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28 Okt, 2010

Stayalive.com: Verlinkt in alle Ewigkeit

Posted by: Casi In: Media|zweipunktnull

Wenn Ex-Focus-Mastermind Helmut Markwort ein neues Online-Portal ankündigt, hört alles im Medien-Dschungel ganz genau hin. Das geht bei Seiten wie meedia und der Süddeutschen los und hört bei kleinen Bloggern wie mir noch lange nicht auf. Er lädt zur Pressekonferenz, um dort mehr über das Projekt zu erzählen, welches er an der Seite von Matthias Krage (net-n-net, München) aus dem Boden gestampft hat. Vollmundig kündigt er an, uns im Internet unsterblich zu machen.

Was auf den ersten Blick ziemlich nach Größenwahn klingt, ist aber durchaus ernst gemeint. Stayalive.com soll nämlich, da sind sich die bislang berichtenden Medien einig, so etwas wie ein Facebook für Tote werden. Lasst uns das ein wenig aufbröseln, was so ein Facebook für Tote sein könnte. Ein Social Network im eigentlichen Sinne kann es nicht sein, weil das Kommunizieren mit Toten nach heutigem Kenntnisstand eher schlecht zu bewerkstelligen ist – erst recht im Internet. Stellen wir es uns also lieber vor als eine Ansammlung von Profilen toter (Mit-) Menschen, an die wir uns dort erinnern können/sollen. Es gibt bereits einige Portale, die sich dieser Thematik angenommen haben. Während man bei herolymp.de sein virtuelles Alter Ego zu Grabe trägt, haben Seiten wie strassederbesten.de oder das bereits eingestellt Projekt lifeafter einen eher seriösen Anstrich. Vor allem das letztgenannte lifeafter kommt in meinen Augen dem am Nächsten, was wir uns bislang unter Stayalive.com vorstellen dürfen. 

Ich erwarte – und die oben verlinkten Quellen überlegen ähnlich – nicht mehr und nicht weniger als einen virtuellen Friedhof, den wir selbst zu Lebzeiten mit Daten füttern können. Alles, was erhaltenswert scheint, von Fotos über Schriften bis Videos, kann dort archiviert werden, um zukünftigen Generationen eine von uns gesteuerte Vision zu liefern, wer oder was wir zu Lebzeiten gewesen sind. Meiner Meinung nach muss ein solches Portal da aber noch nicht aufhören.

Bei Basic Thinking habe ich seinerzeit einen Artikel über einen real existierenden Friedhof in Israel gebloggt, dessen 120.000 Gräber aktuell von Studenten lokalisiert und kartographiert werden. Neben der Möglichkeit, sich die Gräber auf einer virtuellen Karte anzeigen zu lassen, hat man den Verblichenen auch eine Profilseite verpasst, die uns ein wenig Information über die Person liefern. Eine ähnliche Karte erhoffe ich mir von Stayalive auch, und bereits aufgetauchte Screenshots zeigen auch tatsächlich eine Einbindung von Google Maps. 

Ähnlich viel Ernsthaftigkeit und Pietät wie bei dem Israel-Projekt setze ich nun auch bei dem Projekt von Markwort und Krage voraus, wenn die theoretische Chance auf Erfolg gegeben sein soll. Es muss gewährleistet werden, dass die Daten nur den Personen zugänglich gemacht werden, die dazu berechtigt sind.

Sollte das gegeben sein und hat man sowohl die Möglichkeit, für sich selbst virtuelle Hinterlassenschaften zu sammeln, als auch für bereits Verstorbene eine Ehrenstätte zu errichten, dann kann ich mir durchaus vorstellen, dass sich viele Nutzer für ein solches Projekt finden lassen. Ein etwas befremdliches Gefühl in der Magengegend bleibt mir dennoch, ist aber wohl eher der Thematik geschuldet als einer vermeintlich halbgaren Umsetzung.

Abschließend bleibt vielleicht noch festzuhalten, dass es sowohl eine kostenlose als auch eine "Premium"-Variante der Accounts geben wird. Das zumindest erschließt sich mir, wenn ich mir die bereits aktive Facebook-Seite von Stayalive anschaue:

Everybody liking stayalive.com here on Facebook before the official launch on November 1st will receive a gift coupon to open a free eternal account. 

Ich werde dieses Portal jedenfalls im Auge behalten und gegebenenfalls schreibe ich sicher einen weiteren Artikel dazu, sobald ich mir ein umfassendes Bild von den Möglichkeiten gemacht habe.

Übrigens werde ich sicher nicht der Einzige bleiben, der ein Auge auf Stayalive haben wird, denn mit emorial.de gibt es ein ähnliches Projekt, welches – Zufall oder nicht – von Martin Kunz betrieben wird, ebenfalls einst Chefredakteur und Markworts Weggefährte beim Focus – und der wird sicher genau hinschauen, was sein ehemaliger Arbeitskollege da an den Start bringt.


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