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13 Nov, 2011

Rasante Fahrt mit dem Bergkettcar direkt in die Hölle

Posted by: Casi In: Media|Social Networks|zweipunktnull

Ihr überlegt, wieso ein Bergkettcar eine Rolle spielt in einem Blog, welches sich übers Internet im weitesten Sinne auslässt? Dann gehört ihr vermutlich zu den wenigen Menschen, an denen folgendes Bild in den letzten Tagen/Wochen vorbei gegangen ist:

Das Bildchen macht jetzt schon eine Weile die Runde, zu witzig war einfach dieser Zufall, dass exakt der gleiche Gegenstand als gestohlen gemeldet wird, der direkt darüber angeboten wird. Auch ich habe darüber geschmunzelt und hab das Bild nur deswegen nicht weiter geschickt, weil ich es in meinem Bekanntenkreis schon so oft vorgefunden habe.

Die Geschichte könnte hier jetzt zu Ende sein und nichts weiter sein als irgendwas, was uns irgendwann mal kurz zum Schmunzeln brachte. Die beteiligten Familien sehen das aber ein klein wenig anders, denn die Telefon-Nummern, die ich auf dem Bild unkenntlich gemacht habe, waren auf dem ursprünglichen Foto deutlich zu lesen. Klar, dass sich da ein paar (oder ein paar mehr) Spaßvögel fanden, die hier anrufen mussten. Teilweise, weil sie sich einfach nur den Spaß machen wollten, teils aber auch, um nach anderer Hehlerware zu fragen oder den offensichtlichen Dieb anzupöbeln. 

Nach eigener Aussage der Familien – bzw nach dem, was ihnen die Bild in den Mund legte – hat man wohl in Folge die "Hölle" durchmachen müssen. Das Telefon stand nicht mehr still und rief dann natürlich auch genügend Stimmen im Netz – hier beispielsweise den geschätzten Markus Hündgen –  auf den Plan, die hinterfragen wollten, was genau hier denn passiert ist:

So. Und einige Nasen in meinen Kreisen sollten sich deswegen nämlich an eben diese fassen. Munter drauf los jeden Gag teilen ohne nachzudenken ist nur eines: dumm. Und gar nicht lustig

Ich kann Markus hier zum Teil verstehen. Aber eben auch nur zum Teil. Ich habe wie erwähnt das Bild auch gesehen und habe Niemanden angerufen. Ich habe schlicht und ergreifend keinen Grund, einen dieser Menschen anzurufen, weil ich weder ein Bergkettcar gesehen habe, noch eins suche. Es liegt mir daher absolut fern, aus irgendeinem idiotischen Grund dort durchzuklingeln, und mir einen Scherz zu machen. 

Dennoch muss man sich natürlich darüber im Klaren sein, dass eine vollständig vorhandene Telefon-Nummer für genügend Blitzbirnen einer Einladung gleichkommen muss. In besonderem Maße muss sich hier vermutlich der Mensch Gedanken machen, der den Zeitungsausschnitt in digitaler Form einer Menge Menschen zugänglich machte. Hätte diese Person die Nummern geschwärzt, wäre es tatsächlich nicht mehr als ein harmloser Gag gewesen ohne jeden Geschädigten. Andererseits muss ich mir heutzutage auch bei einem Inserat vermutlich schon überlegen, welche Folgen so etwas haben kann. 

Klar, jeder von uns, der dieses Bild weitergeleitet hat, hätte auch überlegen können, ob er die Nummern schwärzt bzw auf das Weiterleiten verzichtet. Aber bei so einer viralen Kiste macht es natürlich herzlich wenig, wenn der ein oder andere die Nummer nicht weiterleitet, weil es genügend andere gibt, die es weiterhin tun. 

Was kann oder sollte man nun tun? In diesem speziellen Fall halte ich es für alles andere als eine "Hölle", durch die die beiden Parteien da gehen müssen – schlimmstenfalls erhält man ruck zuck eine neue Nummer und sofort ist wieder Ruhe im Karton. Ich glaub mal nicht, dass irgendjemand psychische Schäden davonträgt, weil das Telefon ein paar Mal geklingelt hat. Aber es können natürlich auch andere Fälle sein, in denen ein Mensch durch so einen viralen Effekt wirklich leidet und in Schwierigkeiten geraten kann. Es ist also sicher nicht falsch, vor dem Weiterleiten kurz inne zu halten und seinen Schritt zu bedenken. 

Das übrigens sollte immer der Fall sein, egal was ich teile. Ich sollte mir immer darüber im Klaren sein, was die Folgen sind, und welchen Leuten ich jetzt welche Daten zugänglich mache. Poste ich öffentlich oder nur für einen bestimmten Personenkreis, poste ich Inhalte, die jemanden verletzen könnten oder gegen irgendwelche Gesetze verstoßen. Das ist aber keine Übung, die man in einem speziellen, konstruierten Fall beachten sollte. Unser ganzes – zumindest virtuelles – Leben hat irgendwie mit dieser Teilerei zu tun. Wir lassen zu, dass es uns in Fleisch und Blut untergeht, Inhalte mit unseren Freunden oder der ganzen Welt zu sharen. Aber wenn wir das schon zulassen, dann sollten wir uns das aber auch stetig vor Augen halten. Jedes Musikvideo, jedes Bild, jede Statusmeldung kann über irgendwelche Kanäle an Orte im Netz gelangen, die ich vorher nicht auf dem Schirm hatte. 

Lasst mich wissen, wie ihr dazu steht. Kontrolliert ihr euer Sharing-Verhalten? Oder wichtiger: erzählt ihr es euren Kindern? Oder euren Freunden, die vielleicht weniger internet-affin sind? Es ist im Grunde scheissegal, ob es kompromittierende Bilder sind oder irgendein Hoax, ob es ein Gag ist wie in diesem Fall oder einfach nur eine Statusmeldung. In 99 Prozent der Fälle versandet sowas irgendwo im Netz, aber es besteht eben auch immer die Möglichkeit, dass es eine ungeahnte Aufmerksamkeit erfährt.

Ach übrigens: das vermisste Kettcar ist wieder aufgetaucht und die beiden Fälle haben logischerweise tatsächlich nichts miteinander zu tun gehabt 😉

  • http://twitter.com/NetzBlogR Falk Wussow

    Die Schuld auf diejenigen abzuwälzen, die “aus Spaß” angerufen haben, finde ich falsch: Irgendwer hat ihnen die Nummer erst gegeben. 

    Ursprünglich standen die Nummern nur einem geringen Nutzerkreis zur Verfügung (den Lesern der Zeitung). Durch das Weiterverbreiten wurde der Nutzerkreis natürlich unbeabsichtigt um ein Vielfaches größer und das hätte man sich mal überlegen können, wenn man sowas postet.

    Ich stelle mir immer vor, wie ich mich fühlen würde, wenn meine Telefonnummer, meine eMail-Adresse oder meine Postanschrift auf einem Screenshot stünde.

    Ich habe leider schon erlebt, was passiert, wenn man die eMail-Adresse offen im Blog stehen hat und daher zensiere ich alles, was nicht notwendig ist, um einen Witz zu verstehen.


  • guest1: Hey, mag der Betreiber dieser Seite das Kommentar bitte löschen, da ich nicht länger möchte, dass mein Name hier auftaucht. Dankeschön 🙂
  • Gernot Herzog:  Zum Glück gibt es nicht nur Facebook ich habe da eine Alternative gefunden, die meine Freizeit auch noch mit vielen Extras versüßt. http://www.si
  • Maria: Fotobücher sind echt eine tolle Idee, aber leider ja wie du schon sagst auch etwas teuer. Ich habe letztens eine super Alternative gefunden und zwar

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