12 Feb, 2012
Whitney Houston: The greatest voice of all stirbt mit 48 Jahren
Manchmal wundere ich mich über das, was ich hier tue. Manchmal lasse ich mich zu sehr persönlichen Einblicken hinreißen, wo ich hinterher Angst vor meiner eigenen Courage bekomme und manchmal sitze ich im 20. Stock eines Hotels und schaue während des Schreibens auf den Las Vegas Boulevard und kann nicht fassen, dass ich wegen meiner Schreiberei dort hocke. Na und manchmal wird man zu einer ungehörigen Zeit wach an einem Sonntagmorgen, will eigentlich nur kurz auf die Toilette huschen – und schaut mal schnell über seinen Facebook-Stream.
Dort sieht man dann, dass entschieden zu viel Whitney Houston-Content die Timeline bevölkert. Leute, die unabhängig voneinander die Videos eines bestimmten Künstlers posten, waren noch nie ein gutes Zeichen – fragt nach bei Michael Jackson und Amy Winehouse. Und so ist es auch in diesem Fall, wie ein schneller Blick in die Tagespresse zeigt: Whitney Houston ist mit 48 Jahren gestorben, sie wurde in einem Hotelzimmer aufgefunden in Beverly Hills. Es heißt, man habe zum jetzigen Zeitpunkt keinen Hinweis darauf, dass ihr Tod durch Drogen herbeigeführt wurde, aber dennoch hat die Geschichte diesen faden Beigeschmack, weil sie ihren Körper über so lange Jahre systematisch ruiniert hat.

(Foto: dpa)
Mir persönlich kommt direkt wieder Amy Winehouse in den Kopf, weil sie ebenfalls eine so großartige Stimme hatte und sich ebenfalls selbst ruiniert hat. Und es kommt mir Michael Jackson in den Sinn – und das fühlt sich weitaus schlimmer an. Wieso? Weil es so scheint, als habe mich auch Whitney so wie Michael mein ganzes Leben begleitet. Damit meine ich nicht, dass ich ihre Sachen ständig gehört hätte, so war es nicht. Aber ebenso wie bei Michael Jackson war sie in meiner Teenager-Zeit bereits ein Weltstar und hat über die Jahre sowohl mit ihrer Musik als auch mit ihren Eskapaden Schlagzeilen gemacht. Ebenso wie bei Jackson hörte ich in den letzten Jahren immer nur von ihr, wenn sie entweder wieder für einen Skandal gesorgt hat oder mal wieder ein Comeback-Versuch starten wollte.
Ich war 14, als ich sie das erste Mal in einer deutschen Fernseh-Show namens "Peters Pop Show" sah – eine Sendung, vergleichbar mit "The Dome" – nur halt mit richtigen Stars. Dort stand ein total niedliches Mädchen Anfang 20, welches gerade ihren ersten Nr.1-Hit im Gepäck hatte und wahrlich durch ihre Stimme alle Zuschauer förmlich weggeblasen hat. Diese Dinge fallen einem im Angesicht einer solchen Todesmeldung wieder ein, ebenso wie ihre Songs wie "One moment in time" oder "i wanna dance with somebody".
Ganze Heerscharen von Casting-Teilnehmern von X-Factor über DSDS bis Supertalent versuchen sich immer noch – zumeist vergeblich – an ihren großen Hits, wohl mit ein Grund dafür, wieso ich so gut wie nie den Drang verspürte, mir ihre Lieder nochmal reinzuziehen. Ich will auch gar nicht heucheln, ein großer Fan ihrer Musik gewesen zu sein, aber zumindest ihr erstes Album habe ich damals viel gehört – eben 1985 – und Lieder wie "all at once" gefallen mir auch heute noch ausgesprochen gut. Das ist vermutlich auch der Grund, warum mir die Geschichte nahe geht und wieso ich hier jetzt am immer noch frühen Sonntag – nachdem ich eine halbe Stunde lang Whitney-Clips auf YouTube geschaut habe – diese Zeilen schreibe: diese für mich goldenen Zeiten haben wieder ein Gesicht verloren. Freddie Mercury, Patrick Swayze, Michael Jackson, Whitney Houston: so langsam sterben mir die achtziger Jahre unterm Arsch weg und gerade seit dem Tod meiner Mutter berührt mich das – eben auch in dem Fall, dass ich den Weg eines Künstlers schon lange nicht mehr begleitet habe. Mittlerweile sind über 30 Jahre vergangen, seit ich zuhause am Radio der Musik gelauscht habe, die mich für mein Leben geprägt hat und vermutlich ist auch jede dieser Todesmeldungen ein Wink, dass für mich die Einschläge langsam näherkommen. Das lässt mich – auch jetzt wieder – ein wenig fassungslos zurück und beraubt mich der Hoffnung, dass ich an diesem Sonntagmorgen nach Schreiben dieses Artikels einfach nochmal schnell ein, zwei Stunden weiterschlafen kann.


