zweipunktnull.org

02 Mrz, 2010

Ein Freund, ein guter Freund

Posted by: Casi In: Social Networks

Share

facebook670 Facebook-Freunde! Ein ziemlicher Haufen, was? Am Wochenende auf den Depeche Mode-Konzerten und -Parties ist es mir zum ersten Mal passiert: Facebook-Freunde sprechen mich an und ich erkenne sie nicht ;)

Dazu passt eine Story, die ich vor wenigen Tagen gelesen habe und die behauptet, dass 238 Freunde zu viel sind. Dort wird spekuliert, dass man nur zu einem Bruchteil seiner Online-Freunde – genannt wird die Zahl 30 – wirklich Kontakt hat.

Dem möchte ich äußerst entschieden widersprechen. Zwei Facebook-Freunde mehr haben seit diesem Wochenende richtige Gesichter für mich und reihen sich in die große Gemeinde derjenigen ein, denen man auf den einschlägigen Parties über den Weg laufen könnte.

Sarah Arewa, die Autorin des Artikels, wirft einen verklärten und romantischen Blick zurück und wünscht sich, dass man einfach mal wieder anruft oder einen Brief schreibt. Ich kann Euch gar nicht sagen, mit wie vielen Menschen ich telefoniert, gefeiert und getanzt habe, die ich über den Umweg Internet kennengelernt habe.

Wir haben es hier nicht mehr mit diesem Neunziger-Mief zu tun, bei dem es auf der einen Seite alleinerziehende Mütter mit zu viel Freizeit gibt und auf der anderen Seite fette Männer, die behaupten sie wären etwas weniger fett. Heute ist jeder im Netz: Mein Arbeitskollege, meine beste Freundin, meine Partnerin, meine Cousine und sogar mein Arzt. 

Und das ist genau die Vorgehensweise, mit der man sich der Zahl meiner Freunde auf Facebook nähern sollte. Trennt Euch von einer Bedeutung des Begriffes "Freund", wie sie im realen Leben Sinn macht. "Freund" im Internet meint vielleicht manchmal Freund, aber meistens meint es Bekannter, Kumpel, Kollege, Buddie, Kontakt.

Wenn ich meine "wirklichen" Kontakte überschlagen würde, käme ich auch in Bereiche, die schätzungsweise vierstellig sind, aber hey – von meinen über tausend Arbeitskollegen (von denen ich sicher die Hälfte zumindest flüchtig kenne), habe ich maximal fünf angerufen, und ein Brief hat überhaupt keiner bekommen ;)

Worauf ich hinaus will: Auch im richtigen Leben habe ich unzählige Kontakte, die sich in verschiedenen Instanzen bewegen. Manche brauche ich möglichst täglich um mich, und bei manchen Menschen – auch, wenn sie wirklich toll sind – ist es für mich okay, alle paar Monate mal was von ihnen zu hören.

Trotzdem habe ich die Telefon-Nummern von vielen Menschen, die ich bei passender Gelegenheit mal kontaktiere, wenn es um eine Party, ein Konzert oder was auch immer geht. Genau wie im Netz habe ich auch im Offline-Leben unterschiedliche Kontakte für unterschiedliche Anlässe. Der Unterschied zum Netz ist halt, dass man sein Adressbuch nicht offen vor seinen Bekannten liegen hat im Gegensatz zur Facebook-Seite.

Wenn ich heute 670 Kontakte habe, von denen ich mit 400 noch nie etwas im real life unternommen habe, von denen ich nur 80-100 relativ häufig sehe und von denen ich maximal zehn zu wirklich wichtigen Personen zähle, dann finde ich das legitim. 

Ich bilde im Netz bis zu einem gewissen Grad mein wirkliches Leben nach. Dafür ist es ja mittlerweile auch gedacht, wenn man sieht dass man ja für alle Bereiche Angebote findet (geht ja schon bei Kontaktanzeigen und Co los). Deshalb findet sich Verwandtschaft dort genauso wie Arbeitskollegen und Saufkumpanen. Allerdings mit dem Unterschied, dass ich im Netz viele zusätzliche Möglichkeiten habe. Egal, ob es nun Facebook, Twitter, ein Blog oder ein Game wie WoW ist – ich kann viel leichter und viel gezielter mit neuen Menschen in Kontakt kommen. Bei Facebook (oder auch MySpace) treffe ich auf viele Personen des öffentlichen Lebens. Musiker, DJs, TV- und Medienmenschen. Schön, mit denen unverbindlich in Dialog treten zu können und mit ihnen über Dinge reden bzw schreiben zu können, über die man niemals im Leben mit ihnen gesprochen hätte, wen nman ihnen real über den Weg gelaufen wäre.

Wir sollten uns also davon entfernen, dass jemand mit 1000 Freunden kontaktgeil ist oder passionierter Kontakt-Sammler. Unsere Leben haben so viele Facetten – wäre doch krank, wenn wir im Netzteil nur einen Bruchteil davon abbilden würden.

  • Ich stelle auch immer wieder fest, dass ich einen Haufen 'Freunde' in der Liste habe, die ich nie in meinem Leben gesehen habe. Und oftmals geht der Kontakt über die Anfrage auch nicht hinaus. Da fragt man sich ja schon, wieso man die trotzdem in die Kontaktliste mit aufnimmt. Wahrscheinlich ist hier und da die Lust nach Selbstvermarktung zu groß :) Manche brauchen eben mehr als nur einen Zeugen für das eigene Leben!
blog comments powered by Disqus

Follow me

Follow Me!

Facebook

Google Friend Connect