eher eine Beleidigung als eine Entlohnung ;)

    Wir können also aktuell nur auf einen “Hit” hinarbeiten, welcher uns ev. DJ-Bookings, ev. mehr Download-Umsätze und ev. das Signing bei einem Major bringt. Alles eventuell, trotz “Hit” ;)

    PS: Northern Lite hab ich vor Jahren mal hier in der Stadt live gesehen… da waren wir glaub 15 zahlende Gäste ;) Der Ehrgeiz zahlt sich jetzt langsam aus… das aktuelle “Fame” läuft sogar im Radio, wenn auch auf einem Indie-Sender.

  • Chräcker

    Ich bin auch, wie viele, absoluter Laie und kann deswegen nur unbedarften Müll reden, man möge mich dann darauf aufmerksam machen bitte.

    Für mich liegt das Problem nicht zwingend an den großen Labels oder an kleine Labels, oder weil nun alle neues versuchen könnten und die social-Netzwerke bestürmen etc..

    Für mich liegt es einfach daran, das neben den vielen Leuten, die Geld für Musik zahlen wollen es viele gibt, die dies einfach nicht wollen. Sie aber haben möchten.

    Ich zahle zur Zeit etwa 10 Euro für eine Album ähnliche Zusammenstellung von mp3-Dateien. Das zahle ich heute, und manches versickert, bis es beim Künstler ist. Wenn es die Labels nicht mehr gibt und ich über “wer weiß welchen Kanal” meine Musik ordere, zahle ich das selbe.

    Ich werde nicht weniger Musik ordern, wenn es die großen Labels nicht mehr gäbe. Würde ja auch nicht weniger Musik hören. Wenn nun alles “so wären”, dann würde sich doch nichts ändern. Genauso viele Musikkonsumenten zahlen genauso viel Geld wie früher und konsumieren in der Summe genauso viel Musik und es würde genauso viel vom Markt Musik “verlangt” und damit Musikschaffende benötigt wie seit Jahr und Tag.

    Der einzige Unterschied wäre, das mehr Geld beim Musiker ankäme.

    Wenn also jetzt aber Musiker weniger verdienen, kann das doch nur daran liegen, das weniger Leute bereits sind, Geld zu zahlen. Und das hat nichts mit Mißmanagment der Labels zu tun. Das liegt einfach am Konsumenten, der nur gerne das eigene moralische Versagen auf jemanden abwälzten möchte.

    Aber es war immer möglich, für Musik Geld aus zu geben. Das wurde einem nie verboten und wird heute ja auch einem immer leichter mittlerweile. Bandseite ansurfen, paypal-Knöpfle drücken, Dateien saugen und alle wären zufrieden. Oder notfalls eben heute noch über einen der größere Vertreibsseiten.

  • http://www.zweipunktnull.org Casi

    Tja, durch P2P ist die Masse der Internetnutzer in der Lage, jeden gewünschten Content kostenlos “irgendwo” aufzutreiben. Jahrelang hat man das eher als Kavaliersdelikt betrachtet, viele Musikschaffende damit an den Rande des Ruins getrieben und jetzt tut man sich natürlich schwer damit, plötzlich für etwas zu bezahlen, was es ja auch scheinbar kostenlos gibt. Gefährliche Entwicklung, aber ich glaube, dass in den letzten ein, zwei Jahren doch ein klarer Trend in die andere Richtung sichtbar wird: Man hat sich an legale Download-Portale gewöhnt, die Zahlen entwickeln sich richtig gut (wenngleich sie den Einbruch bei den physikalischen Tonträgern noch längst nicht kompensieren kann), dazu kommen zahlreiche Streaming-Angebote, also Möglichkeiten, auch weiterhin kostenlos oder gegen eine kleine Pauschale Musik zu hören. Das ist sicher alles noch nicht perfekt aufeinander abgestimmt, aber das ist halt gerade das große Thema, diesen neuen Weg zu finden und ihn dann zu beschreiten. Das ist sicher eine mehr als schwierige Aufgabe für Künstler und Industrie, aber keine unmögliche. Ich glaube, wenn unter dem Strich dann die attraktiven Angebote da sind, wird sich auch die Mentalität der Hörer wieder in die richtige Richtung bewegen – zumindest hoffe ich das :)

  • http://www.zweipunktnull.org Casi

    danke für Deine ausführliche und aufschlussreiche Auskunft :)
    Ich denke, ich kann Deine/Eure Probleme erkennen, gleichzeitig aber muss ich wieder an meinen Hufschmied aus meinem Beitrag denken. Der arme Kerl kann auch nichts dafür, dass plötzlich alle Auto fahren, denn er bietet die gleiche gute Qualität an wie vorher auch, nur ist der Markt ein anderer geworden. Vermutlich ist es mit Musikern ähnlich – man kann entweder schlicht und ergreifend Glück haben (und als Musiker entdeckt und gesignt zu werden ist meiner Meinung nach mehr eine Frage von Glück denn eine Frage des Könnens), oder man muss akzeptieren, dass man ein eventuell sogar kostspieliges Hobby betreibt. Wenn ich Hobby-Angler bin, kann ich ja auch nicht verlangen, dass man mehr Fische in den Teich kippt, damit sich durch die Ausbeute die teure Angel-Ausrüstung rechnet. Der Vergleich hinkt evtl ein klein wenig, aber ich denke, Du weißt worauf ich damit hinaus will :)

  • Medlock

    Das mit dem Hufschmied und Auto hinkt aber gewaltig ;)

    Das Auto ist ja nur eine andere Form der Fortbewegung, deswegen werden trotzdem noch viele mit dem Pferd reiten (wenn auch weniger als vorher).

    Ein realer Vergleich wäre: Dem Hufschmied werden die Eisen geklaut und er muss sich nun anderweitig finanzieren. Er produziert also weiterhin ständig super Hufeisen, aber der Großteil der Leute klaut sie einfach. Jetzt kann er sich natürlich etwas “einfallen” lassen (Schutz/Querfinanzierung) oder eben einfach die Branche wechseln. Aus BWL-Sicht wäre wohl die letztere Variante die logischere.

    Es spielt auch keine Rolle ob es nun bei uns ein Hobby ist oder nicht, die Situation wäre ja die gleiche (nur das man bei einem Hobby nicht existenzgefährdet ist). Auch verstehe ich nicht, warum ich als “Hobby-Musiker” (eher Semi) nicht viel erwarten darf ;)

    Selbst erfreuliche Meldungen wie “die digitalen Downloads steigen” sind für den Musiker nicht unbedingt der Brüller. Wenn Du 2000 Downloads (das ist übrigens viel!) hast und Dir das Label nur 10 Cent/Download zahlt, dann kannst Du Dir ja ausrechnen was dabei für immense Summen rumkommen ;)

    Meisten bekommt man aber gar nichts raus, da das Label noch irgendwelche Kosten dem Künstler aufbrummt usw.

    Fazit: Ohne Majors/Indies mehr Freiheit und Umsatz, allerdings muss man sicher selber vermarkten und das können viele Musiker nunmal nicht.

  • Chris

    “aber man wird ja noch träumen dürfen von Zeiten, in denen nicht Warner, Sony, EMI und Universal bestimmen, was wir hören sollen.”

    Tun sie das? Oder treffen diese nur den Geschmack der Hörer?
    Junge wach auf, wir leben in einer Gesellschaft in der Kapitalismus die Oberhand hat. Aber wer Träume hat, der wird auch davon Leben können ^^. Du prangerst in deinen Texten ständig Dinge an, die nunmal in unserem Land mit ins Bild gehören. Wenn Dir das nicht passt, dann zieh weg in ein Land welches Deinen traumhaften Vorstellungen eher entspricht. Werde Bauer, pflanze nur an, was Du zum Leben brauchst und lebe mit deinen Nutztieren in einem Zimmer.

    Kann es sein, das Du im Leben einmal zu oft falsch abgebogen bist, Dir jetzt keinen McLaren SLR leisten kannst und jetzt alles auf die ach doch so böse Wirtschaft abschiebst?

    Buhuhuhuhuhu böse böse Welt!!!
    Chris

  • http://www.zweipunktnull.org Casi

    Bist Du der gleiche Chris, der mir schon an anderer Stelle auf diesem Blog die Welt erklärt? Klingt zumindest so – scheinst Dich demnach ja langsam hier einzuleben :)
    Ich fühl mich wohl in diesem Land und vermutlich bist Du auch der Einzige, der in einem Posting über die Musikindustrie meinen latenten Hass auf mein eigenes Land erkennen kann.
    Auf den “Werde Bauer…”-Quatsch werde ich sicherheitshalber mal nicht eingehen, würde nur unendliche Trollereien nach sich ziehen. Mir geht es – um auf eine sachliche Ebene zurückzukommen – darum, dass die riesigen Wasserköpfe, die bei den genannten Labels durchgefüttert werden, schlicht und ergreifend überflüssig sind. Wenn ich meinen Song zu Hause aufnehmen kann, ihn ebenfalls von zu Hause via Internet vertreiben kann und dazu nicht einmal einen einzigen Cent für physikalische Tonträger investieren muss, kann man dadurch doch durchaus ableiten, dass sich die Musiklandschaft in seiner Struktur verändert. Hat nichts mit böser Welt und fehlendem McLaren zu tun :)

  • Chris

    Ja, ich bin der gleiche Chris. Ich versuch Dir nicht die Welt zu erklären, das hätte kaum einen Sinn. Aber mir fällt in deinen Texten oft auf, das Du Dinge in einer sagen wir mal vorsichtig, sehr weinerlichen Art kritisierst. Das meine ich nicht unbedingt böse, nur damit wir uns nicht falsch verstehen.

    Aber was juckt es Dich ob da nunmal Leute sitzen in unserer Gesellschaft die Milliarden verdienen und sich mehr oder weniger durchfüttern lassen? Du kannst weder etwas dagegen tun, noch kannst Du es in Zukunft ändern. Das liegt nicht unbedingt an Dir, das sei einmal richtig gestellt. Du kannst die Menschen nicht wach rütteln, weil sie schon viel zu lange durch ihr Leben schlafen.

    Ich war einmal nicht viel anders als Du. Heute nehm ich mir das Geld was die Menschen in ihrem Wahn, alles besitzen zu müssen ausgeben. Ich bin studierter BWLer und auch Informatiker. Zu meiner Studienzeit hätte ich Dir wahrscheinlich in jeder Hinsicht recht gegeben, deshalb kann ich dich auch in gewisser Form verstehen. Aber Du wirst mit deinen Vorstößen kaum auch nur die Menschen ansprechen die dafür Verantwortlich sind, das Kapitalisten das bekommen was sie wollen, -> den Konsumenten.

    Um das ganze Beispiel mal in deinen Bereich “Musiklabels” zu bringen… Es gibt psychologische Recherchen die nur darauf aus sind, den Konsumenten zu durchleuchten um am Ende zu verstehen, wann gibt dieser noch mehr Geld für allen möglichen nutzlosen Müll aus. “Disney” zb, ist da ziemlich stark an der Front. Meine Nichten sind was “Hanna Montana” angeht absolut blind… sie müssen jedes Stück haben das es gibt, auch wenn es am Ende nur herum liegt. Dahinter stecken Millionen an Forschung.

    Bitte versteh mich nicht falsch, wenn ich Dir das mit dem Bauern so an den Kopf geworfen hatte, aber das ist bei uns im Kreis ein Spruch den wir jenen sagen, die sich über etwas beschweren, anstatt sich mit den Vorteilen eines Systems zu beschäftigen. Er bedeutet eigentlich lediglich –> Wenn dir unsere Gesellschaft nicht passt, such Dir eine andere…

    Und zu der Sache warum ich noch da bin, wenn jemand den Anstand besitzt mir zu Antworten, dann lese ich es mir durch und Antworte bei Bedarf auch sehr gerne.

    Chris

  • http://www.zweipunktnull.org Casi

    Danke für diese ausführliche Antwort – war irgendwie die ganze Zeit fast sicher, dass wir uns auch über dem Niveau irgendwelcher Flame wars unterhalten könnten ;)
    Ich komme mir eigentlich nicht weinerlich vor, werde das aber Mal im Auge behalten. Es geht auch nicht darum, hier rum zu jammern oder die Welt auf den Kopf zu stellen. Viel mehr geht es mir gerade aktuell darum, wie sehr sich die Welt um uns herum durch das Internet verändert. Egal wie groß und egal wie kapitalistisch – jedes Unternehmen muss sich heute damit auseinandersetzen, dass sich die Spielregeln in den letzten Jahren so dramatisch verändert haben wie noch nie zuvor in der Menschheits-Geschichte. Überleben kann das nur, wer sich rechtzeitig darauf einstellen kann. Ich versuche, diese Trends zu beobachten und – mit meiner Meinung versehen – weiterzugeben. Manchmal ist es viel profaner und ich erkläre nur, wie man im Internet am besten von A nach B kommt, oder C besser bedienen kann. Diesen ganz globalen ich-mach-die-Welt-besser-Ansatz verfolge ich dabei sicher nicht, glaub mal ;)
    Und was das “Beschweren” angeht: Klar spreche ich die Dinge an, die ich beknackt finde – wäre ja auch blöd, alles schön zu reden. Dann hätte ich mein Thema hier wohl ziemlich verfehlt.
    Gerade beim Thema Musik nehm ich mir aber raus, die Dinge in der Theorie so durchzuspielen, wie ich sie gerne hätte bzw wie sie meiner Meinung nach im günstigsten Falle ausgehen könnten. Manchmal mag das wie der Kampf gegen Windmühlen aussehen, aber hin und wieder glaube ich auch, ganz richtig zu liegen – aber es wird noch eine Weile brauchen, bis man das abschließend bewerten kann :)


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