Sep 10

 Zumindest für das Internet mag die Überschrift stimmen. Während ich früher aus sage und schreibe 3 Fernsehprogrammen wählen konnte, hab ich heute nicht nur die Wahl zwischen Dutzenden verschiedenster Programme, als Internetnutzer kann ich gar auf Hunderte von Kanälen weltweit zugreifen. Sogar noch besser: Viele Sendungen kann man sich unabhängig von einem Sendetermin dann anschauen, wann es einem paßt. Gleiches gilt natürlich für Youtube u Co: Seinerzeit hab ich - mit einer Videocassette bewaffnet - am TV gehockt und gewartet, dass bei Formel 1 endlich das neue Depeche Mode-Video lief - heute ist es nur einen Klick von mir entfernt.

Das Fernsehen ist aber nur eines von sehr vielen Beispielen. Ähnlich begeistert bin ich darüber, dass ich Tausende Radiosender hören kann, so gut wie jede Zeitung online lesen kann (und das sogar noch, bevor der große Printbruder erhältlich ist), dass ich - ohne stundenlang am Telefon zu hängen - weiss, wer meiner Freunde gerade was tut und wo ich wen heute treffen kann. Schöne neue Internet-Welt, könnte man meinen.

In Zeiten von (Micro-)Blogs, Messengern und RSS-Feeds ist durch all diese Entwicklungen das entstanden, was man als "Noise" beschreibt. Mein Google Reader verspottet mich, wenn ich versuche, die ungelesen Nachrichten gen Null tendieren zu lassen, Über verschiedenste Kanäle bekommt man neue Musik bzw Künstler empfohlen, denen man aber unmöglich allen lauschen kann und bei immer mehr werdenden Blogs hält man auch nur äußerst schwer den Überblick und muß sich darüber im Klaren sein, dass man so manche Perle in der Blogosphäre vielleicht nie entdecken kann.

Das virtuelle Ei des Columbus in dieser Hinsicht scheinen Lifestreams bzw Aggregatoren zu sein. Dienste wie FriendFeed bündeln unsere RSS-Feeds, Blogbeiträge, favorisierte Youtube-Videos, geliebte last.fm-Songs und vieles mehr. Dieser daraus entstandene Stream ist dann für jeden meiner Freunde bei FriendFeed zugänglich - und umgekehrt kann ich natürlich auch den Stream anderer Personen mitverfolgen. 

Die meisten Leser hier brauchen natürlich keine Nachhilfe in Sachen Lifestream, ist mir schon klar ;) Viel mehr möchte ich festhalten, dass ein solcher Stream noch lange nicht der Weisheit letzter Schluß ist - denn statt viel mehr Übersicht zu erhalten, kann es (und wird es in den meisten Fällen auch) noch lärmiger, weil ein Vielfaches an Informationen aufläuft - Informationen, die man vorher vielleicht gar nicht so auf dem Radar hatte…Es gibt einen Überfluß an Information - man kann de fakto nicht mehr alles lesen, was man zu einem Thema findet. 

Also wird es immer wichtiger, welche Features ein solcher Aggregator bieten kann. Kann ich verschiedene Kontakte bündeln oder unterschiedlich gewichten, kann ich einzelne Elemente des Streams ausblenden usw. Diesbezüglich bietet FriendFeed heute schon wirklich eine Menge und ich habe auch das Gefühl, dass dahinter fähige Leute stecken, die FriendFeed wirklich sinnvoll erweitern und - was auch sehr wichtig ist - genau hinhören, was die Nutzer zu sagen haben und diese Wünsche nach Möglichkeit mit berücksichtigen.

Aber das Internet wäre nicht das Internet, wenn nicht immer wieder ein neuer Player das Spielfeld betreten würde um den Platzhirsch zu attackieren. Millionenfach gemachte Google-Querverweise schenk ich mir jetzt mal ;)

Neben Aggregatoren, die ich auch schon thematisiert habe, möchte ich heute einen dieser neuen Player vorstellen, der jüngst auf der TC50 einem größeren Publikum vorgestellt wurde: Popego

Wie immer will das neue Startup in seinem Bereich vieles anders und alles besser machen. Wie Markus Spath bei netzwertig.com schon feststellt, will Popego uns nun eine Menge Arbeit abnehmen, in dem es das "Beste" für uns rausfiltert. Dazu muss ich gleich mal anmerken, dass ich es immer bedenklich finde, wenn mir jemand sagen möchte, was für mich "das Beste" ist. Letzten Endes kann nur ich für mich wirklich entscheiden, was lesenswert ist und was nicht, aber schauen wir es uns erst mal an :)

Popego

Das soll geschehen, indem wir anfangs - wie üblich - unsere verschiedenen Accounts bei Twitter, flickr und Co eingeben - den Rest will Popego dann von selbst errechnen. Sehr angenehm übrigens, wie Popego mir schon meine diversen Accounts bereits vorschlägt, während ich noch dabei war rauszufinden, wie ich denn eigentlich nochmal bei StumbleUpon heisse ;)

Während das alles sehr angenehm und intuitiv zu bewerkstelligen war, zeigten sich danach erste Performance-Schwierigkeiten. Wiederholt wurden mir Internal Server Errors angezeigt. Somit kann ich gerade nicht beurteilen, wie sich der Stream und vor allen Dingen die für mich erstellte Interessenauswahl gestaltet. Wenn es nämlich mal funktioniert, meine Popego-Seite zu aktualisieren, wird mir ein leerer "interest feed" angezeigt. Ich möchte aber die Seite jetzt nicht aufgrund dieser Schwierigkeiten verreissen, sondern weise drauf hin, dass ich mich noch einmal in den nächsten Tagen damit befassen werde, in der Hoffnung auf dann bessere Performance ;)

Apropos bessere Performance: Ein anderer Gegenspieler von FriendFeed hat schon einige Monate intensive Beta-Arbeit hinter sich und hat somit die closed-Beta-Phase gerade abgeschlossen. Die Rede ist von lifestream.fm! Hat dieser Dienst von Anfang an schon einen richtig guten Eindruck gemacht, gestaltet sich der Blick auf die Neuerungen noch einmal positiver. Im Vergleich zu der geschlossenen Beta-Phase kann man sich per Klick auf den "Funktionen"-Button jeden Link auch aufs Handy schicken lassen. Man erhält dann einen Link per SMS geschickt, der dann auf den gewählten Artikel verweist. Finde ich persönlich ein richtig starkes Feature.

Weiterhin finde ich es richtig toll, dass man ein item eines Users nicht einfach nur per "like" oder "love"-Funktion markieren kann, sondern es direkt auch bei stumbleUpon, Mister Wong oder Facebook speichern kann. Meiner Meinung nach bringt das dem verlinkten User/Artikel auch wesentlich mehr als ein bloßes "like" wie bei FriendFeed. 

Desweiteren können flickr-Bilder direkt im Stream vergrößert werden und verlinkte Seiten in einem Vorschaubild angezeigt werden. Zusammen mit den bereits etablierten Neuerungen kann man lifestream.fm wohl zweifellos bescheinigen, einer der ersten Anwärter zu sein, wenn es darum geht, an FriendFeeds Thron zu rütteln. 

 

 

 

 

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Aug 26

 

Es wird einem derzeit nicht leicht gemacht im ZwoNull-Business in diesen Tagen. Ein Beispiel: Gestern bewundere ich das überarbeitete, ziemlich twitterige Status-Eingabefeld bei Facebook. Weil ich schon mal da war, hab ich auch gleich meinen Status geändert: "Carsten fragt sich, wer überhaupt noch FriendFeed braucht, wenn Facebook so weiter macht"

Sicher nicht ungewöhnlich, dass man auf Plattform A auch mal Plattform B thematisiert. Aber bezeichnend für diese Lifestreamisierung der letzten Monate, dass ich einen Kommentar zu dieser Statusmeldung erhalte - auf Lifestream.fm!

Die auf Plattform A gestellte (rhetorische) Frage über Plattform B wird u.a. auf Plattform C zur Kenntnis genommen und kommentiert. Schöne neue Welt, oder? Ich mag diese Aggregiererei wirklich, aber fragt Ihr Euch nicht auch manchmal, wann bzw wo Schluß sein wird? Wieviel kann man noch verarbeiten an Signalen? Schon jetzt kann man ja unmöglich jeden Bericht lesen, jede Frage beantworten oder jedes Bild anschauen, welches über die Feed-Ströme über uns hereinbrechen.

Aus unserer Sicht betrachtet wird es immer wichtiger, die vermeintlich wichtigen Töne in diesem Noise-Universum herauszufiltern und die vermeintlich unwichtigeren Töne eher auszublenden. Was jetzt wichtig und unwichtig ist, entscheidet natürlich jeder für sich, entscheidend ist eher die Frage, wo man am ehesten diesen Lärm bearbeiten, abarbeiten, bewältigen kann.

Auf netzwertig.com gab es gestern einen lesenswerten Artikel zu dem Thema der Facebook-Statusmeldungen und welche Rolle diese Entwicklung für FriendFeed haben könnte. Wer es noch nicht gelesen hat: Nachholen, jetzt, sofort! ;)

Einen ähnlichen Gedanken wie Martin habe ich hier auch schon mal verfolgt und bleibe auch dabei: Vielleicht wird es Facebook sein, das den Lifestream-Gedanken in die weite Welt trägt - einfach weils ein Unterschied ist, ob Millionen von Facebook-Usern ein neues Feature ausprobieren möchten oder ob im stillen Blog-Kämmerlein von wenigen Tausend Internetschreiberlingen von FriendFeed geschwärmt wird.

Die breite Masse wird entscheiden, wo man sich in Zukunft zu informieren hat, wenn man die Datenströme seiner Freunde im Blick haben wird. Entweder sehen FriendFeed, Lifestream.fm und Co zu, dass sie genau dort hinkommen - oder man überläßt Facebook kampflos dieses Feld, welches sich das Social Network dann quasi im Vorbeigehen eingesackt hätte.

Zum Glück ist es ja noch lange nicht so weit. Zum Glück deswegen - bei aller Sympathie für Facebook - weil das innovativere und ausgefeiltere Tool natürlich immer das sein wird, welches von Menschen gestaltet wird, die nichts anderes im Fokus haben als eben das Lifestreaming. Bei Facebook wird es immer nur eine Facette eines Social Networks bleiben.

Andererseits muß man Facebook zugestehen, dass sie dort bereits Features bieten, die selbst FriendFeed noch nicht auf dem Zettel hatte und die nun implementiert werden. So kann man jetzt - endlich möchte man sagen - bei FriendFeed eigene Listen anlegen, um der Datenflut Herr zu werden. Klar konnte man manuell bestimmte Dinge aus dem Stream eines Freundes ausblenden, aber der Königsweg ist da doch eher der, der über von mir selbst definierte Usergruppen führt.

Listen in FriendFeedAuf diesem Bild sieht man die von FriendFeed vorgegebenen Listen: Favorites, Personal und Professional. Logischerweise ist es jedem selbst überlassen, ob er auf diese Vorschläge eingeht, oder lieber eigene Listen anlegt.

Ebenfalls eine Funktion, die es bei Facebook bereits gibt, ist der Upload von Fotos. Sobald das neue FriendFeed-Interface die Betaphase verläßt, wird es dann auch dort möglich sein und im Gegensatz zu Marcel denke ich, dass davon sicher auch eifrigst Gebrauch gemacht werden wird.

Im Großen und Ganzen jedenfalls ein schönes und fälliges Update, weil man auf die Noise-Entwicklung reagieren musste seitens FriendFeed.

 

 

 

 

Neben den Lifestream-Anbietern bewegen mich gerade vor allem die Entwicklungen auf dem Microblogging-Sektor. Wird Euch nicht entgangen sein, so Ihr hin und wieder hier mitlest ;)

Auch da steht man vor mehreren Alternativen: Nimmt man Twitter, weils am meisten verbreitet ist? identi.ca, weils open source ist? Plurk, weils so schön bunt und kommunikativ ist? Oder doch lieber Rejaw, der von allem etwas ist und statt 140 Zeichen immerhin 1000 Zeichen zur Verfügung stellt? Irgendwie find ich derzeit identi.ca am sympathischsten - dummerweise hat der laconica-Sproß natürlich noch nicht annähernd den Zuspruch wie Twitter. Daher ist es jedenfalls schon mal schön, dass man zumindest einen Weg gefunden hat, wie die "Dents" bei identi.ca zu Twitter transportiert werden können.

Das jedoch stellt mich direkt vor ein neues Problem: Manche Dinge sind eher für meine Freunde bei Twitter bestimmt, manches möchte ich lieber bei identi.ca oder Plurk loswerden. Hin und wieder bin ich der Meinung, alle Dienste gleichzeitig mit einer Statusmeldung oder einem Link bedienen zu müssen und verwende dazu das wunderbare ping.fm.

Was dabei jetzt mein Problem ist? Dass der Transport von identi.ca zu Twitter noch nicht so rund läuft, wie ich mir das wünsche. Soll heissen, dass meine Dents manchmal übermittelt werden an Twitter und manchmal leider nicht. Also hab ich jetzt die Wahl, ob ich bei ping.fm auf Twitter verzichte und dort gegebenenfalls gar keine Nachricht ankommt - oder Twitter bleibt genau wie identi.ca aktiviert und ich erzeuge ein Doppelposting bei Twitter (hier zu bewundern). Ist unter Euch vielleicht auch jemand mit einem ähnlichen Problem? Noch besser wäre allerdings jemand mit einer zum Problem passenden Lösung ;)

Die Frage ist schon lange nicht mehr, ob man mitziehen will bei der ganzen Status-Geschichte. Dafür sorgen eben auch die unzähligen Social Networks, die so gut wie alle nicht mehr ohne News-Feed und Statusmeldung auskommen. Die Frage ist eher, wie sehr man gewillt ist, sich damit auseinanderzusetzen und somit die größtmögliche Kontrolle zu erhalten und den größtmöglichen persönlichen Nutzen aus dem gewählten Lifestream zu ziehen.

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Aug 19

 

Im Gegensatz zu dieser Kameradin hier bin ich ein Fan von Lifestreaming-Diensten wie FriendFeed, FreundeNews oder eben Lifestream.fm. Wenn Ihr ihren Beitrag lest, findet Ihr dort einige Ansichten über das sich-im-Netz-zur-Schau-stellen, die ich hundertprozentig so unterschreibe. Aber in meinen Augen macht es keinen Unterschied, ob ich meine Saufbilder bei StudiVZ reinstelle, meinen Chef in meinem Blog disse und meine Ex-Freundin bei youporn der masturbierenden Öffentlichkeit präsentiere - oder ob ich diese 3 Dinge gebündelt in einem Feed ins Netz stelle. In beiden Fällen entscheide ich, wer was von mir zu sehen, hören, lesen bekommt und in beiden Fällen bin ich dafür verantwortlich und muß mir im Voraus über die Folgen im Klaren sein. Wie gesagt: D’accord, was die Frage nach der Verantwortung angeht, aber deswegen kann ich ja nicht den Service verteufeln, der - auf meinen Wunsch hin - meine sowieso schon öffentlichen Daten gebündelt weitergibt.

Sollte aber eigentlich gar nicht mein heutiges Anliegen sein, eine Lanze für Aggregatoren oder Lifestreaming-Dienste zu brechen - ich unterstelle dem Großteil meiner Leserschaft sowieso eine gewisse Affinität zu Services dieser Art ;)

Während sich Lifestream.fm immer noch in der geschlossenen Beta befindet, wird der aktuelle Service - meiner Meinung nach - sehr gut von Kleinbloggersdorf angenommen und wird sich sicher genauso wie ich über neue Features freuen. Heute wurden die Betatester nämlich von Lifestream informiert, dass sich dort Einiges getan hat. Folgende Funktionen erweitern den Umfang des deutschen FriendFeed-Konkurrenten:

  • Favoriten-Funktion
  • embedded YouTube-Videos
  • Social Bookmarking
  • Benachrichtigungen bei comments

Die Favoriten-Funktion erklärt sich im Grunde von selbst. Es gibt nun ein graues Herz-Icon, welches durch Anklicken - also Favorisieren des Beitrages - rot markiert wird. Zudem kann man sich über den "Everyone"-Button im Topmenü auch die Favoriten aller User anzeigen lassen, genauso wie deren Beiträge und Kommentare natürlich.

Zudem werden gespeicherte YouTube-Videos jetzt direkt im lifestream eingebunden, können also dort auf der Seite betrachtet werden und Social Bookmark-Dienste wie Mr.Wong oder StumbleUpon werden nun auch unterstützt.

Hört sich alles gut und durchdacht an und läuft für eine geschlossene Beta auch schon sehr rund :) Im hauseigenen Blog zeigen die Jungs ganz stolz - mit Recht - dass man sie bei FriendFeed ruhig auf dem Schirm haben sollte, wie der dort angegebene Alexa-Graph belegt.

 

 

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Jul 31

 

Wenn man sich überlegt, wie lange die Menschheit in Wort und Bild miteinander kommuniziert, sich die Entwicklung von Höhlenmalereien über Papyrusrollen und der Revolution durch die Erfindung von Buchdruck, Radio und TV vor Augen führt, der kommt nicht umhin, dem Internet eine ganz aussergewöhnliche Rolle zuzugestehen. Verglichen mit dem Tempo der Übermittlung von Information im Laufe der Jahrhunderte macht das Internet Jahr für Jahr neue Quantensprünge.

Beinah altbacken scheint heutzutage eine normale e-mail zu wirken. Die Zahl der Informationsquellen ist nahezu grenzenlos. Neben der e-mail hat man sich - logischerweise - auf den normalen, relevanten News-Seiten herumgetrieben (und tut es natürlich immer noch), sich über Instant Messenger ausgetauscht und in Newsgroups jedes erdenkliche Thema behandelt. Auch in Foren oder Chats wurde und wird sich eifrig mit Informationen beworfen. Während diese Arten der Nachrichtenverbreitung - genauso wie das Bloggen - aber schon seit vielen Jahren bzw mittlerweile sogar Dekaden bekannt und weit verbreitet sind, haben die Dinge, die uns aktuell - gerade in Kleinbloggersdorf - auf Trab halten, den Mainstream noch lange nicht erreicht. So was wie der inoffizielle Startschuß war Twitter. (note to self: Photoshop-Bild basteln mit sakralem Flair, Bildunterschrift: Am Anfang war Twitter ;) ) Ich gehe mal nicht auf die diversen copycats und Erweiterungen ein, es reicht allein das Wissen um die Funktion des Microblogs. Nachrichten werden in komprimierter Form um die Welt geschickt. Egal, ob ich im Epizentrum eines Erdbebens wohne, gerade meinen Job oder meine Freundin verloren hab oder ob ich nicht weiss, welcher Belag am sinnigsten für das demnächst zu essende Brötchen sein könnte - keine Information ist so unwichtig, dass man sie nicht seinen Followern zugänglich machen sollte.

Immer wichtiger wird heutzutage, diesen reissenden Strom an Informationen zu kanalisieren. Eine Revolution - leider meiner Meinung nach von der breiten Masse immer noch unterschätzt - war das Einführen der RSS-Feeds. Zusammen mit einem Werkzeug wie z.B. dem Google Reader filtert und liest man eine Vielzahl von News-Seiten und Blogs in wesentlich kürzerer Zeit, als wenn man die Seiten nacheinander abgrasen müsste. An diesem Punkt spätestens klinken sich die allermeisten Internetnutzer aus. Die Wenigsten lesen im Gegensatz zu Bloggern und anderen Web 2.0-Verstrahlten 20 verschiedene Online-Zeitungen, unzählige Blogs und sonstige abonnierbare Services. Ich verbringe nach der Arbeit wohl erstmal mindestens eine Stunde mit dem Abarbeiten meiner RSS-Feeds. Dabei ist "Abarbeiten" aber eine unglücklich gewählte Vokabel, denn als Informations-Junkie liebe ich es, unzählige Informationen in mich aufzusaugen.

Der nächste Quantensprung waren bzw sind die unzähligen Aggregatoren, welche im Fahrwasser von friendfeed fast täglich das virtuelle Licht der Welt erblicken. Friendfeed fasst die verschiedensten Ströme zu einem einzigen zusammen. Meine Blogbeiträge, meine Tweets, diverse Statusmeldungen, Microblogging-Geschichten oder favorisierte Seiten, Fotos und Songs setzen sich zu einem Gesamtbild zusammen, welches meinem Follower ein Vielfaches mehr an Information liefert, als man sich auf irgendeine andere Weise zusammensuchen könnte. Je aktiver ich im Netz bin und das dokumentiere, desto genauer ist auch das Abbild, welches man bei friendfeed von mir vorfindet. Auf diese Weise finden sich bei friendfeed oder sonstigen Seiten wieder neue Gleichgesinnte, die die bevorzugten Themen besprechen und vertiefen können.

Um auf die Ausgangsfrage zurückzukommen: Wie viel Information braucht der Mensch - können wir nun erkennen, dass es auch bei friendfeed eine Flut von Nachahmern und Weiterentwicklern gibt, denen allesamt zu folgen natürlich unsinnig wäre. Interessant für mich wäre jetzt mal Eure Meinung, an welcher Stelle im Netz Ihr dem Datenstrom folgt. Ist es ausschliesslich friendfeed? Ist es vielleicht noch nicht mal friendfeed, sondern "nur" Twitter oder der RSS-Reader? Oder probiert Ihr sämtliche Angebote durch, in der Hoffnung, die eierlegende Wollmilchsau zu finden, auch bekannt unter dem Begriff "the next big thing"?

In den letzten Wochen habe ich mich bei mehreren dieser Dienste angemeldet. Schön, dass langsam auch die deutschen Startups in die Puschen kommen und wir mit lifestream.fm und FreundeNews gleich zwei Vertreter dieser Gattung ins Rennen schicken können. Klar wird hier das Rad nicht neu erfunden, aber wichtig bei den beiden ist es - aus Sicht der deutschsprachigen User, dass hier eben auch die Communities berücksichtigt werden, die für uns Sinn machen und auf die man bei friendfeed vermutlich ewig warten müsste.

Neu erfahren habe ich heute zum Beispiel von einer Seite namens Social Oyster. Auch hier werden verschiedenste Informationen von Twitter, flickR, delicious (ja, so schreibt man die seit heute *g*), last.fm und andere aggregiert. Witzig finde ich dabei, dass man - auch ohne angemeldet zu sein - auf die Startseite gelangt, die einer Suchmaschine gleicht und die einem alle verfügbaren Daten über einen gesuchten Usernamen auswirft. So zeigt er bei der Suche nach meinem Twitternamen nicht nur meinen aktuellen Tweet, sondern auch alle meine Follower - und was ich besonders gelungen finde - zeigt mir auch eine googlemaps-Übersicht mit der Herkunft meiner Twitter-Freunde. Twitter-Karte

Bei manchen Bloggern hab ich mich zwar gefragt, ob die wirklich da wohnen, wo es mir die Karte vorgaukelt, aber das werde ich ein anderes Mal untersuchen ;)

Ebenfalls neu im Rennen ist socialmedian. Ein Aggregator, der ein wenig wie ein friendfeed-digg-mashup wirkt. Im Gegensatz zu reinen Social News-Seiten wie digg wird hier nämlich auch sehr viel Wert auf die Interaktion mit seinen Friends/Followern gelegt. Ich muss zugeben, dass ich mich in der geschlossenen Phase zwar angemeldet hab, aber nie wirklich ergründet habe, ob und was dieser Service imstande ist zu leisten. Heute ist es mir durchs Öffnen für alle User wieder über den Weg gelaufen und so hab ich mal reingeschaut und finde, dass socialmedian durchaus das Zeug hat, sich einen festen Platz im Noise-Business zu erarbeiten. Schwer beeindruckt war ich schon von der rasend schnellen Importfunktion meiner diversen Blogs, Seiten und Accounts. Dadurch, dass ich mich den verschiedensten Gruppen und News-Themengebieten anschliessen kann, erzeuge ich grundsätzlich natürlich noch mehr Noise, als ich sowieso schon hatte, aber wenn man sich die Zeit nimmt, seine bevorzugten Themen zu filtern und per socialmedian zu verfolgen, kann man sich aber auch sicher sein, dass man mit hochwertigem Content belohnt wird. Also wer es noch nicht kennt, unbedingt mal anschauen!

Verdammte Axt - kann nicht glauben, dass ich wieder ein so ellenlanges Blogposting verfasst habe - gelobe hiermit feierlich, dass ich mich morgen kürzer fassen werde ;)

Grundsätzlich und abschliessend möchte ich jedoch noch sagen, dass es in meinen Augen zwar unterschiedlich gute Aggregatoren gibt, aber dass sich darunter kein wirklich Schlechtes befindet. Es liegt an Jedem persönlich, wo ihm das Look and Feel am Besten gefällt, wo man seine persönlich wichtigen Portale und Accounts einbinden kann und wo man die Leute erreichen kann, die man unbedingt erreichen möchte. Man sollte also ruhig mehrere ausprobieren und vergleichen - ein kanalisierter Datenfluss wird Eure Belohnung sein ;)

 

 

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