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27 Sep, 2010

Die Social Media-Strategie von Depeche Mode: Wrong

Posted by: Casi In: Musik|zweipunktnull

Wer mich kennt und/oder hier schon etwas länger mit liest, wird es wissen, dass ich ein Depeche-Mode-Fan der ersten Stunde bin. Fan-Sein bedeutet immer auch ein wenig, dass man im Rosa-Brillen-Modus unterwegs ist, seiner Band mal einen schwächeren Song verzeiht (oder besser: Die Existenz einfach leugnet), bei einem verpassten Einsatz beim Konzert nicht gleich pfeift und auch die Maxi-CD kauft, obwohl einem außer der Single-Version des Titelsongs nicht wirklich viele der gemixten Varianten gefallen. 

Egal ob in Sachen Musik, Sport oder bei was auch immer: Es wäre wünschenswert, sich trotzdem einen Rest Objektivität zu bewahren. Ich probiere das zumindest und nicke nicht automatisch alles ab, was mir vorgesetzt wird. Deswegen – ihr könnt es rot im Kalender markieren – muss ich heute mal Kritik üben an meiner heißgeliebten und hochverehrten Lieblings-Band.

Als Autor dieses Blogs habe ich natürlich ein besonderes Auge darauf, wie sich die eigene Lieblings-Band im Netz verkauft. Das sah generell eigentlich bislang gut aus. Bereits 2001 hat man im Netz kurze Snippets des anstehenden Albums Exciter veröffentlicht und somit auf virale Effekte gesetzt, noch lange bevor es Angebote wie YouTube überhaupt gab. 

Jetzt steht wieder eine Veröffentlichung an. Im November erscheint die DVD zur abgelaufenen Welt-Tournee. Technisch kann man der Band bzw dem Management nichts vorwerfen, denn der geneigte DVD-Käufer darf aus drei verschiedenen Formaten auswählen, die unterschiedlich umfangreich gestaltet wurden, je nachdem wie tief man in den Geldbeutel greifen möchte.

Was nun aber die Strategie angeht, mit der ein voraussichtlich durchaus tolles Produkt im Netz beworben werden soll, macht man keinen besonders guten Eindruck. Aktuell gibt es einen Trailer zur DVD, der es auf die sagenhafte Länge von 24 Sekunden bringt. Ein Drittel davon bleibt der Bildschirm schwarz und der Rest davon versetzt mich ehrlich gesagt weder in Konzert- noch in Kaufstimmung. Nun bin ich nicht der Maßstab für das Funktionieren dieses Appetizers, aber wirklich stinkig macht mich die Art und Weise, wie dieser Clip in Umlauf gebracht wird:

Möchte man sich nämlich diesen kurzen Clip reinziehen, muss man zwingend bei Twitter angemeldet sein. Die Strategie baut darauf, dass wir auf eine Twitter-Anwendung zurückgreifen, die uns automatisch zu Followern des Depeche Mode-Accounts macht, und ebenso automatisch einen Tweet absetzt. Der im Tweet enthaltene Link führt logischerweise nicht direkt zum Video, sondern auf die depechemode.com-Seite, die uns ins Bild setzt, dass wir nach dem Following und dem Tweet den 24-sekündigen Ausschnitt sehen dürfen. 

Mir ist schon klar, dass die Band selbst nicht verantwortlich ist für diese hanebüchene Vorgehensweise, aber egal ob Management und/oder Webmaster dafür verantwortlich sind – es fällt natürlich auf die Jungs zurück. Da man sicher keine Sensation verpasst, wenn man diesen Ausschnitt nicht sieht, ist diese Vorgehensweise für den nicht-twitternden Fan also alles andere als eine lebensbedrohliche Situation, clever und vorausschauend ist es aber mit Sicherheit auch nicht. 

Durch diese "Strategie" wird man vermutlich nicht eine einzige DVD weniger verkaufen, egal wie schwach die Aktion ist – aber in meinen Augen auch keine einzige DVD mehr. Ich dachte eigentlich, dass die Verantwortlichen im Depeche Mode-Umfeld Social Media besser verstanden haben. 

Bevor ich den Clip auch für die Nicht-Twitterer unter Euch poste, möchte ich abschließend natürlich noch erwähnen, dass ich die DVD bzw Blu-Ray so oder so gekauft hätte – egal, ob die Werbung gut, schlecht oder gar nicht vorhanden ist 😉

  • http://blog.gilly.ws Gilly

    Ich kann dir nur zustimmen. Was das Internet angeht, scheinen Depeche Mode irgendwie in den 80ern hängen geblieben zu sein. Die haben vor einiger Zeit auch ziemlich radikal all ihre Musikvideos von YouTube Co. löschen lassen :/


  • guest1: Hey, mag der Betreiber dieser Seite das Kommentar bitte löschen, da ich nicht lĂ€nger möchte, dass mein Name hier auftaucht. Dankeschön 🙂
  • Gernot Herzog:  Zum GlĂŒck gibt es nicht nur Facebook ich habe da eine Alternative gefunden, die meine Freizeit auch noch mit vielen Extras versĂŒĂŸt. http://www.si
  • Maria: FotobĂŒcher sind echt eine tolle Idee, aber leider ja wie du schon sagst auch etwas teuer. Ich habe letztens eine super Alternative gefunden und zwar

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