Die ganze Internet-Welt richtet den Blick auf Google, die heute im Laufe des Tages (Abends, Nacht, whatever…) ihren nagelneuen Google Browser namens Chrome launchen wollen. Man kann Einiges erwarten, aber man darf auch Einiges befürchten. Neben den Jubelschreien der bloggenden Zunft vernimmt man auch leisere, kritischere Töne. Meistens geht es bei dieser Kritik um die Vormachtstellung Googles im Internet. Chrome - welcher im Endeffekt mehr Browser+Web OS sein möchte als nur ein stinknormaler Browser - könnte dem Unternehmen zu viel Macht über den User verschaffen. Was will Google noch erreichen? Will Google einfach nur das Schreckgespenst Microsoft eliminieren und bleibt für uns normale Internetnutzer die gute Web-Fee, bei der alles so schön bunt und so schön gratis ist? Oder glaubt man den lauter werdenden Stimmen, die in Google eher eine riesige Daten-Krake sehen, die mächtiger und mächtiger wird und uns unserer Freiheit und Intimsphäre beraubt im Netz?
Es wäre etwas vermessen, darauf eine hundertprozentig passende Antwort parat zu haben - und vermutlich liegt die Wahrheit wieder irgendwo genau dazwischen. Fakt ist jedenfalls, dass Google nicht immer nur der nette Kumpel ist, der innovative Applikationen für Nüsse raushaut und sich lediglich seiner zufriedenen Nutzer erfreuen will.
Sehr plötzlich mußte das jetzt auch die google-unterstützte Öko-Suchmaschine Forestle feststellen.
Möchte man dort nach einem Begriff "googlen", erscheint da nun ein Text, welcher die aktuelle Lage beschreibt. So heißt es dort u.a.:
Liebe Forestle-Nutzer,
Wir haben soeben eine Email von Google erhalten, in der Google die Partnerschaft mit Forestle beendet hat. Laut Google haben wir mit Forestle "Anreize geschaffen, künstlich auf Google-Anzeigen zu klicken", was gegen die Programmrichtlinien von Google ist..
Wir stimmen diesem Vorwurf nicht zu!
Wir haben ganz oben auf der Forestle Ergebnisseite extra einen Hinweis angebracht, der die Nutzer auffordert "nur auf Anzeigen zu klicken, wenn ein echtes Interesse daran besteht." Zudem retten wir 0.1 m² Regenwald pro Suche und nicht pro Klick. Wodurch haben wir also Anreize zum Klicken auf Anzeigen gegeben?
Hmm, bei aller Liebe zu bzw Sympathie für Google. Aber die Geschichte mit dem Klickanreiz erschließt sich mir auch nicht ganz. Stößt sich Google wirklich an angeblich künstlich erzeugten Klicks? Oder gibt es wirklich irgendwelche Greenpeace-Hardliner, die von morgens bis abends auf die Google-Anzeigen klicken, weil sie das System nicht ganz begriffen haben und so immer noch hoffen, täglich den ein oder anderen Regenwald zu retten? Es ist jedenfalls nicht das erste Mal, daß Google eine so ökologisch ausgelegte Zusammenarbeit plötzlich beendet und wieder flüchtet man sich in eventuelle Regelverstöße seitens des umweltbewußten Partners.
Auch hier kann man nur über die wahren Beweggründe spekulieren.
Christian Kroll - seines Zeichens hauptverantwortlich für Forestle - scheint der Schrecken jedenfalls nicht gelähmt zu haben, denn auf der gleichen Seite, die ich oben bereits zitiert habe, wird auch auf eine umweltbewußte Suchmaschine hingewiesen, die auf den Namen "Znout" hört. Umweltbewußt deswegen, weil sie dank schwarzem Hintergrund bis zu 30% Strom sparen soll bei der Internetsuche und zudem würden durch solarstrombetriebene Eco-Server bis zu 55% Energie gespart. Klingt erst mal lobenswert, aber beeindruckt auf den ersten Blick nicht annähernd so wie die Geschichte mit dem Regenwald - ist zumindest mein persönlicher Eindruck.
Mir stellt sich jetzt lediglich die Frage, ob Christian Kroll einfach unverschämt schnell programmiert, oder ob er diesen Plan B für seine Suchmaschine längst fertig in der Schublade hatte. Und falls Letzteres zutreffen sollte: Wo bestehen dann wirklich die Unterschiede zwischen diesen beiden Suchmaschinen?
Znout ist erst mal - wie angekündigt - dunkler als Google oder Forestle. Es gibt allerdings oben rechts einen Button, mit dem man alternativ auf den weißen Hintergrund ausweichen kann. Wenn man das tut, wird man feststellen, dass Znout zumindest schon mal im Design ein Zwilling von Forestle ist.
Unterm Strich bedeutet das also, dass der selbe Verantwortliche fast die selbe Suchmaschine startet und sie wieder klimaschonend ausrichtet - nur dass in diesem Fall Google noch/wieder mit an Bord ist als Partner. Wenn man sich etwas mehr Mühe gibt und den Quelltext vergleicht, findet man auch die identische Google Publisher ID.
Glaubt was Ihr wollt, aber für mich entsteht so der Eindruck, dass man exakt das gleiche Projekt unter anderem Namen neu gestartet hat. Mit der Einschränkung, dass Google mit Argusaugen beobachten wird, ob auf einen zu rettenden Regenwald hingewiesen wird und sich somit die Geschichte wiederholen würde. Also läßt man den Hinweis einfach weg, versucht via klimaschonender Technik das gleiche Klientel wie vorher zu bedienen und alle sind vorerst zufrieden.
Muß natürlich nicht so sein - aber es paßt einfach alles zu schön zusammen
written by Casi
\\ tags: forestle, Google, Google Chrome, Regenwald, Znout
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