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30 Sep, 2011

freundeVZ vs meinVZ: Alles neu, alles anders, alles besser

Posted by: Casi In: Lifestream|Social Networks|zweipunktnull

Na, wer glaubt's? Also die Überschrift meine ich und die Behauptung, dass bei meinVZ alles besser ist als noch vor ein paar Tagen? Hehe, hatte ich auch nicht erwartet 😉

Worum geht's? Wenige Jahre zu spät hat studi/schueler/meinVZ gemerkt, dass – auf gut Deutsch gesagt – die Kacke am dampfen ist. Jahrelang hat man schon fast unverschämt arrogant verkündet, wie toll die eigene Plattform ist und wie lächerlich Facebooks Bemühungen sind, in Deutschland Fuß zu fassen. Das Ende vom Lied ist bekannt – 20 Millionen Facebook-Mitglieder allein in Deutschland – also grob gerechnet jeder vierte Mensch in diesem Land ist dort angemeldet. Wenn man jetzt die Leute abrechnet, die noch nicht – oder nicht mehr – schreiben können, kann man erahnen, dass da nicht mehr viel Platz ist für ein ähnlich ausgerichtetes Netzwerk. 

Deswegen haben die Köpfe hinter den Kulissen der VZ-Klitschen ein Jahr lang gezaubert. Alten Programmier-Code über Bord geworfen und alles von Grund auf neu programmiert. Vor einigen Tagen hat man dann ein paar Menschen nach Berlin eingeladen, um die große Neuausrichtung des einst führenden deutschen Social Networks zu verkünden. Der geschätzte Jürgen Vielmeier von Basic Thinking war dort und hat sich gleich zwei Mal – hier und hier – dazu geäußert. Während sein erster Artikel noch hervorgehoben hat, dass die Holtzbrinck-Mannen aus den mittlerweile eher schlechten Möglichkeiten noch die am wenigsten schlechte ausgewählt habe, klingt der zweite dann doch deutlich pessimistischer. Bis zu dem Beitrag konnte Jürgen nämlich die Zeit nutzen, sich ein wenig umzuschauen im guten, alten – bzw brandneuen – VZ, und was er dort gesehen hat, lässt nun nicht unbedingt auf einen gelungenen Relaunch hoffen. 

Seit zwei Tagen kann ich mich auch dort umsehen und das bislang Bemerkenswerteste ist eigentlich die Umbenennung: Während schuelerVZ und studiVZ erhalten bleiben (zwischendurch spekulierten ja viele darauf, dass jetzt alles unter einem Namen laufen könnte), musste das immer schon unsinnige "meinVZ" nun dem Namen "freundeVZ" weichen. 

Bevor ich weiter über die neue Plattform plaudere, zeige ich euch vielleicht erst einmal, wie mein Profil nun ausschaut:

Ich kann euch jetzt noch nicht einmal erzählen, ob die Reiter unter meinem Profilbild – Interessen, Infos, Pinnwand – vorher schon dort waren, oder ob die schon Teil der Veränderung sind – ich war einfach viel zu lange nicht mehr dort online. Trotz dieser langen Zeit macht das neue Design alles andere als einen frischen Eindruck. Auf der linken Seite sind meine Auswahl-Optionen gelistet – auffällig hierbei, dass aus den Gruppen nun Themen werden. Noch etwas auffälliger finde ich, dass viele Funktionen noch nicht mit dem neuen Design genutzt werden können – es folgt immer eine Meldung wie die folgende:

Witzigerweise erhalte ich eine solche Meldung auch, wenn ich die Privatsphäre überprüfen oder neu justieren möchte. Gerade dieser Bereich ist eigentlich das Pfund, mit dem meinVZ/freundeVZ doch wuchern möchte im Kampf gegen den bösen US-Feind – da ist es extra schade, wenn ich diese Privatsphäre-Einstellungen nur in der alten Ansicht bearbeiten kann – wo ich natürlich null Durchblick habe, wie sich das dann in der neuen Ansicht verhält.

Man hat ein Jahr gewerkelt und wir müssen anerkennen, dass eine Menge Arbeit notwendig ist, um hier einen komplett neuen Unterbau abzuliefern. Aber es darf nicht sein, dass so vieles immer noch unfertig ist bzw nicht funktioniert. Ich habe immer Verständnis dafür, wenn an einer Seite oder einem Portal gewerkelt wird, aber die Nutzer interessieren sich doch einen Scheiss dafür, welche Arbeit man da reingesteckt hat – sondern nur dafür, ob es für sie Sinn ergibt oder nicht. Und dieses freundeVZ ergibt in meinen Augen einfach keinen Sinn. Alles sieht aus wie Deutschland nach dem Krieg – nur ohne Trümmerfrauen, die das Chaos beseitigen könnten. 

Die Jungs sind ja auch nicht bescheuert und haben (mittlerweile) erkannt, dass gegen Facebook kein Kraut gewachsen ist und kommunizieren das mittlerweile auch so, wie CEO Clemens Riedl formuliert:

Wir glauben nicht, dass die Nutzer von Facebook zurück kommen. Wir müssen uns auf die konzentrieren, die noch da sind.

Tja – auch Jürgen stellt bei Basic Thinking die Frage, wer denn überhaupt noch da ist? Ich hatte mal irgendwas an die 300 Menschen, mit denen ich dort befreundet war – jetzt sind es noch 130, von denen die meisten auch nicht mehr wirklich dort aktiv sind und gleichzeitig auch bei Facebook mit mir befreundet sind. 

Einen wichtigen Teil der neuen Strategie habe ich noch unerwähnt gelassen, sollte ich aber der Vollständigkeit halber auch ansprechen: freundeVZ möchte, dass wir uns engagieren und mitteilen, was wir für Verbesserungen oder Features erwarten, um uns auf der Plattform wohl zu fühlen. Dem Unternehmen ist es wichtig, dass wir Feedback liefern – dafür hat man ein nagelneues Code-Fundament gelegt, unsere Ideen sollen dann dafür sorgen, dass man dieses biedere freundeVZ-Haus mit Leben füllt. 

Nur, dass wir uns richtig verstehen: Nachdem Journalisten, Tech-Blogger und nicht zuletzt auch die Nutzer durch die Bank mit ihrer Kritik über Jahre ignoriert wurden, sollen jetzt auf einmal alle aus dem Gebüsch kommen mit ihren Vorschlägen, wie die Plattform zu retten ist? Das klingt nicht nur scheinheilig, das klingt verdammt nochmal auch danach, als hat man keinen blassen Dunst, was man überhaupt gerade noch tun soll, um die VZ-Bude am Leben zu halten. Wenn ich einen Vorschlag machen sollte, dann wäre es nur dieser: Macht den Laden dicht – und zwar schnell, bevor Hunderte Mitarbeiter noch mehr Geld verbrennen.

Ein Abgesang auf eine Klitsche, die sich über Jahre hinweg selbst demontiert hat ist leicht und vermutlich auch feige – und ehrlich gesagt hab ich auch den Spaß verloren über das VZ zu schreiben und zu lästern. Facebook tut derzeit eine Menge dafür, dass man ins Grübeln kommt, welche Daten man preisgibt und welche nicht – aber es ist meistens nicht ein bestimmtes Feature oder ein besonders toller Datenschutz, der dafür sorgt, dass man irgendwo angemeldet ist – für die Mehrheit der Nutzer ist schlicht und ergreifend nur interessant, dass die Leute da sind, mit denen man online in Kontakt treten möchte – und von denen ist so langsam niemand mehr beim VZ. 

Ein Nachsatz noch: ich werde jetzt anfangen, von den 130 verbliebenen Freunden diejenigen zu kicken, mit denen ich bei Facebook auch befreundet bin. Meinen Account behalte ich natürlich noch – eventuell muss ich ja in 6 Monaten einen demütigen Artikel schreiben, weil sich das VZ total bekrabbelt hat und das klappt besser, wenn ich mich dort einloggen kann 😉 Allen anderen sei aber gesagt: erwartet nicht, dass ich dort irgendwas poste, kommentiere, hochlade – alles, was noch da reinläuft sind meine Tweets, die ich da automatisch reinrotze. Danke VZ, dass Du mir hier über drei Jahre lang Stoff für meine Artikel geliefert hast – aber viel wird da nicht mehr kommen: nicht von mir, nicht von Dir!

Ebenfalls zum Thema: Der Webarchitekt

  • http://twitter.com/hochzehn Der Kermsch

    Naja. Ich verstehe nicht, warum man immer noch an dem VZ Netzwerk festhält. Meiner Meinung nach hat man den “Kampf” verloren, sehe wirklich kaum Chancen dass die Leute “zurückwandern” – warum sollten Sie auch. Vor allem kommt der Neustart ziemlich ungelegen zu einer Zeit in der Facebook selbst einige positive Veränderungen mit sich bringt.

  • http://www.zweipunktnull.org Casi

    Die Jungs sagen ja selbst, dass sie niemanden zurück holen wollen, sondern die halten möchten, die noch da sind – klingt für mich schon ziemlich nach Offenbarungseid. Aber im Gegensatz zu Dir halten viele den Zeitpunkt noch für verhältnismäßig günstig gewählt, weil Facebook gerade wieder mal wegen seiner Privacy-Einstellungen in aller Munde ist. Ich persönlich denke, dass hier nichts mehr zu holen ist. Wenn Facebook wirklich irgendwann die Luft ausgeht, ziehen die Leute weiter – aber sicher nicht zurück zum VZ…

  • Nomail

    “wo ich natürlich null Durchblick habe, wie sich das dann in der neuen Ansicht verhält.”

    Wer lesen kann ist klar im Vorteil …

    “Dieser Bereich ist noch nicht ganz fertig – über die alte
    Plattformansicht kannst du aber wie bisher deine
    Privatsphäre-Einstellungen vornehmen. [>>>> ACHTUNG jetzt kommt’s! <<<<] Die Einstellungen dort gelten auch
    hier."

    Eine Antwort deinerseits wäre jetzt z.B.: "Achsooo, ich hätte mich einfach nur mal informieren müssen, bevor ich so einen [bitte entsprechendes Fäkalwort einsetzen] schreibe!"

  • http://www.zweipunktnull.org Casi

    Knapp vorbei – meine wahre Antwort hätte sein müssen “Achsooo, ich muss einfach nur alles für bare Münze nehmen, was man hier schreibt, weil das VZ ja stets nur das getan hat, was sie vorher geschrieben haben”. 
    Gerade bei Sicherheitseinstellungen – und da ist es scheißegal, ob wir von freundeVZ oder Facebook oder sonst wem reden – verlasse ich mich ungern darauf, was mir das Unternehmen in Aussicht stellt, wie es eventuell sein könnte, sondern möchte mich selbst davon überzeugen. Das ist schlicht und ergreifend nicht möglich, solange die Seiten eine solche Baustelle darstellen.

  • http://www.treppenlift-guenstig.com/behindertenlift.html babbinski

    Wow superinteressanter Beitrag. Vielen Dank dafür

  • http://www.critch.de/blog Mitch

    Ich denke das VZ stirbt auch immer mehr und immer mehr :-/

  • Pingback: VZ: Gute, alte, deutsche Wertarbeit ? | basic

  • hasimausi

    schämt euch die neue seite von mein vz ist der grösste mist den es überhaupt gibt..es ist nichts mehr so wie es war..bei mir hauen viel funktionen nicht mehr hin. sehe nicht mal meine pinnwand mehr und kann keine einstellung vornehmen…ich finde es schade es war mal so gut….

  • hasimausi

     hallo alle zusammen wir sehen uns bei facebook.bei meinvz wird es immer schlimmer es funktioniert nichts mehr so ein mist die waren mal so gut..und jetzt ..die neue seite hätte doch gar nicht sein müssen.. ich werde es nie verstehen


  • guest1: Hey, mag der Betreiber dieser Seite das Kommentar bitte löschen, da ich nicht länger möchte, dass mein Name hier auftaucht. Dankeschön 🙂
  • Gernot Herzog:  Zum Glück gibt es nicht nur Facebook ich habe da eine Alternative gefunden, die meine Freizeit auch noch mit vielen Extras versüßt. http://www.si
  • Maria: Fotobücher sind echt eine tolle Idee, aber leider ja wie du schon sagst auch etwas teuer. Ich habe letztens eine super Alternative gefunden und zwar

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