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24 Nov, 2011

Gastbeitrag: Was World of WarCraft, Apple und Nintendo gemeinsam haben

Posted by: Casi In: Games|Gastbeitrag|Technik|World wide web|zweipunktnull

Dieser Artikel ist ein Gastbeitrag von Christian Faller, einem Blogger-Kollegen vom Gefahrgut Blog. Gefahrgut ist ein studentisch gegründetes Projekt das sich kritisch aber auch humorvoll mit digitalen Trends auseinandersetzt. Dort findet ihr Artikel von QR-Code Fails bis hin zum schlechten Ruf der Werbebranche. Aber genug des Vorworts – viel Spaß mit dem Artikel von Christian!

World of Warcraft… ein Phänomen ohnesgleichen: Millionen von Spieler, zahlreiche Fortsetzungen, legendäre falsche ZDF Berichterstattungen und schubkarrenweisen Umsatz für den Entwickler Blizzard. Gerade erst vor wenigen Tagen wurde der neue Werbespot für das MMORPG veröffentlicht. Und siehe da: Chuck Norris. Nicht lange nach der Veröffentlichung stürzte sich die Fangemeinde bereits auf das Video wie ein Pack hungriger Wölfe. Millionen von Augenpaaren haben das Ding alleine in der letzten Woche gesehen. Anlass genug, um darüber zu sinieren, was das Spiel so erfolgreich macht. Denn dabei tun sich erstaunliche Parallelen zu anderen Größen wie etwa Apple auf. Es wäre zu einfach zu behaupten, World of Warcraft sei das erfolgreichste Spiel aller Zeiten, weil es einfach eine gute Spielmechanik hat. Klar, das hat es auch, aber hinter der Kulisse spielt sich viel mehr ab. Vor allem im Bereich Marketing ist Blizzard nämlich ein Geniestreich gelungen.

Wenn wir zurück denken vor den Launch des Spiels – also vor ziemlich genau 7 Jahren – an welche MMORPGs erinnern wir uns dann? Richtig, an so gut wie gar keine. Eventuell an Dark Age of Camelot, das aber nur von Nerds gespielt wurde, die zwischen ihren D&D Sessions noch eine Nebenbeschäftigung brauchten. Und sind wir mal ehrlich… Für Online Games bezahlen? Damals undenkbar! Oder mit anderen Worten: MMORPGS waren ein Nischenprodukt für Hardcore Fantasy Fans.

Was hat das mit Apple zu tun?

 Wenn wir nun an Apple denken, gibt es eine ganz ähnliche Vergangenheit. Natürlich – jede neue Firma bedient am Anfang nur eine Nische, aber das meine ich nicht. Produkte die das (ehem.) Jobs Imperium heute verkauft – hochpreisige Smartphones, Tablet PCs, Designer Notebooks und eben High-Tech Gadgets – hätten sich vor einigen Jahren bestenfalls Early Adopter oder Tech-Freaks ernsthaft zugelegt. Und sicherlich nicht meine Eltern. Apple ist es gelungen ein High-Tech Produkt im obersten Preissegment zu einem Massenmarkt zu machen, und diesen zu dominieren. Ein Markt, den es vorher so nicht gab. Blizzard ist es gelungen ein bezahlpflichtiges Online Rollenspiel zum lukrativsten Segment der Gaming Branche zu machen, und dieses zu dominieren. Ebenfalls ein Markt, den es vorher so nicht gab. Plötzlich erreicht ein MMORPG auch ganz normale Leute, Wenig-Spieler oder bodenständige Erwachsene. Nintendo ist es gelungen mit der Wii das Familien Segment zu erschließen, welches vorher keine wirtschaftlich relevante Größe für Konsolen war. Auch hier wurde ein Markt geschaffen, anstatt sich mit der Konkurrenz Grabenkämpfe um die ohnehin wenig liquiden Jugendlichen zu liefern. Diese Beispiele sind jedoch nicht üblich. Das durchschnittliche Erfolgsunternehmen tut nämlich eher etwas, das viele andere auch tun, nur eben besser. Nike zum Beispiel macht Schuhe, so wie Hunderte anderer Hersteller auch. Nur besser. Die Gewinnmarschen sind beim Apple und WoW Konzept allerdings viel höher, da der neu erschlossene Markt einem quasi alleine gehört. Stellt Euch vor Apple hätte ein Open-Source Smartphone entwickelt, bei dem man alles selbst einstellen und konfigurieren kann und der Appstore eine freie Marktwirtschaft ist. Und selbst wenn sie es besser gemacht hätten als HTC, Nokia, Samsung und Motorola, wären die Gewinne deutlich schmäler, da sie mit diesen Herstellern um jeden einzelnen Kunden streiten müssten.

Sehr schön. Aber wie haben die das gemacht?

Um einen Erklärungsversuch zu wagen, wie ein solcher Sprung zu bewältigen ist, möchte ich bei meinem Eingangsbeispiel bleiben: World of Warcraft. Es gibt meiner Meinung nach vor allem 3 Faktoren, die für den Erfolg des Spiels maßgeblich sind:

1. Das Spiel an sich: WoW hat eine super einfache Spielmechanik, in die Spieler jedes Skill Levels leicht einsteigen können (ihr merkt, ich kenne mich aus… hust). Zudem spricht die putzige Grafik nicht nur RPG Nerds an, sondern gefällt irgendwie jedem. Auch die Story-Line ist – vor allem in den extrem ausgefeilten Startgebieten – selbsterklärend und schafft es neue Spieler sofort in ihren Bann zu ziehen. Wer einmal probespielt, der bleibt meist hängen – so zumindest meine Vermutung. Ähnlich sieht das auch bei Apple aus. Einfacher zu handhabende Produkte gibt es quasi nicht. Und auch die Wii ist extrem intuitiv zu bedienen, obwohl die Technik damals vollkommen neu war.

2. Die Werbekanäle und Botschaft: Blizzard wirbt nicht nur online, wo die Ur-Zielgruppe abhängt, sondern auch im Fernsehen, in Print und auf Events. Damit öffnen sie die Türen zu vollkommen neuen Personenkreisen. Und das machen die wenigsten Spiele. Die vielen lustigen Werbespots haben zum Beispiel alle die gleiche, simple Aussage: In World of Warcraft kannst du einen Fantasie Charakter schaffen und dich damit in einer anderen, atemberaubenden Welt bewegen. Nicht etwa: Es gibt X Rassen und X Klassen und man kann jeden Tag 24,231 Quests machen und dafür XP bekommen. Genauso Apple: Ihr werdet niemals einen Werbespot für ein Macbook sehen, in welchem der Arbeitsspeicher des Geräts beworben wird. Die Aussage ist auch hier simpel. "Das Gerät funktioniert, sieht Hip aus, und es erledigt alles im Alltag anfallende wie im Spiel." Ganz am Rande ist auch zu erwähnen, dass Blizzard schon zuvor eine ganze Reihe lustiger Spots gedreht hat. Etwa mit Mr T. oder mit Ossy Osbourne – alles Leute, die eigentlich nichts mit Videospielen am Hut haben. Und die haben teilweise 5 Millionen Views alleine:

3. Psychologie: Blizzard weiß, dass der Hauptgrund für Untätigkeit Barrieren sind. Sie wollen, dass wir keinerlei Barrieren sehen, uns zum Spiel anzumelden. Und was wäre besser als ein paar Tage gratis testen? Völlig unverblindlich natürlich! Damit ist die Hauptbarriere beseitigt: Der Preis. Es gibt kein Risiko mehr, das Spiel auszuprobieren! Jeder Kunde, der auch nur im Entferntesten daran interessiert ist zu spielen, kann das deswegen auch tun. Man kann den Game Client kostenlos herunterladen. Man kann kostenlos anspielen. Man kann sogar schon während der Installation anfangen zu zocken. Und vieles mehr. Alle diese Marketing Aktivitäten sind, wenn man genau hinsieht, also direkt an potentiellen Umsatz geknüpft. Sieht man eine Facebook Werbeanzeige, so kommt man beispielsweise direkt auf diese Seite wo der Sale versucht wird.

Durch diesen Mix gelingt vor allem eines: Ein völlig neuer Markt wird erschlossen

  1. Durch den Mediamix werden auch Leute erreicht, die nicht Computer Magazine lesen oder auf einschlägigen Websites surfen (Apple wirbt schließlich auch nicht nur in Technik Magazinen)
  2. Die Botschaft ist so simpel, dass sie wirklich jeder versteht
  3. Und durch das virale Potenzial der Clips, haben diese eine extrem hohe Reichweite (man denke auch an die "Buy a Mac" Spots)
  4. Im letzten Schritt ist Blizzard dann noch so schlau und antizipiert die möglichen Ängste und Barrieren: Jeder kann ohne die Angabe von Kreditkarteninfos kostenlos losspielen
  5. Und bestehende Spieler können sogar ihre Freunde zum Spiel einladen und mutuelle Boni kassieren

Nun, zugegeben, dieses Konzept ist sicherlich nicht für jedes Produkt übertragbar. Aber es macht deutlich, dass Erfolg nicht durch eine abgefahrene Idee vorprogrammiert ist. Apple, Blizzard und Nintendo haben vielleicht das beste Produkt. Aber vielleicht auch nicht. Was den großen Unterschied tatsächlich ausmacht, ist nicht so sehr die Qualität des Angebots, sondern vielmehr die Zielgruppe, welcher sie das Produkt verkaufen. Ja, in gewisser Hinsicht verändern alle drei Firmen sogar unser Verständnis der gesamten Produktkategorie. Auf ewig! –

Gastartikel geschrieben von Christian Faller. Über Feedback in den Kommentaren oder per Direktkontakt zum Gefahrgut Blog freuen wir uns natürlich riesig. Vielen Dank an alle zweipunktnull Leser!


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