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03 Mrz, 2011

Seid Ihr dumm?? Das Guttenberg-Exempel

Posted by: Casi In: Media|Politik|zweipunktnull

Karl Theodor, Freiherr von und zu Guttenberg: Er ist nett, sympathisch, entschlossener Vollblut-Politiker, hat Vieles in seinen Ämtern bewegt – er ist kurz gesagt die Lichtgestalt der deutschen Polit-Szene. Dann die andere Seite: Er wird von Neidern demontiert, abgesägt, Opfer einer Hetz-Kampagne und mit ihm wird der einzige deutsche Politiker aus dem Amt gejagt, der überhaupt etwas bewirkt hat und so viele jüngere Menschen für Politik begeisterte. 

Wäre diese Einleitung lediglich die Quintessenz dessen, was die Bild-Zeitung zusammenschreibt, könnte man grundsätzlich damit leben. Wenn ich aber – wie in diesen Tagen leider öfter – das Gefühl bekomme, dass große Teile der Bevölkerung blinde Lemminge sind, die dem großen Guttenberg hinterherrennen und exakt diese Bild-Meinung als die ihre interpretieren, laufen mir kalte Schauer über den Rücken. Wenn ich also provokativ frage, ob ihr dumm seid, meine ich logischerweise nur diejenigen, die sich den Schuh anziehen wollen, und ich meine es rhetorisch, weil ich im Grunde ganz sicher bin, dass viele, die ihm jetzt zur Seite springen, in Wirklichkeit alles andere als dumm sind.

Wir brauchen uns hier nicht darüber unterhalten, dass KTG Scheiße gebaut hat. Das wissen wir, dass weiß er und das weiß auch Angie Merkel, die er mit seinem Eiertanz übrigens fast noch mehr beschädigt hat als sich selbst. Aber scheinbar wissen es Millionen Menschen nicht – oder wollen es nicht wahrhaben. Genau wie der Kriegsminister leidet ein großer Teil der Bevölkerung an einer Wahrnehmungsstörung. Fast kaum einer argumentiert, dass er – wie er selbst sagt – lediglich schlampig gearbeitet hätte, stattdessen verkündet man augenzwinkernd, dass wir alle schon mal geschummelt haben. IST DAS EUER ERNST?? Wir lesen schwarz auf weiß, wie er gezielt seinen Doktor-Titel erschlichen hat, kennen unzählige Beispiele von Menschen, denen aufgrund wesentlich geringerer Vergehen die Karriere ein für allemal verwehrt bleibt – selbst innerhalb der CDU gibt es Menschen, die aufgrund eines ähnlichen Vergehens ihr Amt niederlegen mussten. 

Worauf ich hinaus will: Es geht nicht darum, welche Meinung wir haben, was er getan haben könnte – es geht um die Faktenlage. Wenn ich einen Ladendieb überführe, das Diebesgut sicherstelle und ihm zudem auf Video noch vorführe, dass er besagten Artikel eingesteckt hat, stellen wir uns doch auch nicht hin und winken lässig ab, weil wir ja alle schon mal geschummelt haben, oder? Aber genau das wird hier getan, weil KTG so sympathisch, so gut aussehend, so charismatisch ist. Nehmt als perfektes Beispiel für die Verblendung vieler Bürger diesen Clip:

Das Problem bei diesem Mitschnitt: Diese Frau ist nun eher einfach strukturiert, also keine große Kunst, sie so vorzuführen – aber viele intelligente Menschen in meinem Umfeld "argumentieren" derzeit ähnlich, was mir ein wenig Kopfschmerzen bereitet.

Das Guttenberg-Exempel

Mehr als 400 Wörter "verschwendet" mit meiner persönlichen Meinung zum Thema Guttenberg, dabei wollte ich auf etwas ganz anderes hinaus – nämlich auf das, was hier gerade passiert ist und wieso es mich trotz der Verblendung vieler Bürger vorsichtig optimistisch macht. Vor knapp zwei Jahren haben wir Digital Natives uns darüber gefreut, wie viele Menschen wir gegen Zensursulas Netzsperren mobilisieren konnten. Damals ging es um ein Thema, in dem wir uns fit fühlten, das ist der große Unterschied zur Guttenberg-Geschichte. Dank Guttenplag-Wiki wurde zwar im Netz entscheidend dazu beigetragen, dass die Story den bekannten Ausgang genommen hat, aber das hier ist kein Thema für ein paar versprengte Nerds, hier wurde innerhalb weniger Tage der vermeintlich beliebteste Politiker des Landes aus seinem Amt getrieben.

Nehmt es als ein Exempel, welches am Politstar Guttenberg statuiert wurde. Nicht, weil es um ihn persönlich oder um seine Dissertation ging, sondern ausschließlich deswegen, weil es ging. Wikileaks zeigt doch ganz klar den Weg: Wenn ich Politiker bin – oder auch Unternehmer – sind Millionen Augen auf mich gerichtet. Damit meine ich nicht die Augen, die die vorgekauten und aufbereiteten Nachrichten und Zeitungen betrachten, sondern die Augen der Leute, die mit vielen anderen Menschen vernetzt sind, die via Twitter und Facebook schneller informiert sind, als ein Politiker ein "abstrus" in Journalisten-Mikrofone husten kann, die genügend investigative Energie, genügend Ideen und genügend Intelligenz mitbringen, um einer sehr, sehr großen Menge Menschen eine Problematik darzulegen. 

Bevor wir uns falsch verstehen: Es geht hier nicht um die Menge der Menschen, die sich zu Wort melden, sondern um die Qualität. 30.000 Doktoranden wiegen schwerer als mittlerweile 500.000 Mitglieder einer Wir-wollen-Guttenberg-zurück-Gruppe bei Facebook. Wenn sich – wie in dem aktuellen Fall – honorige Menschen der Uni Bayreuth so eindrucksvoll zu Wort melden, wie es beispielsweise Prof. Dr. Lepsius getan hat, können sich auch Politiker aus den eigenen Reihen nicht mehr vor den Argumenten verschließen. So kann Druck erzeugt werden, so kann man Entscheidungen erzwingen und so kommen wir vielleicht so nach und nach der Vorstellung von Demokratie nahe, die ich mir persönlich erwünsche: Es gewinnen nicht die, die am lautesten trommeln, sondern die, die über die besten Argumente verfügen. Da kann die Bild ihre Millionen Lemminge noch so sehr manipulieren und mit kruden Umfrage-Ergebnissen hausieren gehen.

Wenn das zukünftig so funktioniert, wenn wir Blender entlarven und überführen können, wenn wirkliche Experten Politikern aufzeigen können, wo sie falsch liegen (und diese gezwungen sind, wirklich zuzuhören) – dann habe ich leise Hoffnung, (puh, wie vermeide ich jetzt ein pathetisches 'bessere Welt' oder ähnliches?), dass wir uns auf einem sehr ordentlichen Weg befinden. Es ist nicht Facebook, welches Diktatoren stürzt und es ist nicht Twitter, welches Minister zum Rücktritt zwingt – es handelt sich lediglich um uns, das Volk, welches gerade lernt, die neuen Möglichkeiten zu nutzen.

  • Nadine

    Sehr guter Artikel! :) Ich habs auch so wahrgenommen, dass vielen KTG zurück wollen (und das auch auf FB fordern) aber in Wahrheit doch keine Ahnung von Politik haben und nicht benennen können was denn “ach so gutes” getan hat.

  • http://www.zweipunktnull.org Casi

    Danke fürs Lob und auch hier an eher ungewöhnlicher Stelle noch mal alles Gute nachträglich zum Geburtstag ;) Sehe es so wie Du, würde mich selbst aber selbst zu denen zählen, die nicht unbedingt viel Ahnung von Politik haben. Aber dank Internet kann ich mich informieren, kann Argumente gegeneinander abwägen und spätestens dadurch erkennen, dass es nicht eine einzige herausragende politische Leistung in der noch jungen Polit-Karriere des KTG gibt ;)

  • http://twitter.com/MalteBrusermann Malte Brusermann

    Sehr schöne Zusammenfassung & Analyse. Mich persönlich erschreckt sowohl die Masse derer die einfach nachsprechen, was von den CDU-Granden vorgegeben wurde, aber umso mehr der Anteil derjenigen, die es besser wissen müssten, es aber nicht wahrhaben wollen. In der digitalen community herrscht ja grade so eine Mischung aus Euphorie-, Kater- und Aufbruchstimmung gleichzeitig, je nachdem wen man fragt. Aber in allen Bereichen (sei es im Bereich der politischen Bewegungen oder auch im Bereich des Marketing) lässt sich feststellen, dass die Erkenntnis das Zahlen nicht alles sind, sich immer mehr durchsetzt. Die “Offline” und “online” Identität jedes einzelnen von uns, gehört nunmal genauso zusammen wie der Ex-Dr. und ex-Verteidigungsminister zu Guttenberg. Das abzustreiten ist genauso sinnlos, wie einen Minister lediglich aufgrund der Unterstützung aus einer bestimmten Mehrheitskonstruktion im Amt halten zu wollen.

  • DeeKAy

    Sehr guter Kommentar, was mich optimistisch stimmt ist die letzte Infratest-Umfrage vom Freitag, in der der Lügenbaron MASSIV eingebüßt hat – und das war noch vor dem Rücktritt, VOR dem Häberle-Statement und VOR dem Brief der -inzwischen übrigens über 60.000- Dokoranden!
    Was mir allerdings noch mehr Sorgen macht als dass intelligente Leute auf BILD-Niveau argumentieren (ja, hab ich auch leider zu viele im Bekanntenkreis) ist, dass es neben der jungen, scheinbar hauptsächlich weiblichen, uninformierten, aber relativ harmlosen “LEAVE GUTTI ALONE!!”-Popstarfraktion auch eine Fraktion der Guttenberg-Fans gibt, die mir echt Angst macht, weil ihre Rhetorik stark an 1933 erinnert. Ein paar Beispiele aus nem Thread der Pro-Guttenberg-Facebook-Gruppe:

    “Habt ihr den Trittin gesehen wie er gelacht und gefeixt hat auf dem Weg zu seiner Statement abgabe – und dann für die Kamera das ernste, betroffene Gesicht?? Hass, Wut, Verachtung…gegen Politiker die ihre Wähler verarschen ihre Parteiprinzipien ständig verraten und wie Parasiten von unseren Steuergeldern leben!”

    “30000 Verwirrungsschaftler (von mehreren Htausend), terroristische, hetzende Verleumder aus Politik und Presse (einige verkalkte aus der Regierung) zwingen dem Volk ihre Meinung auf! Lassen wir uns das gefallen? Steht auf wenn ihr Gutti´s seid!!! Protestwahl – watscht die Volkverarscher von SPD, B90/Grüne, Linke bei den nächsten Wahlen ab – es muß weh tun! Dieses Pack muß abgestraft werden!”

    “Heute um 11:20 ist unser Vminister KTzG an vorderster Front mit dem Herzen nah bei seinen Soldaten und dem Volk im Kampf gegen feige, erbärmliche, volksfremde, hetzende und wirre Wirrenschaftler bzw Verwirrungsschaftler, terroristische Journalisten und Politiker zum Opfer gefallen! Wir trauern in tiefster Erschütterung um den beliebtesten und fähigsten Politiker der BRD und hoffen gleichzeitig auf eine baldige Rückkehr dieses sympatischen und aufrechten Politikers!”

    “So einfach ist das ja nun mal nicht… was da behauptet wird…die Opposition hat mit Hilfe der ihr freundlichen Presse KTzG sturmreif geschossen…ich wiederhole sturmreif geschossen und mit ihren Minieueren den Boden unter seinen Füßen weggesprengt…das Trommelfeuer und die berstenden Granaten waren so schlimm, daß zuerst die Uni Bayreuth und dann sogar einige aus der Regierung die Hosen voll hatten…und auch das war noch nicht das Ende…Ich sage: KTzG’s Frau hat sich ihren Mann gestern Abend angesehen, sie hat ihn beobachtet wie er abwesend grübelnd bei den Kindern saß und sich mühsam ein Lächeln hervorquälte…vermutlich konnte er Nachts nicht mehr schlafen und er sah den Burn out näher kommen…die Guttenbergs begriffen, daß das Leiden keinen Sinn macht…wofür…ja für die BW und die vielen Menschen die ihn lieben..klar…aber wenn er ständig gehindert wird seine Arbeit zu machen…was nutzt er ihnen wenn er aus Erschöpfung zusammen bricht…und seine Familie dabei zu Grunde geht? So hat er es richtig gemacht…er hat sich befreit!”

    Gutti befiehl, wir folgen!! WOLLT IHR DEN TOTALEN GUTTENBERG???

  • http://www.zweipunktnull.org Casi

    Oha, danke für die Zitate, das ist wirklich harter Tobak… :-S

  • Jub_63

    Sehr schön geschrieben, ich kann in vielen Teilen auchzustimmen!

    Einzig die Tatsache, das 30.000 Doktoranten schwerer als die 300t FB-Freunde wiegen, kann ich nicht ganz unkommentiert lassen. Bei den Doktoranden kann man ja Intelligenz voraussetzen (oder?) – bei den 300t FBern kann man den Wert (Intelligenz) nicht bestimmen. Alle setzen immer den “dumpfen” Hartz-IV-Abbrecher und BILD-Leser voraus … aber stimmt das? Ich bin auch ein “Freund” des KTzG, kenne seine Schuld und befürworte eine strafrechtliche Verfolgung. Ob die strafrechtliche Relevanz jetzt so groß ist, dass sein Ministeramt dafür herhalten musste, mag ich so einfach wie die meisten anderen ContraGuttenberg-Menschen ohne tiefer Einblicke nicht entscheiden. Sicher ist jedoch, Schummler, Betrüger, Lügner und Copier-Akrobaten (Steinewerfer…) gibt und gab es mehr als genug in Berlin und mir persönlich fehlte in der ganzen Diskussion die Waagschale der Justizia. By the way, eine “summa cum laude”-Benotung erfordert doch m.W. mehrere interne und mindestens einen externen Gutachter … waren die alle geschmiert? … oder “Dumm”, um Ihr Wort zu wählen?

    Neben mir gibt es im Bekanntenkreis eine ganze Reihe intelligenter Menschen, die das Geschehen ebenfalls sehr kritisch sehen und sich hinter den Menschen KTzG gestellt haben. Das darum, weil das Vorgehen der Politik, der Journallie und auch der akademischen Kreise zumindest Zeitweise mehr als Zweifelhaft waren und soziale Kompetenz und Menschenwürde haben fehlen lassen.

    Wir sind alle Zeuge einer neuen “Kultur” geworden. Jeder darf jeden vor den Online-Pranger ziehen (siehe GuttenPlag), darf frei wahres, gelogenes oder geklautes über diesen Menschen sagen, schreiben und verbreiten und der “Beschuldigte” kann sich nicht im Ansatz dagegen wehren (schon Aufgrund der schlichten Masse). Unabhängig der von ihm zugegebenen Fehler (auch das wurde ja sofort zerrissen und pauschal als unglaubwürdig gebrandmarkt, wenn man möchte, sieht man halt über all das “Böse”…) geht es hier um einen Menschen, der sich zwar bewußt in die Öffentlichkeit begeben hat, aber dennoch nicht seiner Menschenrecht verlustig gegangen ist.

    Wir haben hier die Demontage eines Menschen per online-mobbing erlebt – und Mobbing, Beleidigungen und üble Nachrede stehen – auch online – unter Strafrecht …

  • extrovertiertes-karnickel

    Exempel? Find ich gut!
    Aber warum an dem “Ladendieb”?
    Wir hätten doch auch Mittäter an Geiselnahmen, Folterungen, unterlassene Hilfeleistungen… im Angebot!
    Will sagen: Auch wenn ich kein CSU-, Bild-, KTG-Fanboy bin und selbst auf einen “Dr.” hinstrebe, wurmt mich seine Tat weit weniger als der Aufschrei derer die viel Schlimmeres getan haben und das Schweigen nationalen Community darüber.

    mfg

    PS: Vielleicht kann ja die Uni Regensburg auch mal den Untersuchungsausschuss im Fall “Steinmeier vs Kurnaz” übernehmen?!

  • http://www.zweipunktnull.org Casi

    Unbestritten müssen sich die Verantwortlichen natürlich fragen, wieso KTG mit dieser Dissertation überhaupt durchkommen konnte, aber das ändert nichts an seinen Verfehlungen. Ich empfinde es eher so, dass er sich selbst demontiert hat. Angefangen mit der Dissertation und fortgeführt durch das stückchenweise Zugeben der Dinge, die man ihm bereits längst nachgewiesen hat. Da vermisse ich die Aufrichtigkeit und das Ehrgefühl, welches ihm doch angeblich immer so wichtig war. Die Fälle Kundus und Gorch Fock habe ich hier bewusst außen vor gelassen – auch hier kann man ihm eher fragwürdiges Handeln anstelle von guter politischer Arbeit nachweisen.
    Die Menschen, die ihn bei seiner Doktorarbeit gedeckt haben, gehören für mich ebenso zur Verantwortung gestellt – es geht mir nicht um die Demontage eines Einzelnen, hoffentlich wird auch in diese Richtung weiter untersucht.

  • http://www.zweipunktnull.org Casi

    Gebe Dir hundertprozentig recht -das pauschale Nachtreten der anderen Fraktionen fand ich auch nicht besonders. Sollen sich mal alle über den Abschuss von KTG freuen, früher oder später werden sie schon merken, dass es ihnen ganz schnell ganz ähnlich ergehen wird und man nicht mehr so einfach davon kommt mit seinen Verfehlungen. Die werden ihr Volk noch hassen lernen :D

  • Ch4

    Demokratie oder Wild-West
    1.
    Nulla poene sine culpa (keine Strafe ohne Schuld – Rechtsstaatsprinzip aus Art. 20 Abs. 3 Grundgesetz) bedeutet:
    Niemand darf für eine Tat bestraft werden, wenn ihn keine Schuld trifft (Schuldprinzip).

    Zur Strafbarkeit einer mit Strafe bedrohten Handlung gehört (auf eine einfache Formel bebracht) die Feststellung
    1. des Unrechts (objektiver Tatbestand) und
    2. der Schuld = Vorwerfbarkeit vorsätzlichen oder fahrlässigen Verhaltens (subjektiver Tatbestand)

    Jeder deutsche Strafrechtler und Jurist hat diese Grundzüge des Strafrechts im Studium gelernt.

    2.
    Es ist in Deutschland bei Strafe verboten, eine Person als Straftäter (wie z.B. “Dieb” oder “Betrüger”) zu bezeichnen, ohne dass dies durch ein ordentliches Gerichtsurteil festgestellt worden wäre, weil diese Bezeichnungen die Bejahung sowohl des objektiven als auch des subjektiven Tatbestands einer Straftat implizieren – § 187 StGB – Verleumdung, der da lautet:

    „Wer wider besseres Wissen in Beziehung auf einen anderen eine unwahre Tatsache behauptet oder verbreitet, welche denselben verächtlich zu machen oder in der öffentlichen Meinung herabzuwürdigen oder dessen Kredit zu gefährden geeignet ist, wird mit Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren oder mit Geldstrafe und, wenn die Tat öffentlich, in einer Versammlung oder durch Verbreiten von Schriften (§ 11 Abs. 3) begangen ist, mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.“

    Die Tatsache muss unwahr sein, d. h. es muss gerichtlich bewiesen werden, dass die Behauptung nicht zutrifft. Wenn also der behauptete Täter rechtskräftig freigesprochen wird, ist der objektive Beweis der Verleumdung als erbracht anzusehen. Für eine Verurteilung wegen Verleumdung muss aber auch hier der Vorsatz nachgewiesen werden.

    Wenn also der von Ihnen gelobte Prof. Dr. Lepsius sich öffentlich in der Weise geäußert hat, “Herr zu Guttenberg ist ein Betrüger, diese Frage ist objektiv klar”, dann ist das äußerst schwach für einen Rechtswissenschaftler, denn er schränkt den Betrugsvorwurf zwar auf den objektiven Tatbestand ein; die Äußerung ist aber gleichwohl populistisch, denn die Mehrheit der Bevölkerung kennt mangels strafrechtlicher Vorbildung nicht den Unterschied zwischen objektivem und subjektivem Tatbestand und somit auch nicht den Unterschied zwischen freier Meinungsäußerung und Verleumdung.

    Leider stößt sogar ein Teil der Medien in das gleiche Horn der Vorverurteilung. Die hierfür Verantwortlichen schreiben somit ab, was andere gesagt und geschrieben haben, begeben sich also auf die gleiche Stufe wie der von Ihnen Vorverurteilte. Das ist einfach widerlich und kennzeichnet das Niveau und die Bildungsferne unserer heutigen Gesellschaft in Deutschland. Armes Deutschland!

    3.
    Guttenplag Wiki
    Die Plagiats-Feststellungen in “Guttenplag Wiki” belegen offensichtlich ein Unrecht (objektiver Tatbestand).

    Die Feststellung “Die zahlreichen textuellen Anpassungen der Plagiate, die Tatsache, dass die Plagiate über die ganze Dissertation hinweg zu finden sind, und die Tatsache, dass selbst die Einleitung kopiert wurde, lassen darauf schließen, dass diese Plagiate kein Versehen waren, sondern bewusst getätigt wurden.” ist die Feststellung des subjektiven Tatbestands einer Täuschungshandlung, somit eine unzulässige Vorverurteilung. Niemand darf in Deutschland außerhalb eines ordentlichen Gerichtsverfahrens verurteilt werden, wer es dennoch tut, begibt sich auf das Gleis der Verleumdung. Das deutsche Recht kennt vor allem den Begriff des rechtlichen Gehörs, eines der wichtigsten Güter. Nur im ordentlichen Strafverfahren ist aber rechtliches Gehör vorgesehen, nicht so jedoch im Verfahren der selbst ernannten Richter. Die Mitwirkenden im Guttenplag Wiki mögen ja Fachleute für das Internet sein – aber Rechtsexperten sind sie nicht, sonst dürfte eine solche Stellungnahme nicht öffentlich erscheinen. Diese Herrschaften haben sich damit -wie alle Vorverurteiler- auf das primitive Niveau eines Lynch-Justiz-Tribunals begeben.

    Das rechtliche Gehör ist ein Muss und hat vor allem zum Ziel, auch entlastendes Material in das ordentliche Verfahren einzubringen. Was haben denn die Guttenplag-Lyncher zu KTs Entlastung vorgebracht? Haben sie auch mal gegoogelt “word for windows Fußnoten verschwunden”? Nein? Das empfehle ich aber dringend – das Ergebnis: “Ungefähr 19.600 Ergebnisse (0,33 Sekunden)” Ohne solche Erwägungen ist und bleibt “Guttenplag Wiki” ein tendenzieller Verein.

    4.
    Strafverfahren:
    Dies ist nun wohl in Sicht. Ein abschließendes Urteil -oder ein Freispruch- bleibt allein den deutschen Strafbehörden vorhalten.
    Dies wird mit Sicherheit auch noch genug Staub aufwirbeln. Alle anständigen Deutschen -mögen sie für oder gegen die Person zu Guttenbergs sein- warten das ab. Alle jetzt schon stattfindenden Vorverurteilungen berauben den oder die Richter der Chance, zu einem objektiven Urteil zu kommen. Darum sollte sich jeder nun fragen: “Wollen wir Demokratie oder wollen wir Wild-West?”

  • Anonymous

    Wäre die Dissertation entsprechend geprüft worden und man hätte da seine Verfehlungen aufgedeckt, dann wäre sie nicht zugelassen und damit öffentlich geworden. Ein nicht unerheblicher Aspekt. Mit der Prüfung würde es den Wikiplag gar nicht geben und man könnte zwischen Dissertation und Amt auch keine Bilder malen wie man es getan hat. Was die Salamitaktik angeht geb ich dir Recht Casi, die Hoffung auf die weitere Untersuchung wer ihn gedeckt hat kannst du aber jetzt schon aufgeben. Denn das intressiert in einem viertel Jahr eh keinen mehr.
    Wir wissen spätestens seit der Loveparade und S21, am Anfang schreit die ganze mediale Welt, aber schnell schweigt sie auch wieder.

  • Anonymous

    Wäre die Dissertation entsprechend geprüft worden und man hätte da seine Verfehlungen aufgedeckt, dann wäre sie nicht zugelassen und damit öffentlich geworden. Ein nicht unerheblicher Aspekt. Mit der Prüfung würde es den Wikiplag gar nicht geben und man könnte zwischen Dissertation und Amt auch keine Bilder malen wie man es getan hat. Was die Salamitaktik angeht geb ich dir Recht Casi, die Hoffung auf die weitere Untersuchung wer ihn gedeckt hat kannst du aber jetzt schon aufgeben. Denn das intressiert in einem viertel Jahr eh keinen mehr.
    Wir wissen spätestens seit der Loveparade und S21, am Anfang schreit die ganze mediale Welt, aber schnell schweigt sie auch wieder.

  • phanny

    Guter Artikel. Meine Gedanken zu dem Ganzen… v.a. als jemand, der die Bildzeitungsartikel nicht kennt. :P

    a) Die Doktoranden reiben sich an etwas auf, was sie derzeit meinen das sie schlechter macht. Interessante Meinungsmache, die letztendlich von bestimmten Kreisen gefördert wird
    b) Interessant ist auch der Zeitpunkt, zu dem dies aufgedeckt wird (und die Art). Naja, wenn andere Hetzkampagnen nicht wirken, muss man eben tiefer graben. Bin gespannt, wann die nächsten Doktorarbeiten geprüft werden… gibt ja noch genügend andere Politiker…. ich vergaß, die sind momentan nicht medial genug…..
    c) Die Doktorarbeit wurde geprüft und bestätigt –> Die ganze Schlammschlacht im Vorfeld ist IMHO absolut überzogen. Letztendlich müssten diejenigen, die die geprüft und für gut befunden haben angegriffen werden.
    d) Da auf andere Politiker verwiesen wurde, die “sich Ihren Doktortitel” erschlichen haben. Ich heisse beides nicht für richtig, Aber es ist noch ein Unterschied, ob ich “nicht richtig zitiere”, oder die Arbeit komplett fremd schreiben lasse…..
    e) Im Vorfeld des Rücktrittes agierten einige Ankläger, wie schon in den Kommentaren bereits erwähnt, mehr oder weniger im Strafrechtlichen relevanten bereich, indem sie schon vorverurteilt haben. Insbesondere, wenn man selber “Jurist” zu sein meint, sollte man sich mit Vorverurteilungen zurückhalten.
    f) im heutigen Zeitalter wird es leider immer leichter jemanden zu demontieren, ohne erstmal ein Gericht einzuschalten. Wenn´s dann eigentlich nichtmal strafrechtlich relevant wäre (was noch zu prüfen ist, wobei ich das bereits überzogen finde, da die Arbeit geprüft und für in Ordnung befunden wurde),… ist ja egal. Selber ist man nicht betroffen. Der Betroffene kann ja schauen wo er dann steht.


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