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14 Aug, 2010

Street View: Google und das Datenschutz-Paradoxon

Posted by: Casi In: World wide web

Die böse Datenkralle schlägt wieder zu und wie es scheint, sind es nicht ein paar Internetnutzer, sondern mittlerweile eine ganze Nation, die daran Anteil nimmt. Das Medien-Echo zum anstehenden Start von Google Street View ist gewaltig und die üblichen Protagonisten wie die Bild-Zeitung stehen natürlich Gewehr bei Fuß, um ein Schreckens-Szenario zu zeichnen, welches die braven Bürger in Scharen dazu bringen könnte, die eigenen Häuser eigenhändig in Packpapier einzuwickeln, damit bloß kein Fremder sehen kann, wie und wo man wohnt.

Klar, dass auch die RP dieses Feld beackert. Gestern gab es dazu einen viel beachteten Artikel. Viel beachtet auch oder vor allem deswegen, weil es ein Foto gibt, welches vier Street View-Gegner vor ihrem Haus zeigt:

Das muss man sich jetzt mal auf der Zunge zergehen lassen: Die im Bild natürlich deutlich erkennbaren Herrschaften sorgen sich um den Datenschutz, lassen sich aber für RP-online mit vollem Namen und für das ganze Internet ersichtlich vor ihren Häusern ablichten. Wer sich den Weg – Google verrät uns, dass die vier in den Häusern Mendelweg 43, 47 und 53 wohnen – genauer anschaut, wird vermutlich auch feststellen, dass es sich um einen Fußweg handelt, der aller Wahrscheinlichkeit nicht von einem Google-Auto befahren wurde. 

Ich hätte also im Normalfall nicht viel von den Herrschaften erfahren, wenn sie nicht der Presse Rede und Antwort gestanden hätten. Als geneigter Einbrecher habe ich neben der Vogelperspektive – Google Maps/Earth zeigt die Siedlung natürlich – nun auch die Frontansicht der Häuser, zudem die Namen und Telefonnummern der vier Menschen und die vielleicht nicht ganz unwichtige Erkenntnis, dass es sich hier vorherrschend um Rentner zu handeln scheint. 

Erich Jeschkowski, Ludwig Hillesheim und Konrad Richter können sich jetzt also darauf einrichten, dass die gefürchteten Verbrecher nicht nur wissen, wo sie wohnen, sondern im Vorfeld auch noch telefonisch einen Termin absprechen können. Jetzt gibt es nur noch einen Ausweg, die Wohnung muss gewechselt und ein professionelles Unternehmen muss beauftragt werden für den Umzug ;)

Wer mich kennt und meinen Kram hier länger liest, wird jedenfalls wissen, dass ich nicht dafür plädiere, dass man alle verfügbaren Daten sinnlos ins Netz wirft. Im Gegenteil: Wir alle müssen uns durchaus damit auseinander setzen und selbst was die Einbrecher-Problematik angeht, habe ich mich hier schon dazu geäußert. Die Situation wird durch die diversen lokal-basierten Dienste wie foursquare und gowalla natürlich nicht einfacher.

Worauf ich aber hinaus möchte: Wir machen uns angreifbar durch die Dinge, die wir im Netz verkünden. Wenn ich heute schreibe, welche technischen Schätze in meiner Wohnung stehen und dann in meinem Impressum die Adresse frei Haus liefere in Verbindung mit einem "ich bin dann mal zwei Wochen weg"-Tweet, dann liefere ich eine Steilvorlage für vermeintliche Diebe. Das alles ist problematisch und will berücksichtigt werden, ändert aber nichts daran, dass dieser Zustand sich durch Street View absolut gar nicht verändert.

Apropos Street View – der Dienst sightwalk hat ohne großes Trara einen Street View-Konkurrenten gestartet, der in Deutschland bislang sieben Städte abbildet, u.a. Düsseldorf, wo unsere Protagonisten aus dem RP-Artikel wohnen ;)

Einen schönen Artikel zur Thematik, die auch einen der Standard-Vorwürfe behandelt – nämlich die Annahme, dass wir künftig ständig durch Google beobachtet werden – findet ihr in der Zeit

Update: Ein weiterer großartiger Artikel befasst sich ebenfalls mit den vier Menschen aus dem RP-Artikel – tut das aber viel besser als ich das hier könnte. Also bitte lesen!

…an dieser Debatte sind zunächst Politiker beteiligt, die nichts dabei finden, detaillierte Flugpassagierdaten oder Informationen über den innereuropäischen Zahlungsverkehr an die US-Geheimdienste zu schicken…

  • http://dieboersenblogger.de/11788/2010/08/kleine-presseschau-vom-16-august-2010/ Kleine Presseschau vom 16. August 2010 | Die Börsenblogger

    [...] zweipunktnull: Street View: Google und das Datenschutz-Paradoxon [...]

  • http://www.glam-pix.de glam

    der witz an der sache ist, die lassen sich mit vollem gesicht vor ihrem haus ablichten (siehe bild) und sagen, dass sie gegen street view sind – logisch?!


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