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09 Okt, 2011

Der Chaos Computer Club, der Bundestrojaner und die Regierungsheuchler

Posted by: Casi In: Politik

Dem Chaos Computer Club (CCC) wurde Schadsoftware zugespielt, deren Besitzer begründeten Anlaß zu der Vermutung hatten, daß es sich möglicherweise um einen „Bundestrojaner“ handeln könnte. Einen dieser Trojaner und dessen Funktionen beschreibt dieses Dokument, die anderen Versionen werden teilweise vergleichend hinzugezogen.

Dieses Zitat stammt aus einem Dokument, welches hier als PDF-Datei vorliegt und vom Chaos Computer Club (CCC) verfasst und veröffentlicht wurde. Ich will hier nicht vorgreifen und nicht das ganz große Fass aufmachen. Aber sollten sich diese Vorwürfe bestätigen, gehe ich davon aus, dass bald auf Bundesebene Politiker-Köpfe rollen werden, zumindest Schäubles Birne sitzt dann ziemlich lose. Er war nämlich als damaliger Innenminister derjenige, der sich wie folgt äußerte zu besagtem Bundestrojaner (Quelle:heise.de):

Die Ermittlungs-Software wird nicht zu einer Beeinträchtigung der auf dem betroffenen Rechner installierten Sicherheitssoftware führen", heißt es in Schäubles Haus bestimmt. Dritten werde somit ein Eindringen in den betroffenen Rechner durch den Einsatz des Bundestrojaners nicht erleichtert. Außerdem werde sichergestellt, dass die Software "keine eigenen Verbreitungsroutinen und einen wirksamen Schutz gegen Missbrauch durch Dritte beinhaltet

Im Jahr 2008 gab es auch ein Urteil vom Bundesverfassungsgericht, welches den Verfechtern dieses Bundestrojaners die meisten Zähne gezogen hat. Besagte Software ermöglicht den Zugriff auf Rechner von vermeintlichen Terroristen – zumindest ist dieses Terroristen-Märchen das, was man immer gerne vorschiebt, egal, ob man im Irak auf die Suche nach Massenvernichtungswaffen geht, oder eben private Rechner ausspioniert. Nach dem Gerichtsurteil wurden die Möglichkeiten des Bundestrojaners stark beschnitten, lediglich die Kommunikation von verdächtigen Personen – beispielsweise via Skype – durfte angezapft werden. Nicht erlaubt ist es, dass auf die Festplatten zugegriffen wird, dass durch den Eingriff die Sicherheit des Rechners gefährdet wird und natürlich darf man auch nicht selbstständig irgendwie geartete weitere Software installiert wird.

Jetzt sind dem CCC von mehreren Personen Hinweise zugespielt worden, die vermuten lassen, dass es sich hier tatsächlich um den Bundestrojaner handelt. Genießt das aber bis zur Bestätigung erst einmal mit Vorsicht, bevor ihr Teil des Shitstorms werdet, der auf Schäuble, den aktuellen Innenminister Friedrich und das BKA niederprasseln wird. Der Club hat diesen Trojaner gehackt und einige unschöne Dinge ans Tageslicht gebracht. Lest euch die oben verlinkte Datei durch und ihr werdet sehen, dass all diese – und noch viel "tollere" Dinge möglich sind, wenn die Geschichte des CCC wirklich wasserdicht ist (und den Anschein erweckt sie auf mich zumindest gerade). 

Demnach wird natürlich nicht "nur" eure Skype-Kommunikation überwacht. Es ist problemlos möglich, weitere Software nachzuladen, die logischerweise aus der Ferne gesteuert werden kann. Es können Screenshots gemacht, Keylogger installiert und Festplatten durchsucht werden. Sogar das Aktivieren der Webcam ist möglich, ohne dass ihr auch nur eine Ahnung habt, was gerade auf eurem Rechner passiert. Das Sahnehäubchen auf der ganzen Geschichte ist aber natürlich, dass hier genau das ermöglicht wird, was um jeden Preis vermieden werden sollte: Scheunentor-große Sicherheitslücken ermöglichen nun Dritten, sich ebenfalls Zugang zu verschaffen. Statt also uns zu schützen, was ich einer Regierung ja etwas blauäugig latent unterstelle, setzen sie uns überhaupt erst einer richtigen Gefahr aus – vermutlich wieder mal mit der Überzeugung, den absolut richtigen Weg zu gehen.

Egal ob Bundestrojaner, Zensursula oder jede andere netzpolitische Geschichte: die Regierung beweist ein ums andere Mal, dass das Internet immer noch nicht verstanden und im Zweifelsfall als Feind betrachtet wird. Alte Menschen entscheiden über Dinge, die sie schlicht und ergreifend nicht raffen und das macht mir langsam echt Angst. 

Natürlich ist diese Story ein gefundenes Fressen für die Piratenpartei, die gerade erstmals wirklich wahrgenommen wird in Deutschland, seit man in Berlin jüngst für Furore sorgen konnte. Ebenso natürlich ist die Forderung der Piratenpartei nach personellen Konsequenzen, sollten sich die Vorwürfe bestätigen. Von vielen Bürgern (und Politikern sowieso) werden die Piraten nach wie vor belächelt. Eine absolute Umwelt-Katastrophe in Fukushima hat dafür gesorgt, dass die zur ernsthaften Wahl-Alternative gereifte Partei der Grünen so erfolgreich wie nie zuvor dasteht – würde sich jetzt herausstellen, dass sich die ständig wegen Datenschutz-Bedenken auf Google und Facebook einprügelnde Regierung als der eigentlich größte Feind des Datenschutzes beweist, könnte die Piratenpartei hier ihren kleinen Fukushima-Moment verbuchen, wenn sie sich geschickt genug anstellen. So langsam begreift auch der Otto Normalverbraucher, dass dieses Internet nicht mehr weggeht und es wichtig ist, sich damit gründlichst auseinanderzusetzen. Gleichzeitig wächst die Relevanz der Piratenpartei und mit jedem netzpolitischen Fehltritt der etablierten Partei werden wieder unzählige neue Wähler ins Lager der Piraten gespült. 

Weitere Links zum Thema:

FAZ: Code ist Gesetz 

Pressemitteilung der Piratenpartei (btw: gibt es eigentlich Pressemitteilungen anderer deutscher Parteien bislang?)

Tagesschau.de

heise.de: CCC knackt Staatstrojaner

CCC: Staatstrojaner

Netzpolitik.org: CCC über das Innenleben des Bundestrojaners

  • http://twitter.com/unkreativnet Stefan

    Es gibt eine Pressemitteilung von den Grünen in Voerde ;-)
    Weiß ich zufällig, weil ich sie geschrieben habe :-D

    http://www.gruene-voerde.de/presse.html?view=details&id=21

  • Pingback: Ich sag mal

  • Pingback: Der Ruhrpilot | Ruhrbarone

  • Pingback: Bundestrojaner /Staatstrojaner – Illegale Machenschaften des Staates und seiner Organe

  • Info-Gast

    Ja das ist schon skandalös mit dem Staats-Trojaner, was sich der Staat hier mitlerweile alles rausnimmt. Was mit so einer Software, in falschen Händen, alles angerichtet werden kann, mag ich mir an dieser Stelle lieber nicht genauer vorstellen wollen. Im Jahr 2010 war es glaube ich, wurde ja bereits gegen einige Polizeibeamte intern ermittelt, was da rausgekommen ist, weiß ich zwar nicht, aber es ging da um Bankdaten-Klauereien. Beamte sollen da irgendwie Gelder von “fremden Rechnern” transferiert haben und das Geld über Prepaid-Kreditkarten abgehoben haben usw. – das zeigt zumindest, was “unterbezahlte Personen”, die Zugriff (auf derartige Software) und ein wenig technische Ahnung haben, alles anrichten können. Wenn nun jede kleine Polizei mit derartigen Schnüffelprogrammen ausgestattet wird, holla die Waldfee, dann wird sicherlich die “Krimianlstatistik ansteigen. Aber auch unliebsame Journalisten und und und – das Feld ist sicherlich riesengross, in welchem da “Anwendungsmöglichkeiten” bestehen und, wenn auch verdeckt, verschleiert, zum nutzen einiger “Personen” positiv sein könnten.


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