Als Kind schon hab ich gerne die Olympiade angeschaut – angefangen von der Eröffnungsfeier und dem Einmarsch der Gladiatoren Sportler. Ich glaub, als ich noch klein war, fand ich das sogar interessanter als die Sportveranstaltungen im Anschluß ;)
Als Erwachsener hab ich den Spielen auch immer entgegengefiebert und sie – so gut es Schule oder Arbeit zugelassen haben – stundenlang verfolgt. Vielleicht hätte es weniger Spaß gemacht, wenn ich Holländer, Norweger oder Marokkaner wäre, denn die Faszination hat für mich natürlich viel damit zu tun gehabt, dass man lokalpatriotisch seinen Jungs und Mädels die Daumen drücken kann und mein Lokalpatriotismus läßt echt stark nach, wenn eine Deutsche Wasserballmannschaft gegen die Auswahl von schlagmichtot um Platz 13 spielt oder so. Klingt komisch, ist aber so ;) Mitfiebern ist irgendwie scheiße, wenn man weiß, dass das eigene Team nicht gewinnen kann ;)
Was das angeht, kann ich sogar noch nicht mal schimpfen dieses Mal – schließlich haben wir uns wacker geschlagen, wenn man den Medaillenspiegel anschaut. Nicht auszudenken, wo wir hätten landen können, wenn unsere Reiter und Kanuten nur annähernd das geholt hätten, was wir von ihnen gewohnt sind seit Jahrzehnten.
Aber da sind andere Dinge, die mich wütend machen. Wieso ist China plötzlich die Weltmacht Nr.1 im Sport? Klar, das "der schlafende Riese erwacht"-Gerede kenn ich natürlich und natürlich weiss ich auch, dass Sportler dort anders gefördert werden als hierzulande. Aber im Vergleich zu den Kameraden in Fernost werden Leistungen hier jedenfalls überprüft – sollte man sich dort eventuell auch mal überlegen. Aber was dieses Thema angeht, haben die Chinesen da sicher kein Monopol drauf. Wenn ich sehe, dass der vermeintliche Olympiasieger über 100m sich für die Zwischenläufe nicht mal richtig warm macht und eine Zeit raushaut, die vielleicht ausser ihm maximal 5 Menschen in der Welt laufen und wenn der gleiche Vogel dann im Finale schon nach 70 Metern anfängt zu jubeln, gar nicht mehr voll durchzieht und dennoch neuen Weltrekord läuft. Irgendwas kann da nicht stimmen…
Solche Dinge sind es jedenfalls, die mir die Stimmung dieses Jahr verhagelt haben. Zudem war mir die ganze Veranstaltung zu künstlich. Kinder werden gegen hübschere ausgetauscht, Feuerwerk wird schon vorher im Computer produziert und generell macht das ganze einen Eindruck, der im Netz schnell mit "Riefenstahl 2.0" betitelt wurde. Dazu kommen dann Schwimmer, die 8Goldmedaillen mit 7 Weltrekorden holen, besagter 100m und 200m-Weltrekordler und weitere Zutaten wie Chinesen, die gegen Bares Stimmung für bestimmte Sportler und Nationen machen sollen – schließlich soll ja der schöne Eindruck vom größten und schönsten Sportfest der Welt durch Nichts getrübt werden.
Tut mir leid, für meinen Geschmack war das alles zu konstruiert und zu künstlich. Beinahe sehnt man sich zurück nach Zeiten, wo deutsche Zehnspringer dreimal beim Stabhochsprung scheitern oder Tennishelden auf dramatische Art und Weise "nur" Silber holen.
Wer redet übrigens heute noch von Tibet oder Menschenrechten? In schöner Einigkeit haben das IOK und die chinesischen Organisatoren bzw die chinesische Regierung alles Menschenmögliche gemacht, um jegliche Kritik im Keim zu ersticken. Wir sind ja sooo stolz auf China, weil es sich so fabelhaft entwickelt hat in den letzten Jahren – selbst die Luft ist viel sauberer geworden *lach* Ich wette, wenn man heute nach China reist, wird man mit dem gleichen Smog begrüßt, den man auch vor der Olympiade in den Metropolen des Landes erwarten durfte…
Mir tun die Leute dort leid, die vermutlich auch gehofft hatten, dass sich durch die Spiele für sie irgendwas ändern wird.
In Anbetracht der Tatsache, dass der Russe gerade auch etwas schräg unterwegs ist, kann man sich auf die Spiele in Sotschi im Winter 2014 freuen…
Man, was bin ich froh, dass Fußballbundesliga angefangen hat: Ehrlicher, kerniger Männersport – nur hin und wieder überschattet von dem ein oder anderen Wettskandälchen ;)
