19 Jun, 2011
Die Hände bleiben unten: Keine Live-Mitschnitte “dank” Apple
Posted by: Casi In: Media|Musik|Technik|World wide web
Witzig, dass gerade jetzt bekannt wird, welches Patent Apple jüngst beantragt hat, da ich das Thema erst neulich mit meiner Freundin besprochen habe. Worum geht's? Apple möchte mithilfe eines Infrarot-Signals bei Konzerten dafür sorgen, dass die Cam-Funktion des iPhone deaktiviert wird. Soll heißen, verwackelte Live-Mitschnitte bei YouTube könnten zukünftig der Vergangenheit angehören – zumindest die, die mit dem iPhone erstellt wurden.

Vorab können wir übrigens schon mal festhalten, dass es sich hier lediglich um ein eingereichtes Patent handelt, also eines von unzähligen, die Apple jedes Jahr einreicht – und die Tatsache, dass wir jetzt schon davon wissen, ist nicht gerade ein Beleg dafür, dass es auch (jetzt schon) so kommen wird. Davon abgesehen ist die Meldung natürlich ein gefundenes Fressen für jeden, der laut aufheult, wenn wieder mal unsere Daten bedroht sind. Klar – wenn ein Unternehmen technisch in der Lage ist, meinen Aufenthaltsort zu ermitteln in Kombination mit einem Vergehen wie einer Urheberrechtsverletzung, dann kann es schon mal haarig werden.
Aber im Ernst – und da bin ich wieder bei gesagtem Gespräch, welches ich am Anfang erwähnt habe: Als wir uns darüber unterhielten, was die Technik für uns irgendwann mal bereithalten wird oder zumindest sollte, hatte ich exakt diese Hoffnung, dass es einmal möglich sein wird, Handys oder Smartphones außer Kraft zu setzen für so einen Fall wie ein Konzert. Dabei geht es mir gar nicht mal um das Urheberrecht. Ich halte es nämlich für absoluten Schwachsinn, dass irgendeiner Plattenfirma Geld durch die Lappen geht, weil ein Fan (der bei einem Top-Act auch schon dreistellig hinlegt für eine Karte) seine verwackelten 90 Sekunden mit ekelhaftem Sound ins Netz stellt. Viel mehr geht es darum, dass es der Stimmung beim Konzert nicht unbedingt zuträglich ist, wenn jeder Schritt des Künstlers mitgefilmt und fotografiert wird. Nicht der Stimmung der Person, die damit beschäftigt ist, möglichst wackelfrei einen Arm in die Höhe zu halten – und meiner Stimmung als derjenige, der dahintersteht mit Sicherheit auch nicht.

Apple interessiert sich aber sicher herzlich wenig dafür, ob ich beim Konzert mehr oder weniger Spaß habe, denen geht es eher wirklich um die Geschichte mit den Rechten. Bei den Stichworten iCloud und iTunes sollte jedem klar sein, dass Apple ein Interesse daran hat, sich möglichst gut mit der Musikindustrie zu stellen. Da könnte man mit einem solchen Patent natürlich dick punkten, wer will es den Jungs aus Cupertino verdenken? Und bevor jetzt die große Paranoia einsetzt: Die Cam wird nicht deaktiviert, wenn ich irgendwo inmitten schwitzender, tanzender Menschen das iPhone in die Höhe hält, sondern lediglich dann, wenn dementsprechende Sensoren in einer Konzert-Location installiert sind. Entscheidet selbst, ob es die Idee für euch grundsätzlich besser macht oder nicht.
Mir persönlich macht dieser Vorstoß eines einzelnen Anbieters etwas Kopfschmerzen, unabhängig davon, dass es sich um Apple handelt. Was, wenn – Beispiel Nordafrika – diese Sensoren nämlich Kameras nicht deaktivieren, wenn eine Band auf der Bühne steht, sondern wenn Verbrechen eines grausamen Regimes vertuscht werden sollen und somit nicht in die weite Welt gelangen können? Kann mir nicht vorstellen, dass Apple sowas steuern könnte…
Davon ab aber würde ich es in der Tat toll finden, wenn die Kamera-Arme zukünftig unten bleiben würden, und ich sag das durchaus reuig als jemand, der selbst zum Gelegenheits-Knipser wird – oder was glaubt ihr, wo ich den Screenshot oben her habe ;)
Quelle: Macmania
ebenfalls zum Thema: Geburtstagskind Nico (auch hier nochmal herzliche Glückwünsche ;) )


