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26 Jan, 2012

FC Bayern, The New Star und Facebook oder: Shitstorm leicht gemacht

Posted by: Casi In: Media|Social Networks|zweipunktnull

Toll, dieses Internetz! Da kann jeder mitmachen, jeder kann alles Mögliche lesen und jeder kann auch alles Mögliche reinschreiben. Musiker vertreiben plötzlich ihre Songs selbst, die dann den Weg zu den Käufern ebenfalls über das Netz finden, ohne dass man eine CD pressen, gestalten oder ausliefern müsste. Dieser großen, bunten Glitzerwelt kann und darf man sich nicht verschließen. Da sind sich mittlerweile die Unternehmen ebenso einig wie diejenigen, die es ihnen seit Jahren predigen. Man muss seine Marke präsentieren, möglichst viele Kanäle bedienen, auf YouTube, Facebook, Twitter und Google+ Präsenz zeigen. Sagt man. Das ist aber dummerweise nur die halbe Wahrheit. Wenn ich nämlich nicht weiß, was ich dann bei Facebook und Twitter zu tun habe, bringt mir die bloße Anwesenheit nämlich bestenfalls nichts, schlimmstenfalls sogar richtig Ärger. 

Im Bild oben seht ihr, wer sich heute mal ein wenig mit den Gepflogenheiten im Netz auseinandersetzen durfte – der FC Bayern München. Egal, ob man hier vom FC Hollywood spricht, ihnen ausschließlich Erfolgs- und schön-Wetter-Fans andichtet oder ehrfürchtig die nicht enden wollende Liste an Erfolgen runterbetet: dieser Club genießt Ausnahme-Status in Deutschland und wird selbst auch nicht müde, es jedem zu erzählen, der es hören möchte. 

Mit der ihm eigenen "Mia san Mia"-Mentalität war dem Verein klar, dass man auch diese Social Media-Geschichte mit links bewältigt und so plante man einen sensationellen PR-Coup. Es wurde die spektakuläre Verpflichtung eines Offensiv-Spielers angekündigt. Diese Ankündigung kam via Facebook und war auch auf der Homepage des Vereins zu sehen. Folgen sollte eine Pressekonferenz mit Vorstellung des Spielers und allem Zipp und Zapp. Was dann kam, hat nicht wenigen Fans etwas die Stimmung verhagelt – und dabei bedeutet "wenig" eigentlich "sehr vielen" und "etwas" bedeutet in diesem Fall eher "komplett".

Anfang des Jahres hatte Uli Hoeneß die mögliche Verpflichtung eines neuen Spielers bereits angedeutet: "Unser größtes Problem ist doch: Was machen wir, wenn sich Mario Gomez verletzt? Da werden wir eine richtige Bombe brauchen, einen, der immer spielen kann, in Barcelona oder Manchester." Nun hat der FC Bayern kurz vor Ende der Wintertransfer-Periode auf dem Transfermarkt zugeschlagen. Für 14 Uhr ist eine Pressekonferenz angesetzt, auf der Christian Nerlinger den Neuzugang vorstellen wird. Der FCB-Sportdirektor kündigte schon mal an: "Es wird eine spektakuläre Neuverpflichtung für den Offensiv-Bereich sein.

Statt nämlich dem erfolgs- und Superstar-verwöhnten Bayern-Fan ein Kaliber aus der Abteilung Robben oder Ribery zu präsentieren, löste sich die ganze Geschichte in Luft auf – und sollte lediglich ein PR-Gag sein. Mithilfe der New FC Star-App auf Facebook wird quasi der Fan in den Mittelpunkt dieser nur fiktiven Pressekonferenz gerückt, sein Gesicht erscheint auf einem von den FCB-Offiziellen hochgehaltenen Foto und sein Name auf der Rückseite seines vermeintlich künftigen Trikots.

Ich behaupte jetzt mal ganz frech, dass man sich beim Verein durchaus Schulterklopfer und wohlwollende Statements hätte abholen können, wenn – ja wenn – man das Ding einfach so gelauncht hätte. Stattdessen aber kündigt man eine neue Offensiv-Granate an und bekommt in der Folge logischerweise von den eigenen Fans den Arsch bis zur Halskrause aufgerissen. Hier das Spektakel auf Facebook in drei Akten:

Die Sportpresse hat den Ball heute Mittag begeistert aufgenommen und einige haben auch von der anstehenden Neuverpflichtung berichtet. Das finde ich auch wenig verwerflich, denn schließlich konnte man es auf der Bayern-Site ja nachlesen und nichts wies auf einen Gag hin. Nach der Auflösung jedoch gibt es ein Medien-Echo, welches um ein Vielfaches größer ist als die vorherige Berichterstattung. Und – oh Wunder – niemand berichtet über einen gelungenen PR-Coup. Stattdessen ist von "Rohrkrepierer", "Blamage" und "Sauerei" die Rede in der Presse. Verglichen mit den Reaktionen der Fans ist das aber noch eine sehr milde Wortwahl. Die Verantwortlichen der FCB-Facebook-Seite kamen mit dem Löschen der Beleidigungen gar nicht mehr hinterher und die Seiten des FCB sind zwischendurch sogar unter dem Ansturm der wütenden Fans zusammengebrochen. Und was lernen wir daraus?

  1. Ich habe vorher nie die Garantie, dass eine PR-Aktion in die gewünschte Richtung geht
  2. Besser keine falschen oder zu hohen Erwartungen schüren – niemand freut sich über seine eigene dumme Visage in einer App, wenn er eigentlich mit einem Mega-Star für seinen Verein rechnet
  3. Beim nächsten PR-Coup dieser Art vielleicht einfach davon absehen, es so sensationell schlecht zu timen: direkt nach dem Debakel bei Borussia Mönchengladbach war das vielleicht nicht die aller cleverste Idee 😉

Ich möchte wetten, dass der Verein aus diesem Shitstorm heute lernen wird für die Zukunft. Nichtsdestotrotz möchte ich für diejenigen, die tatsächlich Interesse an der App haben, ein paar Worte dazu verlieren. Wie schon erwähnt, möchte man den Bayern-Fan mithilfe seiner Facebook-Daten in die Pressekonferenz einbinden. In nächster Zeit werden dazu weitere Videos folgen, die ich euch aufgrund meiner fussballerischen Gesinnung natürlich nicht vorführen kann ^^ Wenn sich Bayern-Fans unter meinen Lesern befinden, kann man mir ja ruhig Screenshots oder Links in die Kommentare posten – ich würde in dem Fall über meinen königsblauen Schatten springen und das Bild eines Bayern-Fans hier posten 😉 Hier gehts übrigens zur App.

  • Anonymous

    Da haben sich die Roten ja wirklich nicht mit Ruhm bekleckert. Wie es deutlich besser geht, beweist die Konkurrenz aus dem Westen.

    Wer – und ich hoffe, dass Du, Casi, jetzt nicht zensierst 😉 – sich den Facebook- und Twitter-Auftritt vom Deutschen Meister 2011 Borussia Dortmund anschaut, kann sich überzeugen, wie man es richtig macht.

  • Roman

    Das einzige, was PR bezwecken soll, ist doch, dass man über die Sache redet. Und das passiert hier doch gerade auf allen Kanälen.
    Von daher – gelungene Aktion.

  • http://beckerjoerges.com/2012/01/27/marken-haben-im-umgang-mit-negativen-kommentaren-und-kritik-auf-facebook-gelernt/ Marken haben im Umgang mit negativen Kommentaren und Kritik auf Facebook gelernt

    […] unsinnigen Spielereien des FC Bayern München haben kürzlich große Wellen im Social Web ausgelöst. Nach dem großen Fan-Zulauf angesichts der Ankündigung auf der Facebook-Page des […]

  • http://vincentweisser.de/ vincent

    Haha wahrscheinlich wollten sie echt jemand verpflichten und es ist geplatzt ;D

  • http://www.haftungsrecht.com/ Borger

    Tja.. ob das jetzt gelungen ist oder nicht, weiß ich auch nicht. Habe von der Aktion selber nichts mitgekriegt, was ich ziemlich komisch finde. Nette Idee, aber eine mehr als schlechte Durchführung.


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